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Gegen den Welthunger : Esst mehr Insekten!

Insekten als Snack: Ist das eine nachhaltige Alternative für die Zukunft? Bild: dpa

Die Weltbank will die Massentierhaltung von Insekten fördern. Grillen und Mehlwürmer sollen eine nachhaltige Möglichkeit sein, eine ausreichende Versorgung mit Proteinen sicherzustellen.

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          Rund zwei Milliarden Menschen essen Insekten, die sie in freier Wildbahn einfangen. Sie folgen damit einer langen Tradition. Neuer ist dagegen, dass Insekten gezielt gehalten werden, um als Nahrung für Menschen und Futter für Tiere zu dienen. Das soll sich ändern, unter anderem durch Weltbank-Pilotprojekte für die Massentierhaltung von Grillen, Mehlwürmern oder Fliegen.

          Winand von Petersdorff-Campen
          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Die Weltbank sieht darin eine vielversprechende Methode, die nachhaltige klimaschonende Ernährung mit Proteinen vor allem in Afrika sicherzustellen. Das geht aus einem jetzt veröffentlichten Bericht hervor. Die Entwicklungsfachleute glauben, dass die Herausforderung, die schnell wachsende Bevölkerung des Kontinents satt zu bekommen, mit Methoden der konventionellen Landwirtschaft allein nicht zu leisten ist. Afrika gilt als der Erdteil, der die Folgen des Klimawandels besonders stark spürt und sich deshalb Nahrungsproduktion, die auf viel Wasser angewiesen ist, nicht leisten kann.

          Eine Lösung sind Insektenfarmen. Davon gibt es auf dem Kontinent schon rund 1000. Rund 2000 Insekten gelten als essbar, in einigen Teilen gehören Insekten zur traditionellen Ernährung, die meisten werden aber in freier Wildbahn gefangen. Laut Weltbank sind bisher 18 Arten als geeignet für die Tierhaltung identifiziert worden. Darunter stechen Grillen, Mehlwürmer und die Schwarze Soldatenfliege hervor, die schon auf vielen Farmen auf der ganzen Welt gezüchtet werden. Marktführer ist Südkorea mit mehr als 2500 Farmen, auf denen Insekten zum Verzehr, als Tierfutter oder für Medizinpräparate aufgezogen werden.

          Der Markt wächst schnell

          Laut Weltbank wächst der Markt schnell. In Afrika allerdings steckt er noch in den Kinderschuhen. Die meisten Bauern betreiben die Haltung nebenbei oder beschränken sich darauf, Insekten zu sammeln. In dem Bericht wird das Unternehmen Faso Pro aus Burkina Faso erwähnt. Es verkauft spezielle getrocknete Raupen in 75- und 150-Gramm-Packungen als Snack und salzige Kekse, die mit dem Mehl der getrockneten Raupen gebacken wurden.

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          Faso Pro hat 500 Frauen trainiert, die jährlich rund 15 Tonnen der Raupen einsammeln. In Kenia hat die dänische Hilfsorganisation Dan Church Aid nach einigen Fehlschlägen eine kleine Pilot-Farm auf die Beine gestellt, die Grillen züchtet und Menschen in einem Flüchtlingslager zeigt, wie man die Haltung erfolgreich kopieren kann. In einigen Regionen werden Grillen schon länger in Pulverform als gesunder Lebensmittelzusatz konsumiert oder auch an Haustiere verfüttert.

          Die größten Hoffnungen ruhen allerdings auf der Schwarzen Soldatenfliege und ihrer Larve. Das Insekt eignet sich besonders gut zur Massentierhaltung, weil es schnell wächst, robust gegen Krankheiten ist, selbst nicht sticht und vor allem: fast alles isst. Die Soldatenfliege macht sich über organischen Abfall aller Art her und wandelt ihn zu Dünger um. Seine Larven dienen Schweinen, Hühnern und Fischen in Aquakulturen als Proteinfutter und ersetzen damit Soja- und Fischmehl. Sojafutter wird mit der Abholzung ökologisch wichtiger Wälder in Zusammenhang gebracht, Fischmehl mit der Überfischung der Weltmeere. Neben diesem ökologischen Nutzen könnten die Fliegenfarmen armen Ländern helfen, weniger Agrargüter zu importieren.

          Juergen Voegele, Weltbank-Vizepräsident für nachhaltige Entwicklung, spricht davon, dass die Farmen Teil „eines vielversprechenden Menüs an Lösungen sind“, die Ländern hülfen, ihre Landwirtschaft nachhaltiger und emissionsärmer zu gestalten.

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