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„Smart Citys“ im Ruhrgebiet : Huawei arbeitet längst an Deutschlands Infrastruktur mit

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Im September des vergangenen Jahres nahm Link 18 Begleiter mit auf eine Delegationsreise in die Zukunft. In Shenzhen, zwanzig Kilometer nördlich von Hongkong, steht das Hauptquartier von Huawei. Den Stadtteil Longgang mit mehreren hunderttausend Einwohnern hat der Konzern zu einer total vernetzten „Smart City“Modellstadt gemacht: Beinahe alles ist dort mit elektronischen Sensoren ausgestattet, und gut 41000 Kameras überwachen den Stadtteil, alles ist verbunden, alles wird von Künstlicher Intelligenz ausgewertet.

Die gesammelten Daten fließen im Kommandozentrum, dem „Gehirn von Longgang“, zusammen. Die Resultate sind überwältigend: Nach Angaben der Stadtverwaltung ging die Kriminalität innerhalb eines Jahres um 28,8 Prozent zurück, was mit vollkommener Videoüberwachung erkauft wurde. Durch bessere Kommunikation in den Behörden konnten die Wartezeiten in den Ämtern halbiert werden.

Das Allumfassende des Longgang-Modells zeigt sich gerade in scheinbar kleinen Dingen wie den Straßenlaternen. Nicht nur wird die Straße intelligent beleuchtet (schwächer, wenn niemand da ist). In der Laterne stecken auch Überwachungskameras; zudem überprüft sie die Luftqualität, sorgt für freies W-Lan und ist mit einem Notfallknopf ausgestattet.

Ein Aspekt relativiert die vielbeschworene Gefahr aus Fernost

Von den Mülltonnen vor der Veltins-Arena bis zur Totalüberwachung durch ein autoritäres Regime ist es ein sehr langer Weg. Die Frage bei „Smart Cities“ im Ruhrgebiet ist daher eine andere: Kann China durch die Kooperation deutsche Städte ausspionieren und im Ernstfall kritische Infrastrukturen beschädigen? Huawei ist gesetzlich verpflichtet, mit dem chinesischen Geheimdienst zusammenzuarbeiten, und es existieren personelle Verflechtungen mit der Armee.

Doch der Konzern wurde in Deutschland noch nicht kategorisch vom 5G-Ausbau ausgeschlossen. Seit November betreiben die Chinesen zudem ein Sicherheitslabor bei Bonn, wo auch der Sitz der Bundesnetzagentur ist. Dort können vom Bundesamt für Sicherheits- und Informationstechnik (BSI) die Quellcodes der Huawei-Produkte auf Sicherheitslücken überprüft werden.

Und noch ein Aspekt relativiert die manchmal beschworene Gefahr aus Fernost: Digitalisierungsstrategien wie Gelsenkirchen und Duisburg haben heute nahezu alle deutschen Großstädte, und nahezu alle suchen in der Umsetzung die Unterstützung großer Konzerne. „Die EU-Förderungen sind darauf angelegt, dass sich Städte ein großes Technologieunternehmen als Partner suchen“, erklärt Jens Libbe vom Deutschen Institut für Urbanistik.

So kooperiert eine der führenden „Smart Cities“ in Deutschland, München, mit Siemens, aber es gibt deutschlandweit auch viele weitere ausländische Akteure, so wie Panasonic – oder die schon erwähnte Cisco Corporation aus Amerika. Nach Prognosen der International Data Corporation werden bis 2021 auf der ganzen Welt 135 Milliarden Dollar in „Smart City“-Projekte investiert. Gerade für ärmere Kommunen ist es schwierig, an diesem Trend teilzuhaben. Da ist Huawei ein willkommener Partner für den großen Sprung nach vorn im Ruhrgebiet.

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