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Die große Farce : Von wegen gemeinnützig!

Neue Enthüllungen erschüttern die Arbeiterwohlfahrt im Rhein-Main-Gebiet. Bild: dpa

Der Staat macht’s möglich, dass gemeinnützige Vereine abzocken und den freien Wettbewerb untergraben können. Begünstigt wird das auch durch Intransparenz. Eine Gesetzesreform ist dringend notwendig.

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          Was sich unter dem Siegel der Großherzigkeit so alles verbirgt, ist gerade auf entlarvende Weise zu erfahren. Mal wieder. Immer neue Enthüllungen erschüttern derzeit die Arbeiterwohlfahrt im Rhein-Main-Gebiet. Führende Funktionäre sollen sich die Taschen gefüllt haben. Die Rede ist von protzigen Dienstwagen, skandalösen Gehältern, einem dubiosen Schattenreich von Beteiligungen und Insichgeschäften. Staatsanwälte ermitteln und durchsuchen Büros. Dass sich nicht alle Wohltäter redlich dem allgemeinen Interesse verpflichtet sehen, ist längst bekannt: Ob Treberhilfe für Obdachlose, Diakoniewerk, Rotes Kreuz oder Arbeiter-Samariter-Bund – in vielen Organisationen, die von einem Füllhorn staatlicher Zuwendungen profitieren, wurde abgezockt.

          Viele steuerliche Vorteile

          Begünstigt werden solche Auswüchse von Intransparenz. In einem verschachtelten Gewirr von Unterorganisationen, regionalen Kleinstverbänden und selbständigen Tochtergesellschaften wuchern Maßlosigkeit, aber auch Ineffizienz. Der Staat fördert die schwer kontrollierbaren Kolosse unter dem privilegierten Dach der Gemeinnützigkeit und nährt sie mit Milliardenbeträgen. Von diesem Vorzugsrecht ziehen nicht nur die Wohlfahrtsorganisationen ihren Nutzen. Die spezielle Sonderhilfe reicht von Wohlfahrtspflege, Umweltschutz über Tierschutz und Sport bis zur politischen Bildung und Kultur.

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