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Milchpulver wird knapp : Die amerikanische Babymilch-Krise

Hier fehlt Milchpulver: Ziemlich leeres Regal in einer Drogerie in Carmel in Indiana Bild: AP

Amerikas junge Eltern geraten in Panik. Milchpulver für Säuglingsmilch wird knapp. Die Gründe für diesen Engpass sind vielfältig, unter anderem schottet sich der amerikanische Markt vom europäischen ab.

          4 Min.

          Krieg in der Ukraine, verheerende Waldbrände in Süden der USA und eine zehrende Inflation – das ist alles schlimm. Das größte emotionale Potenzial aber birgt eine Krise, die so kaum jemand kommen sah: die Babymilch-Krise. In Amerika wurde das Milchpulver für die Baby-Fläschchen knapp. „Mein Herz zerbrach in 100 Teile am Walmart-Regal für Babymilchpulver“, schreibt Sara Owens auf Facebook. Sie traf auf einen verzweifelten Mann, der in Tränen ausbrach, weil das Regal leer war. Er hatte schon zahlreiche Supermärkte in South-Carolina vergeblich nach dem Pulver für Babymilch abgeklappert.

          Winand von Petersdorff-Campen
          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          „Das sollte nicht in Amerika passieren“, sagt Owens. Sie fordert ihre Facebook-Freunde auf, Medien und Politikern die Hölle heiß zu machen. Der Beitrag wurde mehr als 180.000 Mal geteilt, unter den Kommentaren posteten Leute Bilder von leeren Regalen und Berichte über eigene verzweifelte Fahndungen nach Babynahrung. Weniger als die Hälfte der amerikanischen Säuglinge wird in den ersten drei Lebensmonaten ausschließlich gestillt, und nur noch 25 Prozent nach sechs Monaten. Amerika ist auf das Milchpulver angewiesen.

          Die Brisanz wird daran deutlich, dass sich Präsident Joe Biden einschaltete und am Donnerstag mit Industriegrößen beratschlagte, wie die Krise zu bewältigen sei. Demokratische Abgeordnete forderten unterdessen, die sonst im Krieg oder schweren Notlagen mögliche Zwangsbewirtschaftung einzuleiten. Einzelne Republikaner verfluchen Biden unterdessen dafür, dass offenbar Milchpulver an die mexikanische Grenze zur Versorgung von Flüchtlingsbabys geschickt wurden.

          Viele Gründe spielen zusammen

          Die Statistik zur Krise liefert die Analysefirma Datasembly. Sie fand heraus, dass die Händler Ende April gerade noch über 60 Prozent ihrer üblichen Bestände verfügten. In manchen Metropolregionen waren die Bestände nur noch halb so groß wie sonst. Weil die Bestände sich grob an der Nachfrage orientieren, heißt das: Jeder zweite Kunde geht leer aus. Kaum eine Ware sei von Lieferschocks so betroffen wie das Babymilch-Pulver, sagte Datasembly-Chef Ben Reich.

          Der Grund für die Knappheit ist weniger offensichtlich, als es zunächst scheint. Die Pandemie hatte viele Lieferbeziehungen erschüttert und auch Babynahrung nicht verschont. Schon zu Beginn des Jahres waren manchmal Markenprodukte knapp, was wiederum Kunden zum Horten veranlasste, wenn etwas da war. „Manchmal reicht ein Text in der Müttergruppe auf Facebook, um eine Panik auszulösen”, berichtete die Online-Händlerin Laura Modi dem Wall Street Journal. Supermärkte begannen Verkäufe zu rationieren.

          Richtig schwere Auswirkungen aber hatte die Stilllegung einer Fabrik des Marktführers Abbott in Michigan. Abbott beherrscht als einer der großen Produzenten in Amerika rund 50 Prozent des Marktes, die nächsten drei teilen sich 40 Prozent. Die Produktionsstätte war in Absprache mit der obersten Gesundheitsbehörde FDA schon im Februar dicht gemacht und die produzierte Babynahrung zurückgerufen worden. Denn bei vier Babys waren Cronobacter-Bakterien festgestellt worden, zwei starben. Alle vier hatten Flaschennahrung von Abbott getrunken. Die Fabrik ist immer noch geschlossen, obwohl Einiges dafür spricht, dass sie gar nicht schuld ist: In der Produktion wurden laut Abbott keine speziellen Cronobacter-Bakterien gefunden, nur in anderen Bereichen der Fabrik. Diese wiederum hatten nichts mit den Chronobacter-Bakterien bei den Babys gemein. Sobald FDA die Produktion wieder genehmigt, dauert es zehn Wochen, bis die Babynahrung auf den Regalen steht, meldet Abbott.

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