https://www.faz.net/-gqe-945mj

Ein Professor macht es vor : So einfach geht Elektroauto

Elektrobauer Achim Kampker Bild: Reuters

Ein Aachener Professor baut erfolgreich elektrische Kleinlastwagen. Warum gelingt ihm, was die Branche noch nicht geschafft hat?

          Achim Kampker hat nur wenig von einem verrückten Professor. Dabei wurde der 41-Jährige anfangs für seine Idee ausgelacht und für verrückt erklärt. In dem Konferenzraum von Streetscooter in Aachen nippt er mit einem jungenhaften Grinsen an seinem Kaffee und erzählt davon, wie er vom Lehrstuhlinhaber zum Geschäftsführer des größten Herstellers von Elektro-Nutzfahrzeugen in Deutschland wurde. Eine Erfolgsgeschichte, die die Autobranche hierzulande aufgemischt hat.

          Anna Steiner

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          2010 gründete Achim Kampker, damals hauptberuflich Lehrstuhlinhaber an der Technischen Hochschule in Aachen, gemeinsam mit seinem Kollegen Günther Schuh die Streetscooter GmbH. Der Produktionsingenieur wollte beweisen, dass Elektroautos günstiger und schneller produzierbar sind, als bis dato alle großen Hersteller behaupteten. „Von Professoren sagt man gerne, sie säßen in ihrem akademischen Elfenbeinturm und hätten keine Ahnung von der Praxis“, erklärt Kampker. „Wir haben bewiesen, dass es auch anders geht.“ Dabei bekamen die Aachener unerwartete Hilfe von einem Dax-Konzern.

          Besuch von der Bundeskanzlerin

          Mehrfach hatte Post-Vorstand Jürgen Gerdes bei den großen Autobauern angefragt und um ein schadstoff- und wartungsarmes Postauto gebeten, um das steigende Paketaufkommen meistern zu können. Denn der Online-Handel boomt. In Hochzeiten – gerade vor Weihnachten – müssen jeden Tag bis zu acht Millionen Pakete ausgeliefert werden. Und das natürlich am besten, ohne noch mehr Abgase in die deutschen Innenstädte zu blasen. Doch die meisten winkten ab. Iveco, Mercedes und Renault boten lediglich ihre Standardmodelle an, die sie von Diesel auf einen Elektroantrieb umrüsten wollten – für viel Geld.

          Die Internationale Automobil-Ausstellung 2011 brachte die Wende: Bundeskanzlerin Angela Merkel besuchte Achim Kampker und sein kleines Team und ließ sich den Streetscooter vorführen, den das Forscherteam bis dahin in einer kleinen Stückzahl gebaut hatte. Zwar hielt sich die Begeisterung der Regierungschefin in Grenzen, doch viele Medien berichteten über ihren Besuch. Über einen dieser Zeitungsartikel wurde Post-Vorstand Gerdes darauf aufmerksam und nahm Kontakt auf. Eine enge Kooperation war die Folge, die 2014 in einer vollständigen Übernahme der Streetscooter durch die Post mündete. Die Aachener Tüftler boten den ersten Kleintransporter an, der vollständig elektrisch betrieben war. Andere Hersteller wie Mercedes mit dem Kleintransporter E-Vito ziehen jetzt nach, kommen jedoch erst 2018 auf den Markt. Wie ist es möglich, dass eine kleine Gruppe von Wissenschaftlern der erfahrenen Autoindustrie voraus ist?

          „Deutsche Ingenieure haben die Tendenz, sich immer das Schwierigste zuerst vorzunehmen“, sagt Achim Kampker. So suchten Volkwagen, Mercedes und BMW nach einer Lösung für große Stückzahlen. „Diese Hersteller wollen ein Weltauto bauen, das sich überall verkaufen lässt“, so Kampker. Die Bedingungen dafür sind denkbar schwierig: Eine Vorgabe sei beispielsweise, dass ein solches Elektroauto auch nach acht Wochen Stillstand mitten im eiskalten Sibirien noch problemlos fährt. Solche Klimaverhältnisse gibt es aber in Deutschland nicht. „Unser Streetscooter fährt erst mal nicht in Sibirien. Wir exportieren auch nicht im großen Stil, dafür reichen unsere Stückzahlen gar nicht aus“, sagt Kampker.

          Weitere Themen

          Das ist das teuerste Land Europas Video-Seite öffnen

          17 Euro für eine Pizza : Das ist das teuerste Land Europas

          Für eine Einzimmerwohnung in Reykjavik werden durchschnittlich 1300 Euro fällig, für eine Pizza zahlt man 17 Euro und selbst eine Flasche Bier kostet sieben Euro – das Leben in Island ist eindeutig nichts für Sparfüchse.

          Topmeldungen

          Pläne der neuen Ministerin : Was die Bundeswehr braucht

          Die Streitkräfte müssen bereit und fähig für den Einsatz sein. Die bisherigen Bemühungen müssen deshalb fortgesetzt und verstärkt werden – daran wird man die neue Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer messen.

          Engpass bei Medikamenten : Wenn die Arznei nicht mehr zu haben ist

          Patienten im Rhein-Main-Gebiet bekommen immer häufiger nicht ihre benötigten Medikamente. Apotheker müssen manche Kunden aufgrund von Lieferengpässen wegschicken. Doch das Problem ist längst nicht mehr nur regional.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.