https://www.faz.net/-gqe-945mj

Ein Professor macht es vor : So einfach geht Elektroauto

  • -Aktualisiert am

Gärtnereien, Bäckereien – die Anfragen häufen sich

Auch auf der Kundenseite konnte der Aachener Elektroautobauer sein Portfolio erweitern. Längst ist er nicht mehr nur Betriebsmittelhersteller der Deutschen Post. Bäckereien, Gärtnereien und Stadtwerke gehören zu den Interessenten. So wollten Bäckereien einen Transporter, in den sie ihre Rollwagen mit Kuchen einfach einschieben können– ein Niederflurfahrzeug mit tiefergelegtem Kofferraum war das Ergebnis. Für Gärtnereien baut Kampker einen Streetscooter, der wie eine fahrende Steckdose funktioniert und die elektrisch betriebenen Gartengeräte am Einsatzort wieder auflädt. Und für die Stadtwerke wurde ein Drei-Seiten-Kipper entwickelt. Die modulare Bauweise ermöglicht es, den Wagen an spezielle Anforderungen anzupassen. Das macht den Streetscooter kostengünstig in der Produktion - auch bei kleinen Stückzahlen.

100.000 Streetscooter will die Post in den kommenden Jahren auf die Straße bringen. Und sieht noch viel Luft nach oben. Vier Millionen Fahrzeuge in Deutschland fahren nach Kampkers Berechnungen nie mehr als 100 Kilometer am Tag. Die meisten davon sind Nutzfahrzeuge. Angesichts drohender Fahrverbote in Innenstädten bieten die Forscher hier eine gute Lösung für Handwerker und Co., deren Diesel-Kraftwagen in Zukunft womöglich nicht mehr in jede deutsche Innenstadt eingelassen werden.

Die steigende Nachfrage ist längst auch in der Produktion spürbar. Ein zweites Werk nahe der niederländischen Grenze soll die Stückzahlen verdoppeln. „Damit untermauern wir unseren Anspruch, Motor der Elektromobilität zu bleiben und Marktführer in der grünen Logistik zu werden“, sagt Post-Vorstand Jürgen Gerdes. Bis 2050 will die Post ihre Emissionen auf null reduzieren. Dafür werden weitere Streetscooter gebraucht. Auch im Bereich der Elektroroller und elektrifizierten Fahrräder für die Briefzustellung hat Streetscooter einen Forschungsauftrag der Post erhalten.

Künftig sollen die Scooter den Paketboten folgen

Mit der Elektromobilität sind die Zukunftsvisionen des Aachener Hochschullehrers aber noch nicht erschöpft. Auf dem Aachener Testgelände sieht man derzeit häufiger einen Streetscooter fahren, der vollgepackt ist mit Sensoren. Noch sind sie außen am Fahrzeug befestigt. Nach der Testphase des autonomen Scooters sollen die Sensoren aus der Sicht verschwinden. „Wir arbeiten an einer Follow-me-Funktion“, erläutert Kampker. Paketzusteller machen viele unnötige Wege: Sie parken das Fahrzeug – noch dazu häufig illegal in zweiter Reihe – entnehmen einige Pakete, tragen sie aus und kehren zum Fahrzeug zurück. Der autonome Streetscooter soll dem Paketzusteller in langsamem Tempo folgen und ihm so den Weg zurück zum Fahrzeug ersparen. Auch das Parken würde dann erleichtert. „Wir können einem Computer nicht beibringen, die Verkehrsregeln zu brechen“, erklärt Kampker und lacht.

Auch bei anderen Antrieben sind die Aachener mittendrin: Die kleine Firma plant ein Brennstoffzellenauto, bei dem die Batterie durch eine Brennstoffzelle aufgeladen und so die Reichweite vergrößert werden soll. Denn obwohl für die Post 100 Kilometer Reichweite genügen: Viele Kunden wollen mehr. Und auch Kampker plant Größeres: Wenn sein Opel Ampera ausgedient hat, will er sich einen Streetscooter zur Familienkutsche umbauen – da würden 100 Kilometer Reichweite auch knapp. Kampkers Motivation ist persönlicher Natur: „Mir geht es darum, dass das Thema Nachhaltigkeit schneller umgesetzt wird“, drängt der 41-Jährige. „Ich habe vier Kinder zu Hause, und denen möchte ich später einmal sagen können, dass ich zumindest alles versucht habe, dass sie und auch ihre Kinder noch ein vernünftiges Leben auf diesem Planeten führen können.“

Weitere Themen

Mitsubishi macht weiter

Eclipse Cross : Mitsubishi macht weiter

Im Sommer sah es kurz so aus, als würde Mitsubishi den europäischen Markt verlassen. Man hat es sich anders überlegt. Es kommen wieder neue Modelle, das erste ist der neue Eclipse Cross als Plug-in-Hybrid.

Topmeldungen

Krise im deutschen Fußball : Die Nationalelf ist im freien Fall

Seit dem WM-Sieg stürzt der Image-Wert des Nationalteams in den Keller, wie eine Umfrage belegt. Auch die Entfremdung von der Elf erreicht eine neue Dimension. Das hat nicht nur mit Niederlagen auf dem Rasen zu tun.
Neue Hoffnung für die Blockchain: Kommt diesmal der Durchbruch?

Zukunft der Computer : Bitcoin – Blockchain – Boom

Der jüngste Kursanstieg der Kryptowährung lenkt den Blick auf eine Technologie, die gewaltiges Potential hat: Es geht um sichere Lieferketten, den digitalen Euro und mehr. Ein Gastbeitrag.
Geht es mit englischen Begriffen leichter? Anti-Rassismus-Demonstration im Juni in Frankfurt

Debatte über Streichung : Der gefährliche Mythos Rasse

Der Begriff der Rasse soll aus dem Grundgesetz verschwinden. Geprägt von einem französischen Arzt und Philosophen hat das Wort eine zweifelhafte wissenschaftliche Karriere gemacht – mit mörderischen Folgen. Forscher arbeiten an seinem Ende.
Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, am 20. November in Troisdorf

Historische Corona-Analogien : Auch Deutsche unter den Opfern

Armin Laschet spricht vom härtesten Weihnachtfest der Nachkriegszeit, eine Demonstrantin vergleicht sich mit Sophie Scholl: Helfen mehr Geschichtsbücher gegen die schiefen Bilder?

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.