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Ein Professor macht es vor : So einfach geht Elektroauto

  • -Aktualisiert am

Bislang fahren mehr als 4000 Streetscooter für die Deutsche Post, Tendenz steigend. Der Kleintransporter ist für den europäischen Binnenmarkt zugelassen. In den Niederlanden fährt er bereits, weitere Länder wie Polen und Tschechien sollen folgen. Mit der Produktion wuchsen auch Team und Arbeitsaufwand. Wie das mit der Lehrtätigkeit vereinbar ist? Momentan gar nicht. Kampker ist beurlaubt, zu viel Fahrt nahm das Unternehmen auf. „Technisch gesehen mache ich gerade ein Industriepraktikum bei der Deutschen Post“, sagt der Produktionsingenieur und grinst.

Schon in der Herangehensweise unterschied sich die RWTH Aachen deutlich von der klassischen Autoindustrie. Statt das Unmögliche zu versuchen, setzten sich die Leute von Streetscooter mit zehn mittelständischen Zulieferern zusammen und spielten mögliche Szenarien durch. Das Ergebnis ist ein hochgradig modularisiertes Elektroauto, dessen Produktion sich schon in geringen Stückzahlen lohnt. „Wir haben den Prozess von der Produktionsseite her gedacht“, erklärt Kampker.

Die Aufgabe war nicht, am Ende möglichst weite Reichweiten zu erzielen, sondern die Kosten und die benötigte Zeit für die Produktion und Instandhaltung zu reduzieren. Der Streetscooter hat je nach Ausführung eine Reichweite von etwa 100 – 200 Kilometern. Im Vergleich mit anderen Herstellern wie Tesla oder Daimler mit dem E-Smart ist das nichts. Doch ein Paketzusteller fährt nur etwa 80 Kilometer pro Tag, die Reichweite ist also ausreichend. Durch den baukastenartigen Aufbau ist es möglich, einzelne Teile einfacher zu ersetzen. So werden die Instandhaltungskosten verringert.

Streetscooter heißen die Elektroautos, von denen die Deutsche Post 4000 in Benutzung hat.
Streetscooter heißen die Elektroautos, von denen die Deutsche Post 4000 in Benutzung hat. : Bild: Streetscooter

Etwas besonders Haltbares musste her

Das Team der RWTH Aachen sah sich in der Entwicklung außerdem die viralen Punkte eines Zustellfahrzeugs an. Etwa 300 Mal pro Tag steigt ein Paketbote aus dem Auto ein und aus. Das Türscharnier ist besonderen Belastungen ausgesetzt, zumal die Türen gerne auch mal etwas fester geschlossen werden. Etwas besonders Haltbares musste her. Auch Kratzer und Beulen sind bei Postautos keine Seltenheit. So entschied sich Kampker für einen vollständig durchgefärbten Kunststoff als Außenmaterial. Auch das ein Eigengewächs: Die RWTH forscht zu gewebeverstärktem Kunststoff, der sich auch für den Karosseriebau eignet. Eine Macke ist so weniger sichtbar und führt nicht zu Roststellen. Und während in herkömmlichen Lieferwagen die Ladefläche durch Radkästen unterbrochen wird – was im Alltag realen Stauraum kostet –, ist der Kasten des Streetscooters mit einer geraden Ladefläche und rutschfester Oberfläche ausgestattet. Die enge Zusammenarbeit mit Zulieferern und Kunden zahlt sich aus.

Das Streetscooter-Werk funktioniert wie eine gewöhnliche Fahrzeugmontage. Zulieferer produzieren die Bauteile und Streetscooter-Arbeiter montieren sie. Um Kleinlastwagen mit einer größeren Ladefläche bauen zu können, arbeitet Streetscooter seit kurzem mit dem amerikanischen Autobauer Ford zusammen. In nur zwei Monaten stellten die beiden Unternehmen den Streetscooter Work XL mit einer Nutzlast von 1350 Kilo und einer Reichweite von bis zu 200 Kilometern auf die Räder. Grundlage ist das Fahrgestell des Ford Transit, das mit einem elektrischen Antriebsstrang und einem Karosserieaufbau nach Vorgaben der Deutschen Post ausgestattet wird.

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