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Rheinland-Pfalz : Wie ein Bernsteinhändler den Flughafen Hahn kaufen wollte

Hans-Werner Müller (rechts im Bild) in der Sendung „Report Mainz“: Der Bernsteinhändler unterschrieb einen Kaufvertrag für den Flughafen Hahn. Bild: Report Mainz

Alle wollen wissen, was ein 64 Jahre alter Mann aus Idar-Oberstein mit dem geplanten Verkauf des Flughafens an chinesische Investoren zu tun hat. Die F.A.Z. hat mit ihm gesprochen.

          „Ich hab halt unterschrieben“. Seit diese Unterschrift, von der die Öffentlichkeit nie etwas erfahren sollte, vor ein paar Tagen doch bekannt wurde, ist die Welt von Hans-Werner Müller aus den Fugen. Alle wollen nun wissen, wie ein 64 Jahre alter Bernsteinschleifer aus Idar-Oberstein den Verkauf des Hunsrück-Flughafens Hahn an chinesische Investoren eingefädelt hat.

          Bernd Freytag

          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Ludwigshafen.

          Wie er zum Unterzeichner eines Kaufvertrages wurde, der in der rheinland-pfälzischen Landespolitik ein veritables Erdbeben ausgelöst hat und überhaupt natürlich wollen sie wissen, was das denn für Investoren sind und ob das Geld je fließt. „Selbst bei meinen Nachbarn waren sie und haben gefragt, ob ich den Mülleimer reinstelle und Schnee wegräumte“, sagte Müller der F.A.Z..

          Und dann sagt der Mann noch eine ganze Menge, aber wenig Konkretes. Sein Herz ist voll, das wird bald klar, und gern würde er alles kommentieren, was so über ihn spekuliert wird, aber erstens sei er ja an Geheimhaltungspflichten gebunden, meint er, und zweitens – das kann man so sagen – ist Hans-Werner Müller von der Wucht der Ereignisse überfordert.

          Schon 30 Mal nach China geflogen

          Was man noch sagen kann ist dies: Müller hat den damaligen Frachtpiloten Yu Tao Chou in seinem Geschäft im Idar-Obersteiner Ortsteil Tiefenstein kennengelernt. Der Mann aus China landete regelmäßig mit dem Yangtse River Express auf dem nahegelegenen Flughafen Hahn und entdeckte im Umland den Müllerschen Bernsteinhandel, so muss es gewesen sein. Chous Frau selbst soll in Schanghai ein Bernsteingeschäft betreiben. In China sind die Steine sehr beliebt, einen regelrechten Boom gebe es dort, sagt Müller, 90 Prozent seiner Steine liefere er dort hin.

          Auf jeden Fall hat sich zwischen den beiden Männern eine Freundschaft entwickelt. So unterschiedlich der weltgewandte studierte Arzt und Pilot aus Schanghai und der Bernsteinschleifer aus dem rheinland-pfälzischen Hinterland auch auf den ersten Blick sein mögen – sie sind beide Glücksritter und einem geschäftlichen Abenteuer nicht abgeneigt.

          Gut 30 Mal sei er schon nach China geflogen, sagt Müller. Einmal haben die beiden Familien sogar zusammen Urlaub gemacht, in Hongkong. Irgendwann habe er eben erfahren, dass der Hahn verkauft werden solle und das habe er seinem Freund natürlich gesagt, schließlich kenne dieser den Hahn wie kaum ein anderer. Und so ist eins zum anderen gekommen. In der Pizzeria am Sportplatz der TuS Tiefenstein haben sie sich dann gewundert, wie der Herr Müller sich mit Chinesen traf und was sie miteinander ausbaldowerten. Aber dass daraus dereinst eine Landesaffaire werden könne, wer hätte das geahnt.

          Mit wem genau er noch gesprochen hat, das will Müller nicht sagen, das dürfe er gar nicht. Warum er als Bevollmächtigter den Kaufvertrag unterschrieben hat, obwohl er nach eigenen Angaben doch gar kein Angestellter der Shanghai Yiquian Trading ist? „Was würden Sie tun, wenn Sie beim Notar sind und kein deutsch verstehen“, lautete seine verblüffende Antwort.

          Bernstein vom Seegrund

          Ob es wirklich nur Freundschaftsdienste waren, lässt sich mit ihm nicht klären. Müller war nach Angaben von Innenminister Roger Lewentz (SPD) durchaus bei Verhandlungen dabei. Bei der Präsentation des Kaufvertrages vor versammelter Presse am Hahn stand er – für fast alle Beobachter unbekannt – mit seiner ukrainischen Frau auf dem Bild. Eines der vielen Gerüchte sah den Bernsteinhändler gar schon als Geschäftsführer am Hahn. Bis heute ist er von dem Vertrag und von seinem Freund Chou überzeugt.

          Der Hahn sei pleite, ohne frisches Geld und frische Ideen, gingen dort bald die Lichter aus. Wie es jetzt gelaufen sei, das sei schon eine unglückliche Sache. Aber Chou sei seriös, zuverlässig und in der ganzen Flughafenbranche bekannt, sagt Müller. Und dann sagt er noch, es werde sich alles noch zum Guten wenden, da werde sich mancher noch wundern.

          Müller ist nicht naiv, wie man nach einem Gespräch mit ihm glauben könnte. Der Mann hat schon einiges in seinem Geschäftsleben erlebt: Bernsteine, Tourismus, Fische. Die „Rhein-Zeitung“ berichtet von einer Insolvenz seines Bernsteinhandels 2002. Drei Jahre lang habe er einen Fischgroßhandel betrieben. Im vergangen Jahr tauchte er in Ostdeutschland als Geschäftsführer der Eurasia Amber GmbH sogar öffentlich auf. Der Mitteldeutschen Zeitung berichtete er von Plänen, vom Grund des Goitzschesee in Bitterfeld Bernsteine zu fördern.

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