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Übergriffe in Köln : Das naive Deutschland

Nach der Silvesternacht in Köln: Das Ausland schaut auf die Folgen. Bild: dpa

Die Silvesternacht in Köln beschäftigt auch das Ausland sehr. Die Rechten bekommen allerorten Auftrieb. Das sollte die Wirtschaft interessieren. Deren Vertreter aber werden immer leiser.

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          Die Ereignisse in Köln bewegen die Welt, und sie werfen ein Licht auf Deutschland, das Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihren Anhängern nicht lieb sein kann. Das Land stehe auf der Kippe, heißt es. Die Zweifel wachsen – und die rechten Politiker in Europa wie in Amerika bekommen Auftrieb.

          Sven Astheimer
          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.
          Christian Geinitz
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin
          Winand von Petersdorff-Campen
          Wirtschaftskorrespondent in Washington.
          Christian Schubert
          Wirtschaftskorrespondent in Paris.
          Klaus Max Smolka
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Einer der ersten, der die Gewalttaten von Köln aufgenommen hat, war der republikanische Bewerber für die Präsidentschaftskandidatur, Donald Trump. Er hat von massiven Attacken auf die deutsche Bevölkerung durch Einwanderer gesprochen. Deutschland sei mit Problemen konfrontiert, die es früher vor der großen Flüchtlingswelle nicht gehabt habe. Die Ereignisse passen sich ein in Trumps Anti-Immigrationsrhetorik, die ihm Zustimmung in frühen Meinungsumfragen bringt. Das Thema Immigration spielt im Wahlkampf unter den republikanischen Bewerbern für die Präsidentschaftskandidatur eine zentrale Rolle seit Trump zum Auftakt seines Wahlkampfes einwandernde Mexikaner als Vergewaltiger und Drogendealer verunglimpfte.

          Die amerikanischen Unternehmer schweigen

          Mit größerer Seriosität hat der Kolumnist Ross Douthat in der New York Times die Ereignisse von Köln zum Anlass genommen, vor den transformativen Folgen der schnellen ungebremsten Massenzuwanderung vor allem junger Männer zu warnen. Sein Beitrag in der liberalen Zeitung endet mit der Feststellung, dass Deutschland die Grenzen schließen, gesunde Flüchtlinge ausweisen müsse und dass Angela Merkel gehen müsse.

          Alle Qualitätsmedien haben über die Vorfälle von Köln berichtet, ohne dass es zu einer größeren eigenständigen Debatte geführt hätte. Schon lange vorher diskutierten vor allem Bewerber für die Präsidentschaftskandidatur, wie viele syrische Flüchtlinge die Vereinigten Staaten ins Land lassen sollen. Ted Cruz, der in den Meinungsumfragen inzwischen besser abschneidet als Trump hatte nach dem Terroranschlag von Paris ein Gesetz in den Senat eingebracht, das die Vereinigten Staaten daran hindern würde, Flüchtlinge aus Ländern zu akzeptieren, in denen Regionen unter der Kontrolle von Terroristen stehen: Das zielt auf Syrien, Irak, Libyen, Somalia und den Jemen.

          Die Vereinigten Staaten akzeptieren dieses Jahr nach Regierungsangaben 80.000 Flüchtlinge insgesamt, davon 10.000 aus Syrien. Nächstes Jahr könnte die Summe der insgesamt akzeptierten Flüchtlinge aufgestockt werden auf 100.000. Bestrebungen liberaler Politiker, vor allem mehr Syrer hereinzulassen, haben spätestens seit dem offenkundig islamistisch inspirierten Terroranschlag im kalifornischen San Bernadino keine Chance mehr. Unternehmer in den Vereinigten Staaten haben zu der globalen Flüchtlingswelle kaum Stellung genommen. Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat angekündigt, Flüchtlingslager mit Internetzugängen ausstatten zu wollen. Außerdem hat er Kanzlerin Merkel versprochen, zu überlegen, wie man die zahllosen fremdenfeindlichen Facebook-Einträge eliminieren könne.

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