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Rüstungsexporte aus Wolgast : Die Boote des Anstoßes

„Päckchen“: Fest vertäut liegen die Boote vor Wolgast, der arabische Schriftzug ist inzwischen überklebt. Bild: Matthias Lüdecke

Seit alle Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien gestoppt sind, steht Wolgast still. Die Werftarbeiter sind in Kurzarbeit, der Stadt fehlt Geld. Über eine ostdeutsche Kleinstadt, die zum Spielball der Weltpolitik geworden ist.

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          Sie nennen es „das Päckchen“. Sorgsam vertäut liegen die vier Patrouillenboote im Hafen der Peene-Werft in Wolgast, einer 13.000-Einwohner-Stadt im äußersten Nordosten Deutschlands, kurz vor der Ferieninsel Usedom. Eigentlich sollten die vier rund 40 Meter langen Schiffe längst vor der Küste Saudi-Arabiens unterwegs sein. Doch seit die Bundesregierung nach der Ermordung des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi alle Rüstungsexporte in das Land stoppte, auch die schon genehmigten, herrscht in Wolgast Stillstand. Zwei weitere Patrouillenboote für die Saudis warten nahezu fertig in einer der blauen Hallen der Werft. Nur selten verirrt sich ein Mitarbeiter dorthin. Die Holzkisten, in denen eigentlich die Bauteile für die nächsten Schiffe bereitstehen sollten, sind leer.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Das kleine Wolgast ist ungewollt zu einem Schauplatz der großen Weltpolitik geworden. Begonnen hat das mit einem nüchternen Satz von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Ende Oktober: „Was Rüstungsexporte anbelangt, kann das nicht stattfinden, in dem Zustand, in dem wir im Augenblick sind.“ Als das Bundeswirtschaftsministerium einen Monat später die Ausfuhren nach Saudi-Arabien stoppte, da hatte die Werft erst 15 der 33 bestellten Schiffe ausgeliefert. Eigentlich sollte der Bau der Patrouillenboote – 2013 von der damaligen Bundesregierung genehmigt, kolportierter Wert: 1,5 Milliarden Euro – die 300 Mitarbeiter der Werft noch bis weit ins kommende Jahr beschäftigen. Nun sind 60 in Kurzarbeit, die anderen in Weiterbildung oder mit Reparaturen betraut. Man versucht, sich sprichwörtlich über Wasser zu halten. Die Frage ist: Wie lange noch?

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