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Fleischpreise steigen : Wie die Schweinepest in China deutsche Bauern trifft

  • -Aktualisiert am

Bisher noch von der Schweinepest verschont: Schweine in einem Stall in Niedersachsen Bild: dpa

Deutsche Bauern fürchten die afrikanische Schweinepest. Das Virus rückt in Europa immer weiter nach Westen vor. Doch viel verheerender wütet die Krankheit in China – mit Konsequenzen auf der ganzen Welt, nicht nur negativen.

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          Die afrikanische Schweinepest macht Landwirten in ganz Deutschland Angst. In Polen breitet sich das Virus inzwischen auch in „schweinedichteren“ Gebieten aus und rückt weiter nach Westen vor, berichtet das Fachmagazin „Top Agrar“. Ein Ausbruch unter Hausschweinen in Deutschland hätte katastrophale Folgen für betroffene Agrarbetriebe. Befürchtet wird, dass die Krankheit über Wildschweine die Grenze überquert und auch deutsche Ställe erreicht. Bisher ist es dazu noch nicht gekommen. Doch die Verbreitung des Virus' in Ostasien könnte indirekt bald auch große Auswirkungen auf den deutschen Markt haben.

          Denn in China verbreitet sich die Schweinepest rasant. Die niederländische Rabobank prognostiziert, dass in dem Land mit der größten Schweinefleischproduktion der Welt in diesem Jahr wahrscheinlich bis zu 200 Millionen Schweine notgeschlachtet werden müssen oder an dem Virus sterben werden. Das würde die chinesische Produktion von Schweinefleisch im Vergleich zum Vorjahr um 25 bis 35 Prozent reduzieren. China züchtet mehr als die Hälfte aller Hausschweine auf der ganzen Welt und ist auch der größte Nachfrager. Bisher wurden wegen der Schweinepest eine Million Tiere getötet.

          Der prognostizierte Rückgang wäre etwa so groß wie die gesamte Schweinefleischproduktion in Europa. Das hätte weitreichende Auswirkungen auf den globalen Fleischmarkt. Im vergangenen Jahr importierte China mit 1,2 Millionen Tonnen zwar etwas weniger Schweinefleisch als in den Vorjahren, auch wegen des Handelskrieges mit den Vereinigten Staaten. Wenn die inländische Produktion einbricht, dürfte die Nachfrage in diesem Jahr aber stark zunehmen. Das würde sich auch auf die Fleischpreise in Deutschland auswirken. Dort macht sich die höhere Nachfrage aus Asien schon jetzt bemerkbar: Der Erzeugerpreis stieg in den vergangenen vier Wochen nach monatelanger Stagnation um 33 Cent auf 1,73 Euro pro Kilogramm.

          Deutschland liefert das meiste Schweinefleisch

          Das meiste Schweinefleisch importiert China aus Deutschland, hier stieg das Volumen schon im vergangenen Jahr sogar um 8 Prozent auf fast 180.000 Tonnen. Gut könnte ein Einbruch des chinesischen Herdenbestandes für deutsche Fleischproduzenten sein, die ihren Export weiter steigern könnten – falls Deutschland von dem Virus verschont bleibt.

          Und nicht nur der Schweinefleischpreis wird steigen, glaubt die Rabobank. Angesichts eines Angebotsdefizits von 10 Millionen Tonnen Fleisch würden sich die chinesischen Verbraucher anderen Proteinquellen zuwenden. Das könnte eine höhere Nachfrage und höhere Preise in der Geflügel- und Rinderzucht zur Folge haben. Tatsächlich zeigen sich bereits erste Hinweise auf so eine Veränderung im Konsumverhalten. So stieg in den ersten zwei Monaten dieses Jahres die chinesische Einfuhr von Schweinefleisch um etwa 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, die von Rindfleisch aber um mehr als 50 Prozent und die von Geflügel um 37 Prozent.

          Für Sojabohnenbauern hat der Ausbruch des Virus in China indes möglicherweise verheerende Konsequenzen. China ist der größte Importeur von Soja, das vor allem als Futter in der Schweinezucht verwendet wird. Doch weniger Schweine bedeuten auch weniger Sojabedarf. Die Auswirkungen der Schweinepest auf die Einfuhr könnten deutlich größer sein als die der im vergangenen Jahr erhöhten Zölle.

          Herdenbestand wird sich lange nicht erholen

          Seit dem ersten Auftreten des Virus im August vergangenen Jahres hat es in China 124 Ausbrüche der Schweinepest gegeben. Am Dienstag meldeten die chinesischen Veterinärbehörden, dass es auch in Tibet zu Ausbrüchen gekommen sei. Damit hat der Virus sämtliche Provinzen mit Ausnahme der südlichen Insel Hainan erreicht und verbreitet sich weiter. Die chinesische Regierung behauptet, die Situation sei unter Kontrolle. Die Rabobank rechnet damit, dass es mindestens drei Jahre dauern wird, bis sich der Herdenbestand erholt hat. Die Prognose der Bank geht deutlich über Vorhersagen des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums hinaus, das einen Bestandseinbruch von 15 Prozent erwartet.

          Die afrikanische Schweinepest ist ungefährlich für Menschen, für Schweine aber meist tödlich. In der Europäischen Union traten die ersten Fälle im Jahr 2014 auf. Es gibt bisher keine Impfung und kein Heilmittel.

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