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Polen wirbt um Ausgewanderte : „Gebt uns unsere Leute zurück!“

Beschwingtes Warschauer Stadtleben: Warum gehen viele Polen ihre Heimat zurück? Bild: Matthias Lüdecke

Erstmals seit Jahrzehnten gibt es in England mehr polnische Rückwanderer als Auswanderer. Das liegt an der Wirtschaftslage, der Regierungspolitik – und an persönlichen Gründen.

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          Über dem Eingang prangt ein Schild mit weißem Adler auf rotem Grund und großer Aufschrift „Mleczko Delikatesy – Polish Delicatessen“. In dem engen Laden in Ealing in West-London stapeln sich Kisten mit Obst und Gemüse, dahinter eine Wursttheke, Süßigkeiten, Tütensuppen. An der Kasse stehen Tyskie-Bierflaschen und Schnapsflaschen der Marken Soplica und Krupnik. Seit elf Jahren existiert der Supermarkt. „70 Prozent in der Gegend sind Polen“, behauptet der junge Mann hinter der Kasse. Das ist wohl übertrieben. Wahr ist aber, dass sehr viele Polen nach Großbritannien gezogen sind. In manchen Städten haben sie ganze Straßenzüge in „Little Poland“ verwandelt.

          Gerhard Gnauck

          Politischer Korrespondent für Polen, die Ukraine, Estland, Lettland und Litauen mit Sitz in Warschau.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Mit 820.000 Personen stellen Polen – knapp hinter Menschen mit indischem Pass – die zweitgrößte Ausländergruppe im Vereinigten Königreich, vor den Pakistanern, Rumänen und Iren, so die offizielle britische Statistik. Nach inoffiziellen Schätzungen leben wohl rund eine Million Polen auf der Insel. Im Zuge der EU-Osterweiterung vor 15 Jahren öffnete Großbritannien sofort seinen Arbeitsmarkt. Die Folge war ein starker Zustrom aus Polen und dem Baltikum, später aus Rumänien und Bulgarien. Viele Osteuropäer fanden Stellen in der Bauwirtschaft oder als selbständige Handwerker. Der „Polish Plumber“ (Klempner) wurde sprichwörtlich.

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