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Bahn-Tarifstreit : Die Schwäche der GDL

Weiter im Streikmodus: Claus Weselsky Bild: dpa

Die IG Metall ist eine starke Gewerkschaft - weil sie Streikmacht nicht als Ersatz für Kompromisse versteht. Die GDL ist anders.

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          Was macht eine starke Gewerkschaft aus? Das lässt sich an der IG Metall studieren, die diese Eigenschaft zweifellos besitzt: Sie hätte im tarifpolitischen Ernstfall die Macht, mit ihren Mitgliedern die ganze Autoindustrie lahmzulegen. Aber sie vermeidet es, sich in Tarifkonflikten in eine Lage zu manövrieren, in der es anstelle von Kompromissen nur noch Sieg oder Niederlage geben kann. In der Corona-Krise hat sie sogar eine schon fertige Tarifforderung wieder vom Tisch genommen. Angesichts des wirtschaftlichen Ernstfalls in ihrem Zuständigkeitsbereich – der Metall- und Elektroindustrie – hat sie alle längerfristigen Ziele erst einmal hintangestellt.

          Die Lokführergewerkschaft GDL zeigt hingegen nur die Fähigkeit, mit ihrer Kernklientel, den Lokführern, den Bahnverkehr lahmzulegen. Davon hat sie nun schon regen Gebrauch gemacht. Zugleich berauscht sie sich an der irren Vorstellung, ihr drohe andernfalls die Vernichtung – durch einen gemeinsamen Feldzug der Bahn und der größeren Eisenbahnergewerkschaft EVG, die der GDL-Vorsitzende als „Schoßhündchen“ verunglimpft.

          Tatsache ist, dass sich die EVG im Herbst 2020 angesichts einer evident schwierigen Lage der Gesamtwirtschaft und der Bahn auf einen Krisenpakt eingelassen hat, ganz ähnlich wie die IG Metall. Die GDL hat sich diesem Verständnis ausgleichender Tarifpolitik verweigert. Genauso ist sie mit dem bis 2020 gültigen Friedensabkommen umgegangen, das klare Zuständigkeiten für beide Gewerkschaften im Bahnkonzern definierte.

          Anstatt längerfristige Ziele wenigstens für die Zeit der Pandemie zurückzustellen, rief sie die finale Machtfrage auf. Sie kämpft nun dafür, ihre Zuständigkeit auf Bahnhofs- und Werkstattmitarbeiter auszudehnen. Sie versucht, aus ihrer Verweigerung Kapital zu schlagen – ein höherer Tarifabschluss als der Pakt aus dem Krisenherbst 2020 soll die EVG desavouieren und der GDL neue Mitglieder in ebendiesen Bereichen zutreiben. Was soll man davon halten, dass sich die GDL dafür nun der Streikmacht der Lokführer bedient? Was legal ist, können nur Gerichte klären. Was eine starke Eisenbahnergewerkschaft ausmacht, beantwortet sich allmählich von selbst.

          Dietrich Creutzburg
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

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