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: Wie dick dämmen?

Wärmeschutzanalyse: wichtigste Aufgabe eines Energieberaters. Bild: ivansmuk /istock/Thinkstock

15, 20 oder 30 Zentimeter – bei der Fassadendämmung kommt es auf die richtige Dicke an. Was ist vorgeschrieben, was ist wirtschaftlich sinnvoll, und wo fängt der Luxus an?

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          Dämmen ja, aber wie dick? Das ist eine der häufigsten Fragen, die sich Hauseigentümer stellen, wenn sie ihr Haus gegen Wärmeverlust schützen möchten. Wie so oft im Bauwesen lässt sich diese Frage nicht pauschal beantworten. Denn die Stärke eines außen am Gebäude angebrachten Wärmedämmverbundsystems (WDVS) hängt von vielen Faktoren ab und muss individuell für das einzelne Gebäude berechnet werden. Daher empfiehlt es sich für Sanierer, von Anfang an einen erfahrenen Fachhandwerker oder einen Energieberater ins Boot zu holen. Anhand der Gebäudedaten kann der Experte die notwendige Dämmstoffdicke ermitteln, verschiedene Maßnahmen und Kombinationen von Maßnahmen vergleichen und hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit betrachten. Übrigens: Für eine „Vor-Ort-Beratung“, bei der ein qualifizierter und unabhängiger Energieberater das Haus genauer unter die Lupe nimmt, gibt es über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (www.bafa.de) einen staatlichen Zuschuss.

          Wer sein Haus mit einem WDVS umhüllt, muss neben den Bestimmungen zum Mindestwärmeschutz auch die Vorgaben der Energieeinsparverordnung (EnEV) einhalten. Die EnEV enthält allerdings keine konkreten Vorschriften zur Dämmstoffdicke, sondern gibt für Bestandsgebäude einen maximalen Wärmedurchgangskoeffizienten, kurz U-Wert, vor. Dieser Höchstwert bezieht sich nicht allein auf den angebrachten Dämmstoff, sondern auf das gesamte Bauteil. Bei Außenwänden spielt somit für die Ermittlung der notwendigen Dämmstoffdicke auch eine Rolle, welcher Wandaufbau darunter vorhanden ist. Ein Vergleich verdeutlicht dies: Eine Mauer aus Hohlblockziegeln wird in der Regel einen besseren Dämmwert aufweisen als eine Betonwand und daher auch eine geringere Dämmstoffdicke als die Betonwand benötigen. Die Energieberaterin und Lehrstuhlinhaberin an der Fakultät für Architektur und Bauwesen der Hochschule Augsburg, Susanne Runkel, nennt ungefähre Richtwerte für den notwendigen Dämmaufwand: „Für Außenwände im Bestand ist bei einem Bauteilverfahren ein U-Wert von 0,24 Watt pro Quadratmeter und Kelvin (W/m2K) nicht zu überschreiten, was einer Mindestdämmstoffdicke von etwa 14 bis 18 Zentimetern entspricht.“

          Einen Einfluss auf die Dicke des Dämmstoffs hat zudem das Dämmmaterial selbst. Je besser es dämmt, desto dünner kann die Dämmschicht ausfallen. Üblicherweise besitzen pflanzliche Dämmstoffe wie Holzweichfaser oder Zellulose etwas höhere Wärmeleitfähigkeitswerte (ca. 0,04 W/mK) als Polystyrol oder Mineralfaser (ca. 0,035 W/mK). Dadurch muss mit Naturdämmstoffen etwas dicker gedämmt werden, um die gleiche Wirkung zu erzielen. „Extrem niedrige Wärmeleitfähigkeitswerte haben Vakuum-Isolationspaneele, die nur wenige Zentimeter dick sind. Deren Nachteil ist jedoch der hohe Preis sowie die schwierige Kontrollmöglichkeit der Funktionstüchtigkeit“, erklärt Expertin Runkel.

          Wer KfW-Fördermittel für die Dämmung der Gebäudehülle beantragen möchte, muss die gesetzlichen Mindestvorgaben überschreiten, also meist dicker als 20 Zentimeter dämmen. Bei einem Passivhaus sind sogar Dämmstärken von 30 Zentimetern und mehr nötig. „Ein Blick auf unsere skandinavischen Nachbarn zeigt, dass dies dort ganz selbstverständlich und damit Standard ist“, sagt Susanne Runkel. Denn mehr Dämmung bedeutet einen niedrigeren Energieverbrauch und damit weniger Energiekosten. Aufgrund der Energieersparnis amortisieren sich die Investitionskosten innerhalb einiger Jahre.

          Doch gilt dies nur bis zu einem gewissen Punkt. Irgendwann lohnt es sich nämlich nicht mehr, noch einen Zentimeter mehr Dämmung draufzupacken. So zeigen Untersuchungen des Forschungsinstituts für Wärmeschutz e. V. München (FIW) unter der Leitung von Andreas Holm, dass die möglichen Energieeinsparungen nicht linear mit jedem zusätzlichen Zentimeter Dämmung wachsen. Die Folge: Je mehr die Dämmschicht über das gesetzliche Mindestmaß hin­ausgeht, desto weniger Energie spart man prozentual gesehen, und desto länger dauert auch die energetische Amortisation.

          Dicker gleich besser?

          Für Susanne Runkel ist die Wirtschaftlichkeitsberechnung daher eine der wesentlichen Aufgaben eines Energieberaters. Denn der Fachmann kann ermitteln, „welcher Aufwand zum Erreichen eines bestimmten energetischen Niveaus für Förderungen erforderlich ist und ob dieser sich lohnt“. Besonders wirtschaftlich sind Dämmmaßnahmen an der Fassade, wenn ohnehin Sanierungsarbeiten wie ein neuer Putz oder Anstrich anstehen.

          Je dicker die Dämmung auf der Fassade wird, desto mehr ist auch darauf zu achten, dass es durch den Aufbau keine Verschattung der Fenster gibt. Susanne Runkel kennt das als „Schießscharten-Effekt“ bekannte Problem, das sich jedoch mit relativ einfachen Maßnahmen verhindern lässt: „Wenn die Laibungen – also die seitlichen Wandflächen in Fensteröffnungen – abgeschrägt werden, dringt mehr Licht in den Innenraum. Zudem können Brüstungen entfernt und somit das Fenster bodentief ausgeführt werden, was den Lichteinfall enorm erhöht. Außerdem sollte man einen Dämmstoff mit einer sehr niedrigen Wärmeleitfähigkeit wählen, um die Dämmstärke zu reduzieren.“ In vielen Fällen bietet es sich an, diese Maßnahmen miteinander zu kombinieren, damit das Haus energetisch und optisch fit für die nächsten Jahrzehnte wird.

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