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Langfristige Folgen : Wie der Schnee den Tourismus in Bayern und Österreich trifft

Der Tourismus ist für die Wirtschaft Österreichs eine wichtige Branche. Bild: Reuters

In Österreich sind die Kurzfrist-Buchungen eingebrochen. Bayern hofft zum Wochenende auf Normalbetrieb. Langfristig könnte der Tourismus aber von den Schneemassen profitieren.

          Die ersehnte Wintersaison hat gerade erst begonnen und ist für viele schon zur Last geworden. Schneemassen führen in weiten Teilen Österreichs zum Stillstand, Orte oder gar ganze Täler sind von der Außenwelt abgeschnitten. Zahlreiche Straßen sind gesperrt, es herrscht höchste Lawinengefahr und zum Teil Katastrophenalarm. Skivergnügen sieht anders aus. Die kurzfristigen Buchungen von Ski-Urlaubern sind eingebrochen.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Michaela Seiser

          Wirtschaftskorrespondentin für Österreich und Ungarn mit Sitz in Wien.

          Auch Bayern ächzt unter Schnee und Sturm. Der Verkehr kämpft mit dem winterlichen Weiß. Einige Ortschaften sind isoliert, Skigebiete geschlossen oder eingeschränkt in Betrieb. Zum Wochenende soll es sich dort normalisieren, was in Österreich wohl nicht der Fall sein wird.

          Dabei hat es bislang gar nicht so viel Schnee gegeben, glaubt man Guido Wolz vom Münchner Büro des deutschen Wetterdienstes (DWD). Ende Januar 2018 – also vor etwa einem Jahr – habe auf der Zugspitze deutlich mehr Schnee gelegen als heute. Die Aussage hilft vielen Menschen in zugeschneiten österreichischen Skigebieten wenig, ebenso Auto- und Bahnfahrern oder Fluggästen im winterlichen Verkehrschaos in Bayern.

          Hoffen auf Normalbetrieb

          In Bayern hofft man auf Entspannung. „Wir hoffen, dass rechtzeitig zum Wochenende wieder der Normalbetrieb aufgenommen wird“, sagte die Sprecherin des Skiverbundes Alpenplus (Sudelfeld, Spitzingsee und Brauneck). Da die Einschränkungen im Betrieb während der Woche erfolgen, wenn der Zulauf durch Urlaubsgäste und Skifahrer ohnehin geringer ist, sind wirtschaftliche Beeinträchtigungen nicht abzusehen. Sorgenvolle Äußerungen aus Hotel- und Gastronomiebetrieben jedenfalls hat die Marketingesellschaft Bayern Tourismus noch nicht vernommen.

          So entspannt geht es in Österreich nicht zu. Auch Galtür in Tirol war am Mittwoch wegen Lawinengefahr nicht mehr erreichbar. Schon in den vergangenen Tagen kam das Galtür-Syndrom in Österreich wieder hoch. Im Februar 1999 wurde der Ort im Paznauntal von einer Lawine getroffen, die 31 Menschen tötete.

          Die Latte liegt hoch

          Für die österreichische Tourismuswirtschaft ist es noch zu früh, um Folgen aufgrund von Stornierungen und Umsatzausfällen in den betroffenen Skigebieten zu benennen. Trotz der gegenwärtig prekären Lage und ungeachtet der Schneemassen scheinen die Aussichten für den Wintertourismus in Österreich gut. Dabei ist die Latte nach einer exzellenten Wintersaison 2017/18 mit mehr als 71 Millionen Übernachtungen für dieses Jahr recht hoch gelegt. Mehr als ein Drittel davon entfielen auf deutsche Urlauber.

          Dass es sich um eine Ausnahmesituation handele, könne man nicht bestreiten, sagt Petra Nocker-Schwarzenbacher, die Vorsitzende für Tourismus der Wirtschaftskammer Österreich. Im Winter gebe es immer wieder einmal abgesperrte Orte. Das Ausmaß sei allerdings jetzt größer, weil kein Ende in Sicht sei, konzediert Nocker-Schwarzenbacher. Viele Betriebe müssten besorgte Gäste beruhigen. Die kurzfristigen Buchungseingänge sind ihren Angaben zufolge um 50 Prozent eingebrochen. Doch würde der andauernde Schneefall auch zusätzliche Reservierungen für die kommenden Monate nach sich ziehen.

          Die Zuversicht bleibt

          Nocker-Schwarzenbacher sieht daher erst einmal keinen Schaden und hält die Einstellung des Rekords aus der vergangenen Saison immer noch für durchaus erreichbar. Denn die Wintersaison 2018/2019 ist für sie gut angelaufen. Zu Weihnachten half die günstige Konstellation der Feiertage, da seien nur wenige Urlaubstage für einen langen Aufenthalt in den Skigebieten nötig gewesen.

          Und die Tourismusvertreterin blickt zuversichtlich auf die nächsten Wochen. Der Fasching sei spät, auch das sei für den Wintertourismus gut. Wie sich das Geschäft zu Ostern gegen Ende April entwickeln wird, hängt vom Wetter ab. In den höher gelegenen Skigebieten wie in den Tauern, um Ischgl und am Arlberg ist dann womöglich noch richtig Winter; mit einer Schneedecke, die von dem Chaos in diesen Tagen profitieren könnte. Bekannte Skigebiete hätten jedenfalls auch im April und Mai üblicherweise gute Schneebedingungen, sagt Nocker-Schwarzenbacher.

          Die Tourismuswirtschaft erwirtschaftet in Österreich mehr als ein Zehntel des Bruttoinlandsprodukts. Im Winter gibt es zwar weniger Übernachtungen als im Sommer, die täglichen Ausgaben eines Wintergastes liegen mit 153 Euro aber um einiges höher als die eines Sommergastes mit 125 Euro.

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