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Smog und Wasserverschmutzung : Wie der Klimawandel Asiens Metropolen bedroht

Schlechte Luftqualität: Der Smog in der indischen Hauptstadt Neu-Dehli macht eine freie Sicht unmöglich. Bild: AP

Die Luftverschmutzung steigt, die Wasserqualität sinkt. Der Klimawandel bringt enorme Risiken mit sich. Besonders betroffen sind Asiens Metropolen, Jakarta und Delhi stehen auf einer Risikoliste ganz vorne.

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          Mit der rasch zunehmenden Urbanisierung wachsen auch die Risiken der Umweltverschmutzung und des Klimawandels für Großstädte. Betroffen sind insbesondere Asiens Metropolen, in die immer mehr Menschen auf der Suche nach Arbeit und Bildung strömen. „Umweltrisiken durch sinkende Luftqualität, Naturgefahren und die Verfügbarkeit von Wasser vervielfachen sich durch den Klimawandel. Asien liegt unter fast 600 der größten Städte der Welt ganz vorne“, fasst Matt Moshiri, Präsident des britischen Beratungsunternehmens Verisk Maplecroft, die Ergebnisse einer Risikostudie seines Hauses zusammen.

          Christoph Hein
          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Für eine romantisierende Sicht der Lage bleibe keine Zeit: „Die Londoner genießen vielleicht wärmere Tage im Park und eine italienische Kaffeehauskultur, aber die Wirklichkeit für die meisten Städte birgt weitreichende Produktivitätsverluste, lässt die Preise für Klimaanlagen durch die Decke schießen und verlangt einen bitteren Tribut für hitzebedingte Krankheiten.“ Ein Wegducken sei nicht möglich: „Landwirtschaft, die herstellende Industrie und andere Aktivitäten unter freiem Himmel werden am härtesten getroffen, aber Immobilieninvestoren und Regierungsbeamte können die in nur 30 Jahren lauernden Gefahren nicht mehr übersehen.“

          Asiens Metropolen an der Spitze der Risikoliste

          Fast alle der am meisten von Umwelt- und Klimawandelfolgen betroffenen Städte liegen in Asien. Die indonesische Hauptstadt Jakarta, in der mehr als 10 Millionen Menschen wohnen, führt die Risikoliste an. „Rund um den Erdball sind 414 Städte mit mehr als 1,4 Milliarden Einwohnern von hohen oder extremen Risiken bedroht, einer Folge von Vergiftung, schrumpfender Wasserversorgung, extremer Hitzebelastung, Naturkatastrophen und einer Verletzlichkeit durch den Klimawandel. Die Risiken für die Bürger, die Immobilien und die Geschäftswelt werden immer weiter steigen“, warnt Will Nichols, der die Klimaforschung von Verisk Maplecroft leitet.

          Bild: Verisk Maplecroft

          Als Land ist einmal mehr Indien am schlimmsten betroffen: Auf dem Subkontinent liegen 13 der 20 am meisten bedrohten Städte. Die Hauptstadt Delhi liegt auf dem zweiten Platz, die Küstenstadt Chennai, in der auch die deutsche Automobilindustrie investiert, auf Rang drei. Die Wirtschaftsmetropole Mumbai rangiert auf Platz 29. Schon 2019 verursachte die verpestete Luft jeden fünften Todesfall in Indien, was zu ökonomischen Verlusten von 36 Milliarden Dollar führte. In China und Indien leben 286 der 336 Millionen Städter auf der Welt, die von einem extremen Risiko der Luftverschmutzung bedroht sind. „Nimmt man die Hochrisikostädte hinzu, steigt deren Zahl auf 642 Millionen Menschen.“

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          Jakarta leidet unter Luftverschmutzung, hinzu kommen Naturkatastrophen und Überschwemmungen. 2019 räumte Präsident Joko Widodo ein, die Regierung sei aufgrund der Umweltrisiken Jakartas zum Umzug nach Ost-Kalimantan gezwungen. Indonesien plant bislang, bis 2070 treibhausgasneutral zu werden – was praktisch alle Wissenschaftler für viel zu spät halten. Da der Verkehr zu 46 Prozent für die Luftverschmutzung in Jakarta steht, versucht die Stadtverwaltung, ihn einzuschränken und die neue Untergrundbahn attraktiver zu machen.

          Auch Karachi und Manila werden die Folgen des Klimawandels massiv zu spüren bekommen. In diesem Bereich aber führen afrikanische Städte wie Lagos und Kinshasa die Liste an. „Afrikanische Städte werden besonders schlecht aussehen, weil ihr Kontinent nicht nur den Klimaextremen besonders ausgeliefert ist, sondern auch am wenigsten in der Lage ist, deren Folgen auszugleichen“, sagt Nichols.

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