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Handel im Wandel : Wie der Brexit den Handel erschwert

In Reih und Glied: Dover im Juli Bild: Getty

Großbritanniens EU-Austritt war eine Zäsur. Die Regierung verspricht „Global Britain“. Aber die neue Zollbürokratie entnervt viele Importeure und Exporteure. Das Geschäft einiger Händler schrumpft, manche geben auf.

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          Weinhändler Daniel Lambert hat die Nase voll. Er werde nun „Brexitland“ verlassen, kündigte er vor Kurzem an. Mit Frau und Kindern ziehe er nach Südfrankreich. Sein Weingroßhandelsgeschäft in Wales, das bis zu zwei Millionen Flaschen pro Jahr importiert und an britische Supermarktketten und Einzelhändler verkauft, habe durch die Post-Brexit-Zollbürokratie Zusatzkosten von 100.000 bis 150.000 Pfund zu verkraften, beklagt er. Bis zu 200 Seiten seien die Zollerklärungen lang; unzählige Nummern und Codes gebe es für die verschiedenen Weine. Doch Lambert wird sein Unternehmen nicht komplett aus Britannien abziehen. Er gründe in Montpellier eine zweite Firma, die an sein altes Unternehmen Wein liefere. Dadurch könne er einige Ausgaben für Zollagenten sparen, erklärt er gegenüber dem „Guardian“. Sein Ärger auf die Londoner Regierung ist in jedem Fall groß. „Boris Johnson hat mal gesagt ‚Fuck Business‘, und genau das hat er gemacht.“

          Philip Plickert
          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Der Brexit war für alle Importeure und Exporteure auf der Insel, die mit der EU handelten, ein einschneidendes Erlebnis. Vor gut anderthalb Jahren, am 1. Januar 2021, endete die Übergangsfrist nach dem EU-Austritt. London und Brüssel hatten zwar kurz zuvor nach zähen Verhandlungen ein Freihandelsabkommen geschlossen, sodass keine Zölle gezahlt werden müssen. Gleichwohl müssen Lieferanten an den Grenzen Zollerklärungen und Sicherheits- und Qualitätsnachweise vor allem für Agrarprodukte vorzeigen. Das belastet die Händler, es kostet mehr Geld und Zeit. Viele kleinere haben den EU-Handel ganz aufgegeben. Vor allem Lebensmittelhändler zogen sich zurück. In den ersten Monaten des Jahres 2021 brach der Handel regelrecht ein. Danach holte er zwar wieder auf, doch liegt er mit vielen EU-Ländern noch immer auf einem niedrigeren Niveau als vor dem Brexit, mit anderen hat er sich erholt.

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