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Jobvermittlung in Duisburg : Arbeit für alle

Setzt alle Hebel in Bewegung, um Langzeitarbeitslose in Arbeit zu bringen: Vermittler Andreas Wendt Bild: Daniel Pilar

An hunderttausenden Langzeitarbeitslosen ist der Aufschwung bislang vorbeigegangen. In Duisburg kümmern sich Arbeitsvermittler mit viel Einsatz um jeden Einzelnen – auch über ihre eigentlichen Aufgaben hinaus.

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          Wenn man glaubt, es endlich geschafft zu haben, wird es manchmal erst richtig kompliziert. Die Frau mit den Tatoos auf den Armen, die an diesem warmen Sommermorgen ins Jobcenter Duisburg gekommen ist, kann ihr Glück kaum fassen – einerseits. Endlich Arbeit, und das nach so vielen Jahren und trotz allem, was doch eigentlich gegen sie spricht. Doch wie soll die gelernte Verkäuferin, nennen wir sie Sandra Hübner, jeden Tag nach Dorsten kommen zu dem Supermarkt, in dem sie nun anfangen wird? Zugfahren kommt nicht in Frage, dann wäre ihr elf Jahre alter Sohn nach der Schule zu lange allein zu Hause. Ein Auto hat sie nicht, auch kein Geld, sich eines zu kaufen. Überhaupt: Wird sie genug Geld verdienen, um alle laufenden Kosten bezahlen zu können, wenn sie 20 bis 25 Stunden in der Woche arbeitet?

          Britta Beeger

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Erst einmal tief durchatmen, das ist die Devise von Andreas Wendt, 43 Jahre alt und seit 2009 Arbeitsvermittler. „Sie können stolz auf sich sein. Sie sind dabei, all Ihre Sorgen hinter sich zu lassen“, sagt er. Dann beugen sich die beiden über ein Blatt Papier und beginnen zu rechnen: Hartz IV und Wohngeld fallen weg, dafür dürfte Hübner auf ein Nettogehalt von 1300 Euro im Monat kommen. Das passt. Für die ersten sechs Monate wird das Jobcenter ihr einen Mietwagen bezahlen und die Benzinkosten übernehmen, danach muss sie sich selbst etwas einfallen lassen, für die Kaution bekommt sie ein Darlehen. „Wenn wir ihr an dieser Stelle nicht helfen würden, würde sie arbeitslos bleiben und weiter Hartz IV beziehen“, wird Wendt später sagen.

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