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Subtiler als Russland : Wie China den Westen schleichend abhängig macht

Hafenbesichtigung: Xi Jinping (links) mit dem griechischen Ministerpräsidenten Kyriakos Mitsotakis in Piräus 2019 Bild: Picture Alliance

China setzt seine Ordnungsvorstellungen viel subtiler durch als Russland: über Langfriststrategien wie die neue Seidenstraße, eigene Normen und Standards. Fallen dem Westen seine Abhängigkeiten abermals vor die Füße?

          9 Min.

          Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck spricht zu Recht davon, dass sich Deutschland von Moskau „abnabeln“ müsse. Die Abhängigkeiten von Russlands Energie und damit auch von seiner autoritären Regierung seien ein großer Fehler gewesen, der Deutschland in eine schwierige Lage manövriert habe. „Das Modell ist gescheitert“, so der Grünenpolitiker. Der Befund ist richtig und auch deshalb so bitter, weil das Regime mit den Brennstoffeinnahmen den Krieg in der Ukraine finanziert. Zwar sind die Gaslieferungen nach Europa gefallen, der starke Preisanstieg gleicht die Rückgänge aber aus. Der Kreml kann es sich erlauben, die Drosselung als politische Waffe einzusetzen, das nicht geflossene Gas zu verbrennen und trotzdem prächtig zu verdienen.

          Christian Geinitz
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          Russlands Aggressivität, seine hegemonialen Ambitionen und das Streben, dem westlichen Modell eine eigene Ordnung entgegenzusetzen, sind nicht zu übersehen. Moskau nutzt dazu eine alte machtpolitische Währung, die andere Staaten längst hinter sich geglaubt hatten und der sie jetzt ungläubig bis hilflos gegenüberstehen: das Militärische. Finnland und Schweden fliehen in die Arme der NATO, die Bundesrepublik rüstet auf, plötzlich sind Waffenlieferungen in Kriegsgebiete möglich. Die Regierungsparteien SPD und Grüne müssen lang gehegte Grundpositionen in der Friedens- und Energiepolitik räumen.

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