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Zollstreit mit Amerika : Spirale des Schreckens

  • -Aktualisiert am

Da war die Situation noch nicht eskaliert: Donald Trump und Jean-Claude Juncker beim G20-Gipfel in Hamburg im vergangenen Jahr Bild: dpa

Die Europäer müssen im Zollstreit mit Amerika verhandeln, auch mit Pistole auf der Brust. Zoll auf Zoll, bis der Welthandel zusammenbricht – das sollte niemand riskieren. Ein Kommentar.

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          Im Handelsstreit mit den Vereinigten Staaten verhandle die EU nicht mit der Pistole am Kopf, heißt es. Nun hat der amerikanische Präsident Trump Schutzzölle auf Stahl und Aluminium aus der EU verhängt. Brüssel hat eine Liste mit Gegenschlägen vorbereitet, etwa Strafzölle auf Harleys oder Erdnussbutter. Doch die Pistole gibt es noch immer, denn Trump droht darüber hinaus mit wirtschaftlich schädlicheren Schutzzöllen auf Autos aus der EU.

          Auch Kanada und Mexiko sind im Stahlstreit vorbereitet und wollen sich über Strafzölle Dollar für Dollar zurückholen. Kommissionspräsident Juncker kündigt an, die EU werde vor der Welthandelsorganisation nicht nur Amerika, sondern auch China wegen Verletzung von Urheberrechten verklagen. Frankreichs Präsident Macron vergleicht die Lage sogar mit der Zeit zwischen den Weltkriegen und warnt, wirtschaftlicher Nationalismus könne zum Krieg führen.

          Nicht einmal die größten Autohersteller Europas sind sich einig

          Damit keine Spirale des Schreckens in Gang gesetzt wird, muss man verhandeln, auch mit Pistole auf der Brust. Was denn sonst? „Tit for tat“, Zoll auf Zoll – bis der Welthandel zusammenbricht? Das sollte niemand riskieren in einer Zeit, in der überall auf der Welt die Konflikte und Bedrohungen zunehmen. Also müssen die Europäer verhandeln, zumal sie aus eigener Kraft ja nicht einmal für ihre eigene Sicherheit sorgen können.

          Weil das keine Kraftprobe zweier gleichstarker Kontrahenten ist, auch wenn noch so oft die Wirtschaftskraft der EU bemüht wird, müssten Bundeskanzlerin Merkel und Macron das zur Chefsache machen. Macrons Charmeoffensive hat bislang den amerikanischen Präsidenten so wenig beeindruckt wie Merkels Argumente. Das liegt nicht allein an Trumps schräger Persönlichkeit, sondern auch daran, dass die EU sich nur in der Empörung einig ist.

          In der Sache, und da geht es vor allem um die drohenden Zölle von 25 Prozent auf Autos, finden nicht mal die beiden größten Autohersteller Europas zusammen. Die deutschen Hersteller sind dafür, den EU-Zoll von 10 Prozent auf amerikanische Autos auf null zu senken, Amerika erhebt auf Autos aus der EU bislang nur einen Zoll in Höhe von 2,5 Prozent. Frankreichs Autoindustrie ist strikt dagegen, sie fürchtet zuhause zusätzliche Konkurrenz und hat in Amerika nicht viel zu verlieren. Dabei wäre der Abbau von Zöllen im Handelskrieg die richtige Antwort, um die Spirale des Schreckens zu brechen. Das wäre ein starkes Signal gegen den Protektionismus und für den Freihandel.

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