https://www.faz.net/-gqe-9u8i2

Technik-Wettlauf : China macht mobil gegen Microsoft und Dell

Technik der Zukunft: Besucher bestaunen Neues auf der Hochtechnologie-Messe in Shenzhen Bild: EPA

Chinas Behörden sollen auf ausländische Computer verzichten. Das Reich der Mitte will sich von Amerika technologisch unabhängig machen. Geht das?

          4 Min.

          Die Entkopplung der beiden größten Volkswirtschaften der Welt nimmt Fahrt auf. Am Montag wurde in China bekannt, dass die Regierung anordnete, in den kommenden drei Jahren in der gesamten Verwaltung des riesigen Landes ausländische Computerhardware und -software durch inländische Produkte zu ersetzen. Ein entsprechender Bericht der „Financial Times“ über den Befehl, den die Zentrale der Kommunistischen Partei früher in diesem Jahr gegeben hatte, wurde in chinesischen Regierungskreisen bestätigt. Allerdings hätten die Behörden noch nicht damit begonnen, den Plan umzusetzen, hieß es.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Laut der Regelung sollen schon im kommenden Jahr 30 Prozent aller von ausländischen Unternehmen wie Microsoft und Dell produzierten Rechner und Programme ausgetauscht werden. Im Folgejahr sollen weitere 50 Prozent hinzu kommen, im dritten Jahr dann die restlichen 20 Prozent. Schätzungen zufolge beläuft sich allein die Zahl der in chinesischen Beamten-Büros stehenden Computer auf ungefähr 30 Millionen Stück.

          Die Anordnung aus Peking trifft amerikanische Unternehmen, deren Lieferketten und Produktionsketten auch in der Heimat zunehmend unter Druck geraten. Die Politik fürchtet, dass chinesische Unternehmen mit amerikanischem Geld und amerikanischer Technologie zu Weltmarktführer gepäppelt werden könnten. Eine Kongress-Kommission warnte im jüngst publizieren Jahresbericht, China verfolge das Ziel der technologischen Hegemonie um jeden Preis. Ausländische Unternehmen seien Opfer von Technologie-Diebstahl oder würden gezwungen, technisches Wissen an ihre chinesische Partner abzutreten. Peking betreibe weiterhin Industriespionage und bedrohe damit Amerikas nationale Sicherheit. Die Autoren des Berichts weisen darauf hin, dass China aktuell die Modernisierung der chinesischen Volksarmee zum Ziel ausgerufen hat.

          Debatte im Silicon Valley

          Der technologische Wettlauf der Streitkräfte beider Länder rückt zunehmend in den Fokus der öffentliche Debatte. Sie wird befeuert durch politisch aktive Mitarbeiter von Silicon Valley-Unternehmen, die sich gegen Lieferverträge mit dem Pentagon und amerikanischen Sicherheitsbehörden wenden. Der Gründer und Vorstandsvorsitzende von Amazon, Jeff Bezos, hat dazu am Wochenende Stellung genommen. „Wenn die Technologie-Riesen dem Verteidigungsministerium den Rücke kehrten, dann gerät das Land in Schwierigkeiten“, warnte er: „Das darf einfach nicht passieren.“

          Er verstehe die Emotionen. Das sei ein wichtiges Thema. Mitarbeiter hätten ein Recht auf ihre Meinung, doch die Unternehmensführung dürfe entsprechenden Forderungen nicht nachgeben. Sein Unternehmen werde das Pentagon unterstützen. Bezos spielte damit auf eine Entscheidung der Google-Führung aus dem Frühjahr an, die Auswertung von Drohnen-Videos für das Verteidigungsministerium nicht fortzusetzen. Tausende Google-Angestellte hatten sich gegen das Projekt ausgesprochen. Bezos warnte auch davor, dass China in der Raumfahrt-Technologie davonziehen könnte, sollte Amerika nicht seine Anstrengungen verstärken.

          Xi folgt einem Traum Maos

          Die amerikanische Regierung hat inzwischen mit der schärferen Investitionsregeln auf ausländische – chinesische – Bestrebungen reagiert, amerikanische Hochtechnologie-Unternehmen zu kaufen. Chinesische Wagniskapital, das eine große Rolle in der Start-up-Finanzierung in Amerika spielt, fließt spärlicher.

          Die wirtschaftliche und technologische Entkoppelung der beiden Volkswirtschaften bleibt trotzdem mit großen Schwierigkeiten verbunden: Für den chinesischen Netzwerkausrüster Huawei beispielsweise lässt das amerikanische Wirtschaftsministerium Ausnahmen zu. Der Konzern klagt zudem gegen die Geschäftsbeschränkungen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Joe Biden und der Klimagipfel : Die beste Klimapolitik ist global

          Seit 30 Jahren wird mit ambitionierten Politiken auf Staatenebene der Eindruck vermittelt, man verzeichne Fortschritte im Kampf gegen die Klimaerwärmung. Diese Suggestion gelingt nur, wenn man die entscheidende Kennziffer vernachlässigt.

          Astra-Zeneca-Ablehnung : Zweifel macht wählerisch

          Der Astra-Zeneca-Impfstoff wird für Menschen über 60 empfohlen. Doch die wollen ihn oft nicht haben und bemühen sich lieber um Impfstoffe von Biontech oder Moderna. Haben die Jüngeren deshalb das Nachsehen?
          Boris Johnson am Mittwoch im Unterhaus

          Johnsons Pläne : Kommt die Covid-Pille?

          Der britische Premierminister will den Bürgern mit Hilfe von Impfpässen das Reisen erleichtern. Von Herbst an soll es darüber hinaus eine Pille gegen die Covid-Infektion geben.
          Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki spricht während einer ökumenischen Andacht in Düsseldorf am 20. Februar 2021.

          Kirche und Missbrauch : In Woelkis Schatten

          Beim Thema sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche ging es zuletzt nur noch um Kardinal Woelki und das Erzbistum Köln. Wie gehen andere Bistümer mit Missbrauchsgutachten und Betroffenen um?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.