https://www.faz.net/-gqe-nuwr

Wetterinformationen : Das Geschäft mit dem Wetter kommt jetzt erst in Fahrt

  • Aktualisiert am

Auch Wetterinformationen sind eine Ware Bild: dpa

Mit dem Wetter lassen sich Geschäfte machen. Das gilt nicht nur für Eisverkäufer und Brauereien, die von der Hitzewelle profitieren. Auch Wetterinformationen sind eine Ware.

          3 Min.

          Mit dem Wetter lassen sich Geschäfte machen. Das gilt nicht nur für Eisverkäufer und Brauereien, die von der Hitzewelle profitieren. Auch Wetterinformationen sind eine Ware. Dabei stehen die Voraussagen über die kommenden Wetterverhältnisse besonders hoch im Kurs.

          Viele Unternehmen sind von Wetterverhältnissen abhängig und beschaffen sich regelmäßig Informationen über die Wetterlage. So sind Bauunternehmen auf Vorhersagen über Windverhältnisse angewiesen, um zu wissen, wann sie ihre Kranführer aus der luftigen Höhe abziehen müssen. Straßenbauer brauchen trockenes Wetter, um den Asphalt ausbringen zu können. Luftfahrtgesellschaften werden praktisch permanent über die internationalen Wetterverhältnisse informiert. Selbst die Schokoladenindustrie fragt die Wetterdaten ab, bevor sie ihre schmelzgefährdeten Waren per Lastwagen auf den Weg schickt. Schließlich wollen Reiseveranstalter und ihre Kunden wissen, wie sich das Wetter in den unterschiedlichen Regionen der Welt entwickelt.

          Marktführer für solche Informationen ist in Deutschland der Deutsche Wetterdienst in Offenbach (DWD). Hier laufen die Rohdaten aus dem nationalen und internationalen Netzwerk von Wetterstationen zusammen und werden ausgewertet. Das Produkt ist eine Wettervorhersage und -analyse, die sich im Lauf der Jahre immer weiter verbessert hat. Im Jahr 1968 lag die Treffgenauigkeit einer Vorhersage über 48 Stunden noch bei 70 Prozent, heute sind es etwa 94 Prozent.

          Der DWD ist als Teil der Bundesverwaltung dem Verkehrsministerium unterstellt und nimmt mit diesen Diensten jährlich rund 72 Millionen Euro ein. Davon entfallen laut DWD-Sprecher Uwe Kirsche rund 60 Millionen Euro auf die Belieferung von Euro-Control, dem für die Sicherheit im europäischen Luftverkehr zuständigen Unternehmen. Nur rund 12 Millionen Euro im Jahr setzt der DWD mit der Belieferung von Wetterdienstleistern wie dem Schweizer Unternehmen Meteomedia oder Medien wie Tageszeitungen oder Funk und Fernsehen um. Genau in diesem Geschäftsfeld gibt es seit längerem handfesten Streit zwischen den privaten Wetterdienstleistern und dem DWD.

          Allen voran wird Meteomedia-Chef Jörg Kachelmann nicht müde, dem DWD vorzuwerfen, er liefere als staatlich geförderte Institution seine Vorhersagen gerade an die Medien zu Dumpingpreisen und mache so den Markt kaputt. Diese Kritik teilt seit Ende 2002 auch der Bundesrechnungshof. Er warf damals dem DWD vor, die Preise, zu denen die Informationen an Radiostationen und Zeitungen geliefert würden, deckten weniger als 40 Prozent der eigentlichen Kosten. Damit sei er weit von der gesetzlich vorgeschriebenen Rentabilität in diesem Geschäft entfernt.

          Im Februar reagierte der DWD auf diese Kritik und kündigte an, sich bis Januar 2004 aus dem fraglichen Endkundengeschäft mit den Medien vollständig zurückzuziehen. Weiterhin beliefert werden allerdings die privaten Wetterdienstleister oder auch Fernsehsender mit einer eigenen Wetterredaktion wie das ZDF oder die ARD, die in der Lage sind, aus den gelieferten Vorleistungen (aufgearbeitete Datenbestände der Meßstationen) eigene Wetterberichte zu erstellen.

          So wird - knapp zehn Jahre nach dem Einstieg der privaten Wetterdienste in das Geschäft - auch in Deutschland der Weg frei für eine Marktentwicklung, die die Wettervorhersage in den Vereinigten Staaten zu einer florierenden Industrie gemacht hat. Während in ganz Europa nach Branchenschätzungen rund 300 Menschen bei privaten Wetterdienstleistern arbeiten, wird diese Zahl in Amerika auf rund 4000 geschätzt, die mindestens 400 Millionen Dollar mit der Aufarbeitung der Wetterdaten für bestimmte Kundengruppen verdienen. Nach Angaben von Michael Kamps, einem Anwalt aus Köln, der unter anderen eng mit Jörg Kachelmann zusammenarbeitet und für den neugegründeten Verband Deutscher Wetterdienstleister spricht, ist die Entwicklung in den Vereinigten Staaten darauf zurückzuführen, daß der staatliche Wetterdienst dort nicht kommerziell arbeitet. Er beschränke sich vielmehr auf die sicherheitsrelevanten Bereiche der Wettervorhersage, wie etwa Unwetterwarnungen. Den Rest des Marktes bedienen die privaten Anbieter.

          Die Umsatzzahlen für die privaten Wetterdienste in Europa und Deutschland beruhen auf groben Schätzungen. Beobachter beziffern das Marktvolumen in Deutschland auf rund 35 Millionen Euro im Jahr. Die 12 Millionen Umsatz des DWD in diesem Segment sind darin enthalten.

          Angesichts des Rückzuges des DWD wird damit gerechnet, daß in den kommenden Monaten der Verteilungskampf auf dem deutschen Markt beginnen wird. Neben Kachelmanns Meteomedia, die schon viele der öffentlich-rechtlichen Sender mit Wetterberichten versorgt, wird auch die Wetter.com AG aus Singen, die zu 44 Prozent der Pro Sieben Sat.1 Media gehört, verstärkt in dies Geschäft einsteigen. "Wir wollen in zwei Jahren der größte Wetterdienstleister in Deutschland sein", sagt Kirsten Drössel, die bei Wetter.com für das Marketing und den Vertrieb zuständig ist. Schon heute verkauft das Unternehmen, das seine Rohdaten vom DWD bezieht, aufgearbeitete Wetterinhalte an Betreiber von Internetseiten. Aber auch Unternehmen wie Bayer Crop Science beziehen ihre Wetterinformationen aus Singen. Weitere Wettbewerber sind die MC-Wetter aus Berlin, eine Tochtergesellschaft der Meteo Consult B.V. aus den Niederlanden, oder die Bonner Gesellschaft Wetter Online GmbH.

          Weitere Themen

          Kritische Bedingungen für Geflüchtete Video-Seite öffnen

          Insel Lesbos : Kritische Bedingungen für Geflüchtete

          Auch auf den griechischen Inseln macht sich der Winter bemerkbar. Diese Bilder zeigen wie die Flüchtlinge unter kritischen Bedingungen dem Regen und der Kälte trotzen. Noch dazu sind die Lager hoffnungslos überfüllt.

          Topmeldungen

          Klimakonferenz in Madrid : Keinen Schritt weiter

          Mit dem Minimalkonsens der Madrider Klimakonferenz sind die Staaten auf dem Stand von vor einem Jahr geblieben. Vielleicht sollte das Format grundsätzlich überdacht werden.
          Abschied vom Kollegen: Feuerwehrleute am Samstag vor Beginn der Trauerfeier in der Pfarrkirche St. Ägidius in Neusäß

          Gewalttat in Augsburg : Mal wieder junge Männer

          Nach dem Tod eines Feuerwehrmannes auf dem Königsplatz in Augsburg stellen sich viele Fragen: Sind junge Migranten heute gewaltbereiter als früher? Und woran starb das Opfer?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.