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Wettbewerb : Briefunternehmen verbünden sich gegen die Post

Mit fast 3000 Mitarbeitern ist TNT Post der mit Abstand größte Herausforderer des ehemaligen Monopolisten Bild: dapd

TNT Post schmiedet gemeinsam mit Konkurrenten neue Pläne für ein bundesweites Zustellnetz als Alternative zur Deutschen Post. Der größte Post-Rivale sieht „Dumpingpraktiken“ beim ehemaligen Monopolisten.

          3 Min.

          Die Konkurrenten der Deutsche Post AG verhandeln über ein gemeinsames bundesweites Zustellnetz. Mario Frusch, Geschäftsführer von TNT Post Deutschland, will die Zustellverbünde „Mail Alliance“ und „P2“ möglichst eng miteinander verzahnen und so die Schlagkraft der Post-Rivalen erhöhen. „Die Gespräche sind auf einem guten Weg; gemeinsam mit allen Beteiligten werden wir ein flächendeckendes Alternativnetz in Deutschland etablieren“, sagte Frusch der F.A.Z..

          Helmut Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          TNT Post, ein Tochterunternehmen des niederländischen Briefkonzerns PostNL, ist einer der Hauptgesellschafter der von Würzburg aus gesteuerten Mail Alliance. Dem im Jahr 2010 gemeinsam mit den Verlagen Holtzbrinck und Madsack sowie Pressedruck aus Augsburg gegründeten Zusammenschluss gehören rund 140 regionale Briefdienste an. Das Netz von P2 umfasst weitere 44 Zustellpartner; getragen wird dieser Verbund von knapp zwei Dutzend größtenteils verlagsgebundenen Unternehmen.

          „Der Wille ist da, gemeinsam zu marschieren“, sagte P2-Geschäftsführer Armin Knab: „Ich bin zuversichtlich, dass wir jetzt zu einem Ergebnis kommen“. Erste Gespräche vor zwei Jahren waren im Sande verlaufen. Auf regionaler Ebene arbeiten die beiden Verbünde zum Teil schon zusammen. Es gibt aber immer noch weiße Flecken, wo die Konkurrenz nicht ohne den Platzhirsch auskommt. Die bei Unternehmen und Behörden eingesammelten Briefe werden dann lediglich nach Empfangsregionen vorsortiert und mit entsprechenden Rabatten der Deutschen Post übergeben, die an jeder Sendung mitverdient. Rund 1,6 Milliarden Briefe, fast die Hälfte der Gesamtmenge der Wettbewerber, ist im vergangenen Jahr so in das Post-Netz eingespeist worden. Weitere 1,7 Milliarden haben die Konkurrenten selbst zugestellt.

          Durch eine engere und bundesweit koordinierte Kooperation „auf der letzten Meile“ zu den Briefkästen wollen sie sich nun stärker aus der Abhängigkeit lösen. Auch dann blieben noch Lücken im Zustellnetz. Selbst in Großstädten wie Hamburg oder München haben alternative Briefdienste den Betrieb eingestellt und das Feld wieder dem Ex-Monopolisten überlassen müssen.

          TNT-Deutschland-Geschäftsführer vermutet „Dumpingpraktiken“

          Frusch macht dafür die „Verdrängungsstrategie“ der Post und eine unzureichende Missbrauchskontrolle durch die Aufsichtsbehörden verantwortlich. Die Bundesnetzagentur hatte zwar im vergangenen Jahr eine Preisuntergrenze festgelegt und die Post damit gezwungen, den Betrieb ihrer Billigtochtergesellschaft First Mail einzustellen. Umso mehr wundert sich Frusch über die Ergebnisse mancher Akquise-Verhandlungen mit Großkunden, in denen sein Unternehmen trotz wirtschaftlicherer Angebote den Kürzeren gezogen habe. Er vermutet verborgene Dumpingpraktiken. „Die Post zieht alle Register, um die Konkurrenz klein zu halten“, sagte er: „Die Preisuntergrenze wird mit versteckten Rabatten und Koppelgeschäften unterlaufen.“

          Aktuell überprüft die Regulierungsbehörde die sogenannten Infopost-Tarife der Post. Sie sind eigentlich nur für inhaltsgleiche Sendungen wie zum Beispiel Werbebriefe erlaubt. „Wir haben Beweise dafür, dass sogar Mahnungen und elektronische Gesundheitskarten als Infopost verschickt werden“, sagte Frusch. Für seinen Argwohn sorgt auch der digitale E-Postbrief. Großkunden bietet die Post eine Kombination der Zustellungswege an: Empfänger ohne E-Post-Konto bekämen ihre Briefe konventionell in die Briefkästen, die übrigen Sendungen könnten zu sehr viel niedrigeren Preisen elektronisch verschickt werden. Eine solche Mischkalkulation, die sich von außen nicht durchschauen lasse, weil die Post die Zahlen der digitalen Briefe geheim hält, eröffne Spielräume für unlauteren Wettbewerb, meinte Frusch. Die Post bestreitet die Vorwürfe und begründet die Erfolge auf dem Markt mit den eigenen Stärken. „Aufgrund unserer exzellenten Qualität und der hohen Kundenzufriedenheit sind wir sicher, auch in Zukunft bestens auf die Marktanforderungen vorbereitet zu sein“, sagte ein Konzernsprecher.

          TNT will in diesem Jahr deutlich aufholen

          Mit einem Marktanteil von etwa sechs Prozent und fast 3000 Mitarbeitern ist TNT Post der mit Abstand größte Herausforderer des ehemaligen Monopolisten; alle Wettbewerber gemeinsamen kommen auf gut zehn Prozent des Briefmarktes. Nachdem sich TNT Post im Jahr 2011 aus einigen Gebieten wie Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern zurückgezogen und 6 Prozent seines Umsatzes eingebüßt hat, will Frusch in diesem Jahr wieder Gas geben.

          Er hat seine Verkaufsmannschaft erweitert, eine neue Minderheitsbeteiligung an der BW Post stärkt die Präsenz im Südwesten. Neue Wege beschreitet Frusch durch eine Kooperation mit dem Paketdienst DPD: Mitarbeiter der TNT Post-Tochtergesellschaft PostCon sammeln auf ihren Touren auch Pakete von Unternehmen ein und übergeben sie für den Weiterversand an DPD; umgekehrt nehmen die Paketboten Briefe für TNT Post mit. Weitere Partnerschaften würden geprüft, passende Gelegenheiten auch für neue Beteiligungen genutzt. Zusätzliche Impulse erhofft sich Frusch von der Allianz mit der Deutschen Telekom. TNT-Post übernimmt die vorgeschriebene Identifizierung von Telekom-Kunden, die am geschützten elektronischen Datenaustausch im Internet teilnehmen wollen und die physische Zustellung von Sendungen an Empfänger ohne De-Mail-Konto.

          „Wir werden Umsatz und Mengen in diesem Jahr spürbar steigern“, kündigte Frusch an. Die niederländische Muttergesellschaft erwartet für das Jahr 2013 ein Ende der Verluste in Deutschland. Frusch sieht das Unternehmen auf gutem Weg. Die Kostensenkungen zeigten Wirkung, der Jahresverlust 2011 sei deutlich geringer ausgefallen als die in der Branche geschätzten 40 Millionen Euro. „Davon sind wir weit entfernt, sonst würden wir den Break Even 2013 niemals schaffen“. Frusch denkt schon ein Stück weiter: „Damit das Engagement in Deutschland für PostNL Sinn behält, brauchen wir von 2015 an eine ordentliche Umsatzrendite“.

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