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Wettbewerb (11) : Die Nürnberger arbeiten hart am Struktur- und Imagewandel

  • -Aktualisiert am

In der Industrie reißen die Hiobsbotschaften nicht ab. Die Konzentration auf wenige Zukunftsbereiche trägt erste Früchte. Teil elf der Serie „Deutschland im Wettbewerb“.

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          Es gibt Hoffnung in Nürnberg. Seit Mitte September dürfen die Städtischen Bühnen den Titel "Staatstheater" führen, als einziges Theater in Bayern außerhalb der Landeshauptstadt München. Zum ersten Mal seit dem Ende der Monarchie in Bayern ist einem Theater eine solche Ehre zuteil geworden - die auch mit höheren freistaatlichen Zuschüssen verbunden ist.

          Die Entscheidung sei "eine Anerkennung des hohen Niveaus der am Theater Nürnberg geleisteten Arbeit", begründete der gerade ausgeschiedene Kultusminister Hans Zehetmair. Daß am 21. September in Bayern Landtagswahlen waren, soll hingegen keine Rolle gespielt haben.

          Auch sonst weiß die Industrie- und Handelskammer (IHK) in Nürnberg Positives zu berichten. Natürlich sei der Großraum Nürnberg-Fürth-Erlangen und die ganze Region Mittelfranken als Wiege der deutschen Industrie vom allgemeinen Wandel von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft besonders betroffen, sagt IHK-Sprecher Kurt Hesse. Mehr als 100.000 Industriearbeitsplätze sind in Mittelfranken mit 1,7 Millionen Einwohnern seit 1974 verlorengegangen. Dies sei durch 170.000 neue Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor mehr als kompensiert worden. Arbeiteten 1974 noch 61 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Industrie- und nur 38 Prozent in Dienstleistungsbetrieben, hat sich dieses Verhältnis bis 2002 umgekehrt.

          Arbeitslosenquote über dem Durchschnitt

          Doch der Zuwachs an Arbeitsstellen hat nicht gereicht: Die Arbeitslosenquote lag im September im Großraum Nürnberg mit 8,6 Prozent nicht nur deutlich über dem bayerischen Durchschnitt (6,5 Prozent), sondern auch über dem Schnitt in Westdeutschland (8,1 Prozent). Hinter den Zahlen für den Strukturwandel in der Region stehen große Namen: Adtranz, AEG, Alstom, Alcatel, ABB, Triumph-Adler, Philips.

          Siemens, der wichtigste Arbeitgeber, hat allein seit 1993 6000 Stellen abgebaut. Auf der anderen Seite wurde aber auch kräftig investiert, etwa in eine neue Medizintechnik-Fabrik in Erlangen. Die in Herzogenaurach ansässigen Sportartikelhersteller Adidas-Salomon und Puma haben ihre Werke sin den achtziger Jahren dichtgemacht.

          Entlassungen in Technologiebranche schwächt Region

          Nach den reifen Industrien häufen sich auch aus den Technologiebranchen die schlechten Nachrichten. Der Mobilfunkausrüster Ericsson beendete 2002 seine Entwicklung in Nürnberg; die 350 Entwickler sind großenteils entlassen. Lucent Technologies hat die Produktion eingestellt und den Personalstand von einst 3000 auf 1400 gekürzt. Dramatisch abgebaut hat auch die traditionell in Mittelfranken verankerte Spielwaren- und Lederindustrie.

          Die letzte Hiobsbotschaft war die Insolvenz der Grundig AG. Von den 1300 Mitarbeitern, die zuletzt für Grundig arbeiteten, sind noch 500 beschäftigt. Wie viele künftig bei Unternehmensteilen von Grundig Arbeit haben, hängt vom Verkaufsgeschick des Insolvenzverwalters Siegfried Beck ab. Schon zuvor war der Traditionskonzern mit dem berühmten blauen Logo nur noch ein Schatten seiner selbst. In den siebziger Jahren beschäftigte Grundig fast 40 000 Mitarbeiter. Allein das Gelände in Nürnberg-Langwasser war damals eine kleine Stadt mit elf unterschiedlichen Grundig-Werken.

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