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Literatur als Staatsaufgabe : Wie Norwegen den eigenen Büchermarkt ankurbelt

Willkommen im Paradies für Schriftsteller und Schriftstellerinnen: Die norwegische Kulturministerin Trine Skei Grande bei der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse am 15. Oktober 2019. Bild: EPA

Norwegen kurbelt mit staatlicher Förderung die literarische Produktion in einem Maße an, das für Deutschland aktuell kaum vorstellbar ist. Für die liberale Kulturministerin ist das kein Widerspruch.

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          Norwegen, das Gastland der Frankfurter Buchmesse in diesem Jahr, hat nicht einmal 5,5 Millionen Einwohner. Aber der norwegische Schriftstellerverband zählt mehr als 700 Mitglieder, und allein in diesem Jahr sind knapp 300 Bücher aus dem Norwegischen ins Deutsche übersetzt worden. Wären die gut 83 Millionen Deutschen literarisch ähnlich produktiv, müsste der hiesige Autorenverband mehr als 11.000 Mitglieder haben. Es sind aber nur 3600. Und fast 5000 deutsche Bücher im Jahr müssten es ins Norwegische schaffen. Es sind aber nur rund 40.

          Sebastian Balzter

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Woher kommt die Diskrepanz? Man kann sie mit zufällig unterschiedlich verteiltem Talent erklären. Oder man versteht sie als Folge großzügiger staatlicher Förderung. Norwegen gönnt sich in dieser Hinsicht einiges, wovon Autoren und Verleger in Deutschland träumen. Der finanziell größte Brocken ist die Mehrwertsteuerbefreiung. Hierzulande ist die Steuer für Bücher zwar auch von 19 auf 7 Prozent reduziert. In Norwegen, wo sie sonst bei 25 Prozent liegt, fällt sie für Bücher gleich ganz weg. Das nächste Instrument der Literaturförderung ist die sogenannte „Einkaufsordnung“. Das Kulturministerium in Oslo kauft jedes Jahr eine erkleckliche Zahl von Titeln für die Schul- und Gemeindebibliotheken im Land ein. Jedes Buch, das es auf diese Einkaufsliste schafft, kann damit auf einen Schlag 800 verkaufte Exemplare verzeichnen. Das wäre in Deutschland nicht viel. In Norwegen, wo Bücher mit einer verkauften Auflage von mehr als 5000 Stück schon Kassenschlager sind, ist es eine solide Basis.

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