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Carsten Knop

Werksschließung : Subventionsheuschrecke Nokia?

  • -Aktualisiert am

Jürgen Rüttgers in Bochum Bild: REUTERS

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers hat im Zusammenhang mit Nokia den Begriff der „Subventionsheuschrecke“ eingeführt, weil der Handyhersteller zwar öffentliche Fördermittel bekam, aber jetzt doch nicht in Bochum bleibt. Solche Worte erheischen billig Beifall.

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          Dieses Wort werden die Mitarbeiter des Bochumer Nokia-Handy-Werks zum ersten Mal in ihrem Leben gehört haben. Ihr bisheriger Arbeitgeber Nokia drohe in den Ruf einer "Subventionsheuschrecke" zu geraten, hat ihnen der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Rüttgers zugerufen. Seine einfache Formel lautet: Fördermittel kassieren und dann weiterziehen, das gehöre sich nicht.

          Richtig so, werden sich die Bochumer gedacht haben. Was aber folgt solchen Worten, die billig Beifall erheischen und zur Pflicht eines Landespolitikers zu gehören scheinen? Nichts, jedenfalls nichts, was den Mitarbeitern noch helfen könnte. Es ist ja wahr, dass der Weltmarktführer für Mobiltelefone für das Bochumer Werk öffentliche Fördermittel in Höhe von 88 Millionen Euro erhalten hat. Aber das Geld, das in der Vergangenheit geflossen ist, reicht offenbar nicht aus, um das Werk auch in der Zukunft wettbewerbsfähig zu halten. Und nur darum geht es.

          Der Konsument entscheidet

          Wie aber soll sich Nokia verhalten? Ein Unternehmen, zumal eines, dessen Vorstand seinen Aktionären Rede und Antwort steht, muss dort produzieren, wo dies zu wettbewerbsfähigen Kosten möglich und strategisch sinnvoll ist. Das haben vor Nokia leider auch schon die Wettbewerber BenQ aus Taiwan und Motorola aus Amerika zum Nachteil ihrer deutschen Werke so entscheiden müssen. Sie werden wieder nach Deutschland kommen, wenn es ihnen sinnvoll erscheint. Denn gerade an Tagen, an denen es solche schlechten Nachrichten gibt, darf nicht übersehen werden, dass sich die deutsche Wirtschaft im internationalen Wettbewerb bestens schlägt und zum Beispiel dem Maschinenbau seine Produkte trotz des hohen Außenwerts des Euro aus den Händen gerissen werden. Wenn in Deutschland genug Ideen in ein Produkt fließen, dass es so gut nur hier gefertigt werden kann, sind die Lohnkosten kein großes Problem - und Subventionen überflüssig.

          Aber ein Handy kann man inzwischen überall in einer guten Qualität fertigen. Dem Konsumenten ist es ohnehin gleichgültig: Er vertraut allein der Marke. Er wird Gründe haben, warum er für Elektronikprodukte nicht mehr darauf achtet, ob „Made in Germany“ auf der Packung steht. Das ist bei Autos und Maschinen anders, zu Recht.

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