https://www.faz.net/-gqe-ox5s

Werften : Großfusion im Marineschiffbau

  • Aktualisiert am

ThyssenKrupp steigt bei HDW ein Bild: AP

Thyssen Krupp will die Führung in einem neuen Verbund von Großwerften übernehmen. Zur Unternehmensgruppe gehören HDW (Kiel), Blohm + Voß (Hamburg) sowie die Nordseewerke (Emden).

          2 Min.

          Im deutschen Marineschiffbau soll bis zum Herbst ein neuer Verbund unter Einschluß der Kieler Werft HDW entstehen. Thyssen Krupp und der HDW-Besitzer One Equity Partners (OEP) hätten eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet, teilte die Thyssen-Krupp-Tochter TK Technologies am Montag in Essen mit.

          Thyssen Krupp soll in dem Verbund aller Großwerften die Führung übernehmen. Die Standorte Kiel, Hamburg, Emden und Rendsburg bleiben den Plänen zufolge erhalten. Zur neuen Unternehmensgruppe sollen außer HDW (Howaldtswerke-Deutsche Werft AG) auch Blohm + Voß (Hamburg), die Nordseewerke (Emden), die schwedische Werft Kockums und die griechische Hellenic Shipyards gehören.

          9300 Mitarbeiter - nicht zu halten

          Der Verbund käme auf einen Umsatz von 2,2 Milliarden Euro und eine Mitarbeiterzahl von 9300, davon - einschließlich der ausländischen Töchter - 6300 bei HDW. Einen Arbeitsplatzabbau werde es auf jeden Fall geben, sagte eine Sprecherin von TK Technologies.

          Der amerikanische Finanzinvestor OEP bringt laut Plan HDW in die Gruppe ein und erhält im Gegenzug einen 25-Prozent-Anteil am Verbund sowie 240 Millionen Euro in bar von ThyssenKrupp. TK Technologies werde 75 Prozent halten und die industrielle Führung übernehmen, teilte der Konzern mit. Die Thyssen-Krupp-Werften Blohm + Voß und Nordseewerke arbeiten bereits seit Jahren mit HDW bei Auftragseinholung, Bau und Vertrieb von Fregatten, Korvetten und U-Booten zusammen. Pläne für einen Werftenverbund gibt es bereits seit mehreren Jahren.

          Technologische Perle HDW

          Vor allem HDW gilt als technologische Perle unter den drei Werften: Die Kieler sind weltweit führend bei nicht-atomaren U-Booten. Das weltweit erste Wasserstoff-U-Boot ist zur Zeit in der Erprobung für die Bundeswehr, 12 weitere von verschiedenen Nationen bestellt. Außerdem hat die HDW-Tochter Kockums in Schweden bei der Entwicklung von schwer zu ortenden Fregatten die Nase vorn. Die Kieler Werft war vor wenigen Monaten nach einer Pause von zehn Jahren wieder in den Bau von Containerschiffen eingestiegen. Möglich wurde das Geschäft durch einen Lohnverzicht der Belegschaft in Höhe von 20 Millionen Euro. Es sollen vier Containerfrachter im Wert von insgesamt 130 Millionen Euro gebaut werden.

          Bei HDW in Hamburg hat man sich auch mit Fregatten einen Namen gemacht: Die Schiffe der Meko-Serie lassen sich ohne großen Planungsaufwand an die Bedürfnisse der einzelnen Kunden anpassen und gelten als weltweiter Verkaufsschlager. Außerdem hat Blohm und Voss eine gut laufende Reparaturwerft, die vor allem Zivilschiffe repariert. Die Nordseewerke haben keine wegweisende Entwicklungsabteilung, sondern bauen U-Boote und Fregatten nach den Plänen aus Kiel und Hamburg.

          Sicherheit für Kiel, Hamburg, Emden

          Nach Angaben der beteiligten Firmen sollen alle drei großen Standorte Kiel, Hamburg und Emden erhalten bleiben. Allerdings seinen „wesentliche Effekte aus der Konzentration von Entwicklung, Vertrieb und Fertigung zu erwarten“, wie es hieß. Der geplante Werftenverbund steht für ein Umsatzvolumen von rund 2,2 Milliarden Euro und 9.300 Mitarbeiter. Der Bau von zivilen Schiffen soll neben den Marineschiffen fortgesetzt werden.

          Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd Rohwer (SPD) sprach von einer großen Chance für HDW. „Durch die Zusammenführung entsteht ein schlagkräftiges Systemhaus im deutschen Schiffbau“, sagte Rohwer am Montag in Kiel. „Nach der Diskussion der vergangenen Jahre entsteht für die HDW und ihre Mitarbeiter jetzt eine sicherere Perspektive.“

          Auch die IG Metall begrüßte den Verbund. Eine Bündelung der jeweiligen Standort-Stärken sei angesichts des verschärften Wettbewerbs mit teilweise hochsubventionierter staatlicher Konkurrenz wichtig. Bei den Chancen eines schlagkräftigen Werftenverbundes dürften allerdings auch die Risiken nicht übersehen werden, sagte IG- Metall-Bezirksleiter Frank Teichmüller.

          Die Bundesregierung hatte schon vor vier Jahren eine enge Verbindung deutscher Werften vorgeschlagen, um die Marinetechnologie im Land halten zu können. Thyssen Krupp und HDW wollen in den nächsten Wochen noch einmal das Geschäft bewerten und voraussichtlich im Juli die Verträge unterzeichnen. „Wir sind da ganz optimistisch“, sagte die Sprecherin von TK Technologies, Anja Gerber. Dann müßten noch die Kartellbehörden zustimmen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Hass-Kommentare im Netz : Wenn Rentner zum Mord aufrufen

          Sie verbreiten online Hass und Hetze: Staatsanwälte versuchen möglichst viele von denen zur Rechenschaft zu ziehen, die im Netz die Tötung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke gelobt haben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.