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Mietwagen und Fernbusse : Wer vom Bahnstreik profitiert

Fernbusse am Frankfurter Hauptbahnhof Bild: Wolfgang Eilmes

Der Bahnstreik treibt die Reisenden zu Alternativen. Während Privatleute auf das eigene Auto oder Fernbusse umsteigen, steht bei Geschäftsreisenden das Mietauto hoch im Kurs – mancherorts werden schon die Wagen knapp.

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          Dem Autovermieter Sixt macht der Streik der Lokführer offensichtlich Spaß. Sixt schickte einen Lastwagen auf die Straße, dessen Abdeckplane mit einem Eisenbahnwaggon bedruckt war. Drunter stand die Zeile „Die Bahn kommt“ – und wenn streikbedingt nicht selbst, dann wird sie eben vom Autovermieter gebracht, durfte sich der Betrachter dazu denken. Außerdem kürte das für seine aufsehenerregenden Werbekampagnen bekannte Unternehmen den Vorsitzenden der Lokführergewerkschaft GDL, Claus Weselsky, schon zweimal auf Plakaten zum „Mitarbeiter des Monats“. Denn an Streiktagen freuen sich die Autovermieter des Landes über viele zusätzliche Kunden.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das bestätigen auch Geschäftsreisedienstleister, die für Unternehmen vom Mittelständler bis zum Großkonzern die Dienstreisen für Mitarbeiter und Manager buchen. Denn während Privatreisende auf das eigene Auto oder Fernbusse umsteigen, steht bei Geschäftsreisenden das gemietete Auto an Streiktagen hoch im Kurs. „Die Gewinner des Bahnstreiks sind die Mietwagenanbieter“, sagt Mark Tantz. Er ist Geschäftsführer der Geschäftsreisedienstleisters FCM Travel Solutions, der zu DER-Touristik – der Reisesparte der Rewe-Gruppe – gehört.

          Mit einem Umsatz von 1,1 Milliarden Euro gehört das Unternehmen zu den führenden Geschäftsreiseorganisatoren hierzulande, für die Störungen im Regelreisebetrieb immer wieder eine Herausforderung sind. Sie müssen dann Touren von Außendienstlern, Managern und Monteuren kurzfristig umbuchen. Schon 2014 lernten die Reisefachleute: Wenn bei der Bahn die Lokführer und bei der Lufthansa die Piloten streiken, stellen Geschäftsleute das Reisen nicht ein, sondern nutzen alternative Wege.

          Auch mancher Firmenkunde probiert den Fernbus

          Aktuell lässt die Bahn nach einem Notfahrplan etwa ein Drittel der Fernzüge und – je nach Region – zwischen 15 und 60 Prozent der Regionalzüge fahren. Und wenn Züge seltener fahren oder stillstehen, schnellt die Zahl der Anfragen nach Mietwagen hoch. Das hätten die bisherigen Streikwellen der Lokführer gezeigt. „An den vergangenen Streiktagen waren die Wagen zum Teil komplett ausgebucht“, berichtet Tantz.

          Auch Fernbusse seien Profiteure des eingeschränkten Bahnbetriebs. Die Busunternehmen selbst sprechen von einer Nachfrage, die an einzelnen Tagen auf das Vierfache normaler Buchungszahlen hochschnelle. Auch Geschäftsreisende, die ansonsten mehr als Privatleute auf schnelle Verbindungen zum Zielort Wert legen, wechselten dann in die grünen, weißen oder gelben Reisebusse. „Wir buchen für unsere Firmenkunden auch Fernbusse. An den Streiktagen sind die richtig voll“, sagt Tantz.

          Er prognostiziert sogar, dass der noch junge Fernbusmarkt nachhaltig vom Streik der Lokführer profitieren könne. Bislang entfiel beim Reisedienstleister FCM nur etwa ein Prozent aller Buchungen auf den Fernbus. „Durch den Streik werden Geschäftsreisende genötigt, das Verkehrsmittel Bus auszuprobieren und nutzen es danach wieder“, sagt er. Die Zahl der Wiederholungsbuchungen steige.

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