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Nachfolge : Wer folgt Sabine Lautenschläger bei der EZB?

Sabine Lautenschläger tritt zurück. Bild: dpa

Sabine Lautenschläger, Mitglied im Direktorium der Europäischen Zentralbank, hat am Mittwochabend ihren Rücktritt angekündigt. Vieles scheint dafür zu sprechen, dass wieder eine Frau für den Posten vorgeschlagen wird.

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          Für viele überraschend hat Sabine Lautenschläger, Mitglied im Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB) am Mittwochabend ihren Rücktritt zum 31. Oktober angekündigt, just dem Tag, an dem auch EZB-Präsident Mario Draghi aufhört und den Stab an Nachfolgerin Christine Lagarde übergibt. Auch das französische Direktoriumsmitglied Benoit Coeuré scheidet Ende des Jahres aus dem sechsköpfigen Gremium aus. Bei der EZB ist es üblich, dass die großen Eurostaaten auch im Direktorium vertreten sind. Während Italien die Nachfolge Coeurés für sich reklamiert und Italiens Vize-Notenbankchef Fabio Panetta als einziger Kandidat gilt, wurde über die Nachfolge für Lautenschläger bislang offiziell noch nichts bekannt.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums sagte auf Anfrage, Deutschland habe den Anspruch, als größte Volkswirtschaft in der Eurozone auch weiterhin ein Mitglied im Direktorium zu stellen. Man sei zuversichtlich, zeitnah eine geeignete Kandidatin oder einen geeigneten Kandidaten vorstellen zu können. 

          Vieles scheint dafür zu sprechen, dass wieder eine Frau für den Posten vorgeschlagen wird, um das Gremium nicht zu einseitig männerdominiert werden zu lassen. Holger Schmieding, Chefvolkswirt des Bankhauses Berenberg, nannte beispielsweise Claudia Buch, die Vize-Präsidentin der Deutschen Bundesbank, als aussichtsreiche Kandidatin. Die Ökonomin Beatrice Weder di Mauro, die auf Twitter auch schon als mögliche Kandidatin gehandelt wurde, soll abgewunken haben: Allein schon, weil sie einen Schweizer Pass habe, komme sie für den Posten in der Euroraum-Notenbank nicht in Betracht. Als mögliche Kandidatin genannt wurde auch Isabel Schnabel, Professorin in Bonn und Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung („fünf Weise“).  Unter den männlichen Ökonomen wurde unter anderem Volker Wieland, Professor an der Frankfurter Goethe-Universität, als prinzipiell geeignet eingeschätzt.

          Spannend ist an der Personalie auch, ob Deutschland eher einen Unterstützer oder Kritiker der Notenbank-Linie vorschlagen wird.  „Deutschland wird auf einem Posten im Direktorium bestehen, doch angesichts der bestehenden Mehrheitsverhältnisse dürfte die geldpolitische Ausrichtung weiterhin auf Expansion ausgerichtet bleiben“, kommentierte Ulrike Kastens, Ökonomin der Fondsgesellschaft DWS. „Wer am Ende berufen wird, ist sehr unsicher - so hatte kaum jemand Christine Lagarde als Nachfolgerin von Mario Draghi auf dem Zettel“, meinte Jörg Krämer, der Chefvolkswirt der Commerzbank. Carsten Brzeski, Ökonom der Bank ING, meinte, Bundesbankpräsident Jens Weidmann werde den Posten sicher nicht übernehmen, er rechne mit Schnabel oder Buch.

          Lautenschläger hatte offiziell keine Begründung für ihren Rücktritt angegeben. Unzufriedenheit mit der geldpolitischen Ausrichtung und die jüngsten Beschlüsse zu neuen Anleihekäufen sollen aber die maßgebliche Rolle gespielt haben.

                                

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