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Hohe Auslastung : Wer einen Handwerker braucht, muss 10 Wochen warten

  • Aktualisiert am

Ein Maler spachtelt die Wände eines Zimmers. Bild: dpa

Die Auftragsbücher sind voll und es fehlt Personal an allen Ecken: Kunden müssen immer länger auf einen Termin mit dem Handwerker warten. Gleichzeitig steigen die Preise.

          Das Rohr ist verstopft, die Waschmaschine kaputt, der Wasserhahn tropft – doch bis ein Handwerker kommt, kann es dauern. Kunden müssen immer länger auf einen Termin warten. Im Durchschnitt dauert es im Gesamthandwerk inzwischen fast zehn Wochen, bis ein Auftrag erfüllt werden kann. Das geht aus dem am Mittwoch vorgelegten Konjunkturbericht des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) hervor. Noch länger sind die Wartezeiten in den Bau- und Ausbauhandwerken. Dort müssen die Kunden sogar 14,5 beziehungsweise fast 11 Wochen warten.

          Der Grund ist die hohe Auslastung der Betriebe von mehr als 80 Prozent. Die Auftragsbestände seien weiter hoch und es gebe kaum noch freie Kapazitäten, heißt es. Das werde auch in den kommenden Monaten so bleiben. Zugleich fehlten Fachkräfte. Nicht für alle offenen Stellen lasse sich geeignetes Personal finden. Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer hatte Ende vergangenen Jahres noch von einer durchschnittlichen Wartezeit von 9 Wochen gesprochen.

          ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke sagte, die Konjunktur im Handwerk laufe weiter auf Hochtouren. Dies werde sich nach den Erwartungen der Betriebe im weiteren Jahresverlauf nahezu ungebremst fortsetzen. Die Firmen bewerteten in der Frühjahrsbefragung die aktuelle Geschäftslage sowie die Umsatzentwicklung besser als jemals zuvor.

          Ruf nach der Meisterpflicht

          Höhere Löhne und Lohnzusatzkosten sowie gestiegene Einkaufspreise für Rohstoffe, Material und Energie lassen laut Verband die Verkaufspreise noch einmal deutlich ansteigen. Die Spielräume für Preisanpassungen seien größer als in den Vorjahren, sodass sich die höheren Kosten auf die Abnehmer umlegen ließen – sprich: Die Preise für Kunden steigen. Mehr als jeder dritte Betrieb (37 Prozent) gab an, im ersten Quartal die Absatzpreise erhöht zu haben.

          Zugleich klagte der Spitzenverband über zu viel Bürokratie mit mehr arbeitsrechtlichen Vorschriften und mit zusätzlichen Sozialabgaben. Der ZDH bekräftigte außerdem seine Forderung nach steuerlichen Entlastungen. „In der politischen und gesellschaftlichen Wahrnehmung scheint zunehmend aus dem Blick zu geraten, wer unseren Wohlstand und die Mittel für unseren Sozialstaat erarbeitet und erwirtschaftet: Das sind ganz maßgeblich auch unsere Betriebe, unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Handwerk“, sagte Schwannecke. „Eine verteilende Sozialpolitik dominiert, wo eigentlich Wirtschaftspolitik und Wettbewerbsstärkung nötig wären.“

          Der Handwerksverband spricht sich außerdem seit langem dafür aus, die Meisterpflicht in vielen Berufen wieder einzuführen. Im Jahr 2004 war in mehr als 50 Gewerken die Meisterpflicht weggefallen, etwa für Rolladen- und Jalousienbauer, Gold- und Silberschmiede oder Fliesenleger. Mit der Reform der Handwerksordnung wollte die Bundesregierung damals einfachere Tätigkeiten für Selbstständige öffnen.

          Befürworter argumentieren, dies habe zu einem größeren Angebot und mehr Auswahl für die Kunden geführt. Dagegen beklagt der ZDH, die Abschaffung der Meisterpflicht in vielen Berufen habe zu Marktverzerrungen und Qualitätsproblemen geführt. „Mehr Qualität, mehr Ausbildung, mehr Verbraucherschutz und nachhaltige Betriebe bekommen wir nur mit der Meisterpflicht“, sagte Schwannecke.

          Die schwarz-rote Koalition hatte angekündigt, den Meisterbrief wieder zu stärken. Eine Arbeitsgruppe von Union und SPD hatte sich Anfang April auf Eckpunkte für eine Änderung der Handwerksordnung verständigt. Es soll nun ein Gesetzentwurf erarbeitet werden, der im Herbst im Bundestag beraten werden soll.

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