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Wer bekommt die Dresdner Bank? : Das Kopf-an-Kopf-Rennen

Analysten schätzen den Wert der Dresdner Bank auf 8 bis 9 Milliarden Euro Bild: AP

Noch ist alles offen. Der Sonntag wird der Tag der Entscheidung über die Zukunft der Dresdner Bank. Die Chancen der Chinesen steigen. Von der Commerzbank möchte die Allianz die Cominvest.

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          theu./Kno. MÜNCHEN/FRANKFURT, 28. August. Der Aufsichtsrat der Allianz wird am Sonntag über die Zukunft der Tochtergesellschaft Dresdner Bank entscheiden. Die Mitglieder seien zu einer Sondersitzung eingeladen worden, teilte der Münchner Finanzkonzern am Donnerstag mit. Es stünden weiterhin drei Optionen zur Debatte, hieß es in Finanzkreisen. Die Mehrheit an der von Milliardenverlusten gebeutelten Dresdner Bank könnte entweder an die Commerzbank oder an die chinesische Staatsbank China Development Bank (CDB) verkauft werden. Dass sich die Allianz gegen einen Verkauf entscheidet galt am Donnerstag in informierten Kreisen zwar als eher unwahrscheinlich, wurde aber ebenfalls nicht ausgeschlossen.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die eigentlich zum Monatsende geplante Aufspaltung der Dresdner Bank hat die Allianz wegen der anstehenden Entscheidung vorerst auf Eis gelegt. Der Verkauf der Dresdner Bank, deren Wert Analysten auf 8 bis 9 Milliarden Euro schätzen, wäre die größte Transaktion im deutschen Bankenmarkt seit der Übernahme der Hypo-Vereinsbank (HVB) durch die italienische Unicredit-Gruppe vor drei Jahren.

          „Die Chancen der CDB sind in den vergangenen Tagen deutlich gestiegen“

          Auch die Commerzbank bestätigte, dass sie ihre Aufsichtsräte für Sonntag zu einer außerordentlichen Sitzung zusammengerufen habe. Der Kurs der Allianz-Aktie stieg daraufhin im Verlauf um 3,9 Prozent auf 113,47 Euro, die der Commerzbank um 2 Prozent um 20,48 Euro. Es gilt gleichwohl als offen, ob die zweitgrößte private Großbank in Deutschland bei der Dresdner Bank zum Zuge kommt. „Die Chancen der CDB sind in den vergangenen Tagen deutlich gestiegen“, ist zu hören. Anders als die Commerzbank seien die Chinesen bereit, den Kaufpreis vollständig in bar zu bezahlen. Zudem liege das Gebot der CDB um mehrere hundert Millionen Euro über dem der deutschen Bank. Allerdings seien die Verhandlungen mit der Commerzbank weiter fortgeschritten, weil sie seit Monaten laufen.

          Von politischer Seite soll dem Vernehmen nach weniger Widerstand als befürchtet gegen einen Verkauf an die CDB geben. Die Arbeitnehmer-Vertreter im Allianz-Aufsichtsrat haben schon am Mittwoch Sympathie für die Chinesen bekundet (F.A.Z. vom 28. August). Gewerkschaftsvertreter warnen, dass bei einem Verkauf an die Commerzbank bis zu 15 000 der zusammen mehr als 60 000 Arbeitsplätze in beiden Banken wegfallen könnten. Wie zu hören ist, liegen der Allianz sowohl von der Commerzbank als auch von der CDB Angebote vor, wobei diese aber noch nicht endgültig fixiert seien. Auch wird erwartet, dass der Allianz-Vorstand um den Vorsitzenden Michael Diekmann erst unmittelbar vor der entscheidenden Sitzung des Aufsichtsrats diesem intern eine Empfehlung geben wird. Dem Aufsichtsrat sitzt Diekmanns Vorgänger an der Allianz-Spitze, Henning Schulte-Noelle, vor, der die Dresdner Bank vor sieben Jahren für mehr als 24 Milliarden Euro gekauft hat.

          In den Verhandlungen zwischen Allianz und Commerzbank stehen dem Vernehmen nach deren Fondsgesellschaft Cominvest und ein Schutz vor weiteren Wertpapierabschreibungen im maroden Kapitalmarktgeschäft der Dresdner Bank im Zentrum. So will sich die Allianz als Teil des Kaufpreises für die Dresdner Bank die Cominvest einverleiben (Siehe auch Commerzbank könnte Cominvest für Dresdner geben). Die Commerzbank wiederum dringt darauf, dass die Allianz mögliche weitere Wertpapierabschreibungen bei der Dresdner Bank auch nach dem Verkauf selbst übernimmt. Um den Umfang dieses sogenannten Risikoschirms und die Bewertung der Cominvest werde intensiv gerungen.

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