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Unterhalt : Wenn Papa nicht zahlt

Ohnehin entlässt der Vorschuss die Expartner nicht aus der Verantwortung, für ihre Kinder zu zahlen, und den Staat nicht aus seiner Pflicht, sich das Geld zurückzuholen. Doch genau da hakt es gewaltig. Von 100 Euro, die der deutsche Staat im vergangenen Jahr vorschoss, bekam er gerade einmal 23 Euro zurück. Diese sogenannte Rückholquote von 23 Prozent bedeutet zwar nicht, dass 77 Prozent der Unterhaltspflichtigen auch an den Staat keinen Cent zahlen. Einige überweisen etwas, aber eben nicht die volle Höhe. Die Quote bedeutet aber sehr wohl, dass der Staat auf 77 Prozent seiner Kosten sitzenbleibt. Konkret: auf 662 Millionen Euro, allein im Jahr 2016. Während der Staat jede Steuerschuld und noch das kleinste Bußgeld gnadenlos eintreibt, lässt er Hunderttausende Unterhaltspflichtige davonkommen. Wie kann das sein?

Die Hälfte der Väter verdient zu wenig für Unterhalt

Dafür gibt es gleich mehrere Gründe. Der wohl wichtigste: Viele Väter haben nach der Trennung ein so geringes Einkommen, dass sie legal nicht mehr zahlen müssen. Finanzwissenschaftler Andreas Peichl von der Universität München hat ausgerechnet, dass nur 52,7 Prozent der geschiedenen Männer mehr als 1134 Euro netto im Monat verdienen. Bis zu diesem Betrag darf ein Erwerbstätiger sein Gehalt meist behalten, um durch eine Unterhaltszahlung nicht selbst bedürftig zu werden. Mit anderen Worten: Von der Hälfte der Unterhaltspflichtigen kann das Amt nichts holen.

Allerdings ist es keineswegs so, dass all diese Männer tatsächlich so arm und bedauernswert sind. Viele von ihnen rechnen sich künstlich arm, dazu bietet ihnen die Rechtslage zahlreiche Möglichkeiten. Von ihrem tatsächlichen Nettogehalt dürfen sie berufsbedingte Ausgaben abziehen, beispielsweise die Autofahrt zur Arbeit. Auch regelmäßige Fortbildungen sind abzugsfähig, Gewerkschaftsbeiträge, Darlehenszinsen, diverse Versicherungen und sogar Teile der privaten Altersvorsorge. Noch leichter haben es Unternehmer und Freiberufler. Zur Berechnung ihres Einkommens wird meist eine Bilanz der letzten drei Jahre herangezogen. Und die lässt sich erheblich beeinflussen. Illegal durch mehr Schwarzarbeit, legal etwa durch großzügige Investitionen in neues Arbeitsgerät oder Gewinnrückstellungen. Im Internet kursieren ganze Ratgeber dazu, und auch Fachanwälte werben offensiv damit: „Wie Sie den Unterhalt kürzen.“ Die Ratschläge sind erstaunlich lebensnah: „Auch die Finanzierung eines neuen Autos kann meist abgezogen werden. Sie sparen nicht nur Unterhalt, Sie haben zudem auch einen neuen Wagen!“

Manchmal kennt keiner die Adresse

Ein zweiter Grund, warum der Staat oft auf seinen Schuldtiteln sitzenbleibt, ist banal: Er kennt die Adressen der Unterhaltspflichtigen nicht. Einige flüchten ins Ausland, andere ziehen innerhalb Deutschlands fleißig um und „vergessen“ dann, sich in der neuen Stadt anzumelden. Jugendamtsmitarbeiter schätzen, dass jeder achte Zahlungsverweigerer versucht, sich so aus der Affäre zu ziehen.

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Manchmal verhindert auch die Mutter, dass der Unterhaltspflichtige ausfindig gemacht wird. Sie kennt dann seine Adresse nicht oder weiß angeblich nicht mal, wer der Vater ist. Das kann von Vorteil sein, wenn nicht herauskommen darf, dass der verheiratete Chef der Erzeuger ist, oder wenn sich die Geliebte mit dem Vater heimlich auf Bargeldzahlungen geeinigt hat. Dann kommt der staatliche Unterhalt obendrauf. Gegenüber den Ämtern behauptet die Mutter dann beispielsweise, sie hätte den Vater in einer Disco kennengelernt und sei nur kurz mit ihm auf der Toilette verschwunden. Ein dunkelhaariger, muskulöser Typ, an mehr könne sie sich leider nicht erinnern. „Disco-Klo-Kinder“ sagen manche Sachbearbeiter zu diesen Lügen.

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