https://www.faz.net/-gqe-9zd9a

Weniger Patienten : Zehn Prozent der angestellten Ärzte in Kurzarbeit

Ärzte gehen über einen Flur der neu eröffneten Intensivstation des Vivantes Humboldt-Klinikum im Stadtteil Reinickendorf. Bild: dpa

In einer Umfrage der Gewerkschaft Marburger Bund sprechen sich zwei Drittel der Mediziner dafür aus, möglichst bald zur Regelversorgung zurückzukehren.

          2 Min.

          In fast 10 Prozent der deutschen medizinischen Einrichtungen herrscht in der Corona-Krise Kurzarbeit. In 17 Prozent dieser Fälle wurde die Arbeitszeit um 100 Prozent reduziert („Kurzarbeit null“), in 64 Prozent um bis zu 50 Prozent. Das geht aus einer Befragung der Ärztegewerkschaft Marburger Bund unter 8700 Mitgliedern hervor, die am Mittwoch vorgestellt werden soll. Bisher gab es kaum Zahlen zum Umfang der medizinischen Kurzarbeit, zumal sich diese Hilfe und die Unterstützung aus dem Corona-Rettungsschirm von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) eigentlich ausschließen.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          Der Marburger Bund teilte mit, vor allem in Rehakliniken und ambulanten Einrichtungen sei Kurzarbeit eingeführt worden. Die ermittelte Zahl sei eine „relevante Größe“, wobei drei Viertel der Befragten in ihren Betrieben keinen Grund für Kurzarbeit sahen. Jene, die Verständnis äußerten, führten als Hauptgründe für die Kurzarbeit eine deutliche Abnahme des Arbeitsaufkommens, eine geringere Patientenzahl sowie die Absage von Operationen an. Nur selten sei Druck ausgeübt worden, die Vereinbarung zur Kurzarbeit zu unterzeichnen.

          Eindeutiges Ergebnis

          Die Mehrheit der befragten Ärzte arbeitet in Krankenhäusern. 4 Prozent sind in Rehakliniken angestellt, 9 Prozent in ambulanten Einrichtungen. Fast 70 Prozent der Umfrageteilnehmer sprachen sich dafür aus, trotz der mit dem Corona-Virus verbundenen Ansteckungsgefahr zum normalen Betrieb in den Kliniken und Praxen zurückzukehren. Nur 16 Prozent waren dagegen, der Rest zeigte sich unentschlossen.

          Die erste Vorsitzende des Marburger Bunds, Susanne Johna, bezeichnete das Ergebnis als eindeutig: „Mehr als zwei Drittel der angestellten Ärztinnen und Ärzte möchten, dass jetzt wieder mit der Regelversorgung begonnen wird.“ Viele hätten ihren Patienten vor zwei Monaten erklärt, dass die geplanten Operationen wegen der Corona-Krise verschoben werden müssten. „Jetzt möchten sie ihren Patienten sagen können, dass es bald einen neuen Termin gibt.“

          Den Ärzten sei bewusst, dass es unter den Patienten „einen wachsenden Leidensdruck gibt“, auch wenn die so genannten elektiven Eingriffe, die verschoben wurden, sehr genau ausgewählt worden seien. „Ich kann gut verstehen, wenn jetzt viele der Kolleginnen und Kollegen sagen: Wir müssen wieder hochfahren. Das sollte allerdings mit der notwendigen Umsicht geschehen“, mahnte Johna.

          Warten zu lange

          „Es gibt nicht wenige unter unseren Mitgliedern, die eine größere zweite Welle befürchten, die mehr Kapazitäten bindet, als dass in den vergangenen Wochen der Fall war.“ Deswegen müssten weiterhin - wenn auch im reduzierten Umfang - Kapazitäten freigehalten werden, insbesondere intensivmedizinische.

          Äußerst wichtig sei auch, Patienten darüber aufzuklären, dass sie bei relevanten Symptomen ohne Sorge vor Infektionen ins Krankenhaus kommen könnten. Leider warteten einige Patienten aus Angst vor einer Infektion mit dem Coronavirus sogar bei offenkundigen Beschwerden viel zu lang, bis sie sich an einen Arzt wendeten, sagte Johna: „Bei schweren oder sogar lebensbedrohlichen Erkrankungen wie Herzinfarkten oder Schlaganfällen kann das fatale Auswirkungen haben.“

          Weitere Themen

          Der britische Bann

          FAZ Plus Artikel: Entscheidung gegen Huawei : Der britische Bann

          Der Rauswurf des chinesischen Huawei-Konzerns markiert eine politische Wende: Die einst gefeierte Wirtschaftsbeziehung zur Volksrepublik liegt in Trümmern, Investoren werden nicht mehr hofiert – und es kann noch schlimmer kommen.

          Topmeldungen

          Börsengang in Zeiten von Corona: Brockhaus Capital Management debütiert auf dem Parkett.

          Finanzinvestoren : Private Equity für alle

          Finanzinvestoren agieren im Verborgenen. Einige von ihnen sind aber an der Börse notiert – wie jetzt auch Brockhaus. Und es gibt sogar einen dritten Weg.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.