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Neue Statistik : Weniger Deutsche sind von Armut betroffen

Ein Mitarbeiter in einem Kaufhaus für bedürftige Bürger in Dresden. Bild: dpa

Die robuste Wirtschaftsentwicklung in Deutschland kommt in der Breite an. Das zeigen gleich mehrere Kennzahlen.

          2 Min.

          Die Zahl der Menschen in Deutschland, die in absolut ärmlichen Verhältnissen leben, ist auf einen Tiefstand gesunken. Insgesamt 3,1 Prozent der Bevölkerung mussten im vergangenen Jahr mit starken materiellen Einschränkungen ihrer Lebensverhältnisse umgehen, wie eine an diesem Mittwoch veröffentlichte Auswertung des Statistischen Bundesamts zeigt.

          Dietrich Creutzburg

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Das sind 0,3 Prozentpunkte weniger als im Jahr 2017. Zugleich ist es der niedrigste Stand seit Beginn dieser Statistik im Jahr 2005. Den bisher höchsten Stand hatte die Quote im Jahr 2008 mit 5,5 Prozent erreicht.

          Die Erhebung, die auf Daten es amtlichen Mikrozensus basiert, misst die sogenannte erhebliche materielle Deprivation. Dabei werden insgesamt neun mögliche Armutsmerkmale abgefragt – beispielsweise ob sich ein Haushalt weniger als einmal im Jahr eine Woche Urlaub leisten kann, ob er mit der Miete in Rückstand ist oder ob er vielleicht aus finanziellen Gründen keine Waschmaschine hat. Treffen mindestens vier solche Merkmale zu, dann gilt ein Haushalt in diesem Sinne als arm.

          Weniger Minijobber

          Der Anteil der betroffenen Senioren lag mit 2,4 Prozent auch im vergangenen Jahr deutlich unter dem Durchschnitt der Gesamtbevölkerung. Allerdings ist dieser Wert zuletzt nicht mehr gesunken.

          Die Erhebung ist einer von mehreren Bausteinen der europäischen Armutsstatistik und unterscheidet sich von der hierzulande politisch stärker beachteten Quote der sogenannten relativen Armutsgefährdung. Diese misst den Anteil der Haushalte, deren Einkommen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens (Medians) in der Gesellschaft beträgt.

          Da sich im Zeitablauf das allgemeine Einkommensniveau erhöht, geht diese Kennziffer auch in wirtschaftlich günstigen Zeiten nicht automatisch zurück. Allerdings ist auch sie im Jahr 2018 gegenüber dem Vorjahr leicht gesunken, und zwar von 16,1 auf 16 Prozent, wie die Mitteilung des Statistischen Bundesamts weiter zeigt. Die Werte weichen geringfügig von jenen ab, die die Behörde schon im August veröffentlicht hat, da es leichte technische Unterschiede zwischen der nationalen und der EU-Statistik gibt.

          Dritter Baustein der europäischen Armutsmessung ist der Anteil der Personen unter 60 Jahren, die in Haushalten mit sehr geringer Erwerbsbeteiligung lebe – in denen entweder alle Erwachsenen arbeitslos sind oder allenfalls kleine Zuverdienste etwa durch Minijobs haben. Der Anteil der hiervon Betroffenen ist 2018 von 8,7 auf 8,1 Prozent gesunken.

          Auf insgesamt 18,7 Prozent der Bevölkerung, rund 15,3 Millionen Personen, traf im vergangenen Jahr mindestens eine der drei Armutsdefinitionen zu. Dies ist ein Rückgang um 0,3 Prozentpunkte oder 200.000 Personen.

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