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Wirtschaftsforum : Davos bleibt Männersache

Ein Besucher kommt im Lufttaxi Bild: dpa

Haben Frauen in den vergangenen Jahren in der Wirtschaft mächtige Führungsposten erreicht? Ein Blick auf die Geschlechterverteilung in Davos ist ernüchternd.

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          Die Schmach des vergangenen Jahres ist nicht vergessen: Zum Weltwirtschaftsforum in Davos waren 2014 trotz aller Bemühungen der Veranstalter, an dieser Situation etwas zu verändern, sogar weniger Frauen angereist als im Jahr zuvor. Rund 16 Prozent Frauenanteil kamen zusammen. In diesem Jahr ist es wieder ein Prozentpunkt mehr. Aber Erfolge sehen anders aus, vor allem, wenn man bedenkt, wie sehr in den vergangenen Jahren über die Notwendigkeit diskutiert worden ist, endlich mehr Frauen in Führungspositionen zu berufen. Anders ausgedrückt: Die Quote von 17 Prozent entspricht exakt dem Wert aus dem Jahr 2011.

          Carsten Knop
          Herausgeber.

          Wenn Davos ein Beleg dafür ist, dann ist die Welt der Wirtschaft, Politik und Wissenschaft mit der Förderung von Frauen in den vergangenen Jahren nicht nennenswert vorangekommen. Ein Blick auf die Besetzung deutscher Vorstände beweist jedenfalls nicht das Gegenteil. Zwar saßen in den Vorständen der 30 Dax-Konzerne Ende 2014 mehr Frauen als im Vorjahr. In 160 börsennotierten deutschen Unternehmen sank die Zahl dagegen um 4 auf 37. Das gilt für die Unternehmen in den Börsensegmenten Dax, M-Dax, S-Dax und Tec-Dax. Dem stehen aktuell 626 männliche Vorstandsmitglieder gegenüber. In den 30 Dax-Unternehmen stieg die Zahl der Frauen in den Vorständen von 11 auf 14, was aber auch nur einem Anteil von 7 Prozent entspricht.

          Das größte weibliche Kontingent unter den Teilnehmen stellen dort China, Osteuropa und Nordamerika. Hier machen die Frauen jeweils mehr als 20 Prozent der Delegierten aus. Dass überhaupt eine Gesamtquote von einem knappen Fünftel erreicht wird, liegt vor allem an den Vertreterinnen aus der Wissenschaft und Medien mit einem Frauenanteil von rund einem Viertel. Besonders schlecht sieht es zum Beispiel unter den Private-Equity-Investoren und in der Energiebranche aus. Dort sind weniger als 10 Prozent der Delegierten Frauen.

          So werden die bekanntesten unter den wenigen Frauen abermals im Rampenlicht stehen: Facebook-Vorstandsmitglied Sheryl Sandberg zum Beispiel oder die Yahoo-Vorstandsvorsitzende Marissa Mayer, die zu den Stammgästen in Davos zählen – und dabei ganz offensichtlich wenige Nachahmerinnen gefunden haben. In diesem Jahr sind Winnie Byanyima, Geschäftsführerin von Oxfam International, und Katherine Garrett-Cox, die Vorstandsvorsitzende des britischen Finanzdienstleisters Alliance Trust, Kovorsitzende der Tagung – und auch sie fallen in Bedeutung und Bekanntheit schon deutlich hinter den ewigen Frauen-Prominenten zurück. Selbst die neue Vorstandsvorsitzende des Autokonzerns General Motors, Mary Barra, wird sich in Davos erst noch bekannt machen müssen.

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