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Wem vertrauen die Menschen? : Der Mittelstand ist Vertrauensweltmeister

Im großen Saal des Konferenzzentrums versammeln sich in den kommenden Tagen mehr als 2500 Teilnehmer, darunter einflussreiche Top-Manager, Banker und Entscheidungsträger. Bild: Bloomberg

Großunternehmer und Politiker genießen nur noch geringes Vertrauen von Seiten der Menschen. Familiengeführte Mittelständler sind die Vertrauensweltmeister. Ganz schlecht hingegen stehen die Banker da.

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          Die Menschen suchen Orientierung, aber Politiker oder Vorstandsvorsitzende geben sie ihnen nicht. Vertrauen wird viel eher dem Durchschnittsbürger oder auch technisch versierten Fachleuten entgegengebracht, nicht aber offiziellen Vertretern einer Regierung oder eines Unternehmens. Besonders düster sieht dabei die Lage für die Banker aus, die es nicht schaffen, sich ein wieder höheres Ansehen in der öffentlichen Meinung zu verschaffen.

          Der Ruf der Banken ist trotz aller Beteuerungen, einen Kulturwandel anstreben zu wollen, so schlecht wie nie zuvor. Allerdings sollten sich die Chefs anderer Großunternehmen darüber nicht zu sehr freuen. Auch von ihnen wollen die Menschen nur noch wenig wissen. Vertretern von Nichtregierungsorganisationen oder auch einem normalen Angestellten eines Unternehmens wird sehr viel eher vertraut.

          Mehr Vertrauen in Politik als in Unternehmen

          Das geht ans den Ergebnissen von zwei Studien hervor, die unmittelbar vor Beginn des Weltwirtschaftsforums in Davos vorgelegt worden sind – und den Managern in den Bergen mehr zu denken geben sollten, als dies mit vergleichbaren Publikationen in der Vergangenheit gelungen ist. So zeigt das „Trust Barometer“ des auf PR-Beratung spezialisierten Unternehmens Edelman, dass das Vertrauen in Unternehmen auf der ganzen Welt nach einer kurzen Erholung im Vorjahr 2013 abermals abgenommen hat – und auch die Politik in dieser Hinsicht nicht vorangekommen ist.

          Gleichwohl wird der Politik immer noch sehr viel mehr vertraut als den Unternehmen, der Abstand zwischen beiden Polen war noch nie so groß wie bisher. Dass sich der Ruf der Unternehmen in Deutschland ein wenig verbessert hat, liegt allein daran, dass die Menschen Familienunternehmen, die über den Mittelstand das Rückgrat der deutschen Wirtschaft ausmachen, signifikant mehr Vertrauen entgegenbringen – Aktiengesellschaften und ihren nicht persönlich haftenden, dafür aber oft exorbitant gut bezahlten Vorständen hingegen nicht. „Der deutsche Mittelstand ist ganz klar der Vertrauensweltmeister“, heißt es dazu bei Edelman.

          Bild: F.A.Z.

          Die Botschaft sei ganz klar: „Die Dax-Konzerne sollten viel stärker auf den Mittelstand schauen.“ Der CEO, ein Kürzel, das im Englischen für „Chief Executive Officer“ steht und in der Rolle mit einem deutschen Vorstandsvorsitzenden vergleichbar ist, müsse seine Rolle ganz anders verstehen und zu einem „Chief Engagement Officer“ werden und sich viel mehr und aktiver um die Wünsche der breiten Öffentlichkeit und der Kunden gleichermaßen kümmern.

          Diese Erkenntnisse leitet Edelman aus einer breiten Datenbasis ab, sie basieren auf Online-Interviews mit einer Dauer von 20 Minuten, die im Oktober und November vergangenen Jahres stattfanden. Dazu wurden 27.000 Menschen aus der breiten Bevölkerung in 27 Ländern befragt. Hinzu kamen zum Vergleich 6.000 Befragungen von Menschen im Alter zwischen 25 und 64 Jahren aus eher informierteren Zielgruppen. Die Umfrage legt Edelman in diesem Jahr schon zum 14. Mal vor.

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