https://www.faz.net/-gqe-9iy5p

Weltwirtschaftsforum : Die breiten Massen bleiben zurück

Immer mehr Menschen glauben damit, dass das gesellschaftliche System für sie nicht funktioniert. „Wenn wir es nicht schaffen, die Menschen von einer positiven Zukunft zu überzeugen, dann haben wir ein großes soziales und demokratisches Problem“, sagt Primosch.

Angst vor Technik

Dieser Pessimismus ist kein deutsches Phänomen, in anderen Ländern sind die Werte ähnlich niedrig. Eine große Rolle spielt dabei die Sorge vor Arbeitslosigkeit. Als Gründe dafür wurden oft Befürchtungen genannt, in Zukunft nicht mehr über die benötigten Fähigkeiten zu verfügen (59 Prozent) oder durch Automation und Innovation ersetzt zu werden (55 Prozent). Das Tempo des technischen Fortschritts beschäftigt viele: Mehr als die Hälfte der Befragten ist der Meinung, dass diese Veränderungen zu schnell voranschreiten. Nur jeder Fünfte findet, dass es noch schneller gehen müsse.

Die Folgen der Digitalen Revolution spielen auch in Davos eine große Rolle. Entgegen früherer Prognosen – auch des Weltwirtschaftsforums – kam es bislang durch Digitalisierung und Automatisierung jedoch noch nicht zu Massenarbeitslosigkeit und Verwerfungen an den Arbeitsmärkten. Länder mit sehr hoher Dichte von Industrierobotern (Japan, Deutschland, Vereinigte Staaten) weisen sogar die niedrigsten Arbeitslosenquoten unter den klassischen Industrieländern auf.

Dennoch gehen viele Beobachter davon aus, dass sich die Anforderungen am Arbeitsmarkt aufgrund von Innovationssprüngen etwa durch Künstliche Intelligenz erheblich verändern werden. „Zwei Drittel der Schüler werden in Jobs arbeiten, die heute noch gar nicht erfunden sind“, sagt etwa Charles-Édouard Bouée voraus, der Vorstandsvorsitzende der Beratungsgesellschaft Roland Berger. „Digitalisierung wird neue Jobs schaffen, aber wir müssen heute die Voraussetzung dafür schaffen, dass sie bei uns entstehen.“

Regeln für die Digitalisierung

Außerdem spielt in Davos die Frage nach Regeln und Normen für die Digitalisierung eine große Rolle. Die Datenskandale um Facebook und Wahlmanipulationen hatten im vergangenen Jahr laut Edelman-Barometer das Vertrauen in Soziale Medien drastisch untergraben. Die Facebook-Managerin Sheryl Sandberg kündigte gerade an, der Konzern werde künftig seine Bemühungen und Ausgaben deutlich erhöhen, um etwa politische Manipulationen zu verhindern.

Für Roland-Berger-Chef Bouée liegt hier für die Politik sogar eine große Möglichkeit, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen: „Wenn wir den Zugang zu Künstlicher Intelligenz regulieren und demokratisieren, geben wir den Menschen die Kontrolle über ihre Daten zurück. Das schafft neues Vertrauen, von dem alle profitieren: Individuen, Industrien und Institutionen.“

Auch wenn die Chefs aus dem Silicon Valley öffentlich gerne betonen, dass sie die Botschaften verstanden haben und aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt haben – sie werden auf diesem Weg noch viel Überzeugungsarbeit leisten müssen. Denn wie im Vorjahr fallen sie im Vergleich mit klassischen Medien deutlich zurück. Während Zeitungen, Radio und Fernsehen und die dazugehörigen Internetmarken immerhin das Vertrauen von 68 Prozent der Befragten genießen, kommen Facebook & Co. auf weniger als die Hälfte (32 Prozent).

Weitere Themen

Als die Grenze fiel Video-Seite öffnen

August 1989 : Als die Grenze fiel

Die Welt hat lange stillgestanden an der ungarisch-österreichischen Grenze. Bis zum 19. August 1989. Dann, vor 30 Jahren, platzte zwischen Fertörákos und Mörbisch eine Nahtstelle des Eisernen Vorhangs – mit weitreichenden Folgen für die Region und ganz Europa.

85 Prozent der jungen Leute sparen regelmäßig

Laut Studie : 85 Prozent der jungen Leute sparen regelmäßig

Laut einer Umfrage haben 14- bis 25-Jährige nicht nur erstaunlich viel Geld zur Verfügung, auch sparen sie einen großen Teil davon: 141 Euro monatlich. Über ihre Finanzen reden sie jedoch nicht gerne, zeigt eine andere Umfrage.

Topmeldungen

Gletscher Okjökull : Das Eis verlässt Island

Die Gletscherschmelze ist ein eindrückliches Merkmal der Klimaerwärmung: Der einstige Gletscher Okjökull auf Island ist heute keiner mehr. Die isländische Ministerpräsidentin appelliert an die Weltgemeinschaft.
Finanzminister Olaf Scholz hat sich gegen das von Wirtschaftsminister Peter Altmaier vorgelegte Konzept zur vollständigen Abschaffung des Solis ausgesprochen.

Finanzminister : Scholz gegen komplette Soli-Abschaffung

Finanzminister Olaf Scholz kritisiert das von Wirtschaftsminister Altmaier vorgelegte Konzept zur vollständigen Soli-Abschaffung als „Steuersenkung für Millionäre“. Der SPD-Politiker möchte vorerst nur 90 Prozent der Steuerzahler entlasten.
Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden, warnt die Parteien davor, eine Koalition mit der AfD einzugehen.

Zentralrat der Juden : „AfD schürt Klima auch gegen Juden“

Zentralratspräsident Josef Schuster warnt: Die AfD sei enger mit dem Rechtsextremismus verwoben, als sie es nach außen darstellt. Im Vorfeld der Wahlen in Sachsen und Brandenburg hält Schuster einen dringlichen Appell an alle Parteien.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.