https://www.faz.net/-gqe-9j0e8

Davos : Im Privatjet zur Klimarettung

Privatjets von Teilnehmern des Weltwirtschaftsforums in Davos parken auf einem Flugplatz in der Nähe von Zürich. Bild: dpa

Der Klimaschutz soll im Zentrum des Weltwirtschaftsforums stehen. Doch die Teilnehmer reisen mit so vielen Privatjets an wie noch nie. Eine junge Klimaaktivistin macht es anders – und braucht für ihre Reise mehrere Tage.

          Wenige Tage vor dem Start des Weltwirtschaftsforums (WEF), das noch bis Freitag in dem Schweizer Bergort Davos stattfindet, sorgte die Stiftung mit ihrem diesjährigen Risikobericht für Aufregung. Darin zeichnet das WEF ein verheerendes Bild vom Zustand des Planeten. Als das mit Abstand größte Risiko nennt der jährlich erscheinende Bericht den Klimawandel: Erstmals werden verschiedene Umweltprobleme als die drei drängendsten Herausforderungen aufgeführt.

          Jessica von Blazekovic

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Umweltverbände wie etwa Greenpeace forderten denn auch, dass die Zusammenkunft in der Schweiz das Thema Klimaschutz in den Mittelpunkt rückt. In dieselbe Kerbe schlug der britische Naturfilmer Sir David Attenborough. In einem öffentlichen Gespräch mit dem britischen Thronfolger Prinz William in Davos forderte der 93-Jährige die Teilnehmer des WEF zum Einsatz gegen den Klimawandel auf:  „Wir haben die Macht, wir haben das Wissen, um in Harmonie mit der Natur zu leben.“ Nicht zuletzt drohe dem Wirtschaftswachstum ein jähes Ende, wenn sich nicht bald etwas ändere.

          Ein Blick auf die Flugplätze rund um Davos zeigt jedoch, wie schwer sich Unternehmenslenker und Politiker dabei tun, diesen Aufruf umzusetzen. In einem Jahr, in dem das WEF den Klimawandel zum zentralen Diskussionspunkt ausgerufen hat, rechnet Air Charter Service (ACS), ein Dienstleister für nationale und internationale Charterflüge, mit einer Rekordzahl von 1500 Privatjets, die einen der vier Hauptflugplätze in Zürich, Dübendorf, St. Gallen-Altenrhein und St. Moritz ansteuern werden.

          65 Stunden unterwegs

          Fliegen ist die klimaschädlichste Art, sich fortzubewegen. So fallen beispielsweise für einen Flug in einem Charterflieger von Berlin nach Zürich und zurück rund 500 Kilogramm CO2 an – etwa genauso viel, wie bei 3000 mit dem Auto zurückgelegten Kilometern.

          Seit dem Jahr 2013 analysiert der ACS die Flugbewegungen von Privatjets rund um das WEF. Wie Andy Christie, Chef der Privatjet-Sparte, berichtet, war das Konferenzjahr 2018 das bislang flugverkehrreichste, mit einem Plus von 11 Prozent gegenüber dem Vorjahr. „Setzt sich der Trend fort, könnten wir dieses Jahr eine Bewegung von bis zu 1500 Privatjets über die sechs Tage sehen“, so Christie weiter.  

          Die meisten Auftraggeber stammen dem ACS zufolge aus Deutschland, gefolgt von Frankreich, Großbritannien, Amerika, Russland und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Auch sei ein Trend zu beobachten hin zu größeren Flugzeugen: Teure, schwere Maschinen seien demnach das Flugmittel der Wahl. „Das liegt zum einen an den teils weiten zurückgelegten Strecken“, sagt Christie. „Aber möglicherweise auch an der Konkurrenz zwischen Geschäftsleuten, die sich gegenseitig überbieten wollen.“

          Ganz anders macht es die junge schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg. Sie hat den langen Weg nach Davos mit der Bahn in Angriff genommen – und wird inklusive Rückfahrt rund 65 Stunden unterwegs sein. Am frühen Dienstagmorgen trat die 16-Jährige in Schweden ihre Reise in die Schweiz an.

          „Morgenzug zum Weltwirtschaftsforum in Davos“, schrieb sie zu einem Bild auf Twitter, das sie mit ihrem Markenzeichen, einem Demonstrationsschild mit der Aufschrift „Skolstrejk for klimatet“ (Schulstreik fürs Klima), am Bahnsteig zeigt. 

          Thunberg nimmt nach eigenen Angaben von Mittwoch bis Freitag an der Konferenz in Davos teil. Weil Flugreisen viel CO2 ausstießen und damit klimaschädlich seien, habe sie sich für die Anreise per Zug entschieden. Auch ihre Eltern habe sie schon vom Fliegen abgebracht, erzählte sie vorab in einem Interview. Die Klimaaktivistin weiß indes die Zeit in der Bahn gut zu nutzen, zum Beispiel zum Schreiben ihrer Reden. 

          Die Schülerin ist ein Star in den Sozialen Medien, rund 133.000 Menschen folgen ihr auf Instagram. Jeden Freitag schwänzt sie die Schule, um vor dem Reichstag in Stockholm für den Klimaschutz zu demonstrieren. Die Aktion fand bereits Nachahmer in aller Welt.

          Thunberg fordert, dass mehr gehandelt und weniger bloß über den Klimawandel geredet wird. Auf der UN-Klimakonferenz im polnischen Kattowitz hatte sie im Dezember eine bewegende Rede gehalten: „Wir müssen verstehen, was für ein Chaos die älteren Generationen angerichtet haben, das wir nun aufräumen und mit dem wir leben müssen.“

          Weitere Themen

          Was ging schief in Venezuela? Video-Seite öffnen

          Wirtschaft am Abgrund : Was ging schief in Venezuela?

          Den Menschen in Venezuela fehlt es an allem. Die Versorgung mit Lebensmitteln oder Medikamenten ist katastrophal, ständig fällt der Strom aus und aktuell wird das Benzin knapp - in einem der erdölreichsten Länder der Welt. MADE sucht nach Ursachen.

          Topmeldungen

          Sonderermittler Robert Mueller spricht im Justizministerium in Washington zur Russland-Affäre von Präsident Donald Trump.

          Anhörung von Robert Mueller : Der unfreiwillige Zeuge

          Ende März präsentierte Sonderermittler Robert Mueller seinen Bericht zur möglichen Wahlkampf-Affäre Trumps aus dem Jahr 2016. Jetzt muss er dazu im Kongress aussagen. Donald Trump spielt den Termin herunter, als sei es eine reine Formalität.
           Unsere Sprinter-Autorin: Julia Anton

          F.A.Z.-Sprinter : Eine Olive wird Premierminister

          Boris Johnson wird zum Nachfolger von Theresa May ernannt, Sonderermittler Robert Mueller muss sich im amerikanischen Kongress erklären und Trump findet nur eines davon interessant. Was sonst noch wichtig wird, steht im F.A.Z.-Sprinter.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.