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Weltwirtschaftsforum 2017 : Im Club der Weltveränderer

Auf den Gipfeln um Davos liegt ein Meter Schnee. Zeit fürs Skifahren bleibt den Top-Managern nicht: Die Pisten sind in der Woche des Weltwirtschaftsforums traditionell so leer wie nie. Bild: Reuters

Diesen Montag reisen die Großen und Wichtigen aus Politik und Wirtschaft nach Davos. Was sind das für Leute, die so viel Macht haben und wie rekrutieren sie ihren Nachwuchs?

          Daniel Klier hat es nach weit oben geschafft, genauer gesagt bis in die 42. Etage in einem gläsernen Bankenturm mit Blick über die Londoner City. Hier residiert der Vorstand der Großbank HSBC und er, ein Münchner Bub, 35 Jahre jung, wirbelt mittendrin. „Group Head of Strategy“ darf er sich nennen, Strategiechef einer der wichtigsten Banken der Welt (an der Börse sechsmal so wertvoll wie die Deutsche Bank), das klingt nicht schlecht. „Ich bin vermutlich etwas jung für den Posten“, kokettiert er.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Bettina Weiguny

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ein Zufall ist das alles nicht. Der junge Mann, Sohn einer Sekretärin der Universitätsverwaltung, meint es ernst mit der Karriere: Wirtschaftsstudium in St. Gallen und an der London School of Economics, Promotion in New York, Aufstieg als Unternehmensberater bei McKinsey bis zum Partner. Dann, vor drei Jahren, der Schritt nach London, zu HSBC. Klier war zu dem Zeitpunkt gerade 32. Seither arbeitet er direkt für den Vorstand des angloasiatischen Konzerns, pendelt zwischen London und Hongkong.

          Keine Frage: Daniel Klier darf sich als Teil der globalen Wirtschaftselite fühlen. Seit kurzem hat er das mit Brief und Siegel: Klier ist ein „Young Global Leader“, Mitglied im Club der hochbegabten Gestalter und Weltveränderer von morgen.

          Das Ticket dazu stellt das Weltwirtschaftsforum (WEF) aus. Jedes Jahr wählt das WEF 100 Turbo-Talente aus, alle unter 40 Jahren, aus aller Herren Länder. Auffällig häufig beweisen die Talent-Scouts dabei eine glückliche Hand. Die Alumni-Reihe zeugt von unverhältnismäßig vielen prominenten Karrieren, womöglich beschleunigt durch die Zugehörigkeit zu diesem elitären Club. Kontakte haben noch nie geschadet.

          „Ich bin vermutlich etwas jung für den Posten“: Daniel Klier, 35, HSBC-Chefstratege.

          Zum jüngsten Jahrgang der Young Global Leader (YGL) gehören neben dem Münchner Bank-Strategen Klier noch zwei weitere Deutsche: die Startup-Unternehmerin Verena Pausder, 37, die in Berlin Spiele-Apps für Kinder entwickelt, sowie Finanzstaatssekretär Jens Spahn (CDU), 36, von seinem Dienstherrn Wolfgang Schäuble gerade zum kommenden Reservekanzler geadelt.

          Für fünf Jahre haben die YGL-Frischlinge Zutritt zum Gipfel der Wichtigen und Mächtigen, die jetzt wieder in den Schnee fahren nach Davos, in die höchstgelegene Stadt der Alpen. Am Montag startet dort das „World Economic Forum“, mittlerweile in der 47. Auflage.

          Mehr politische und ökonomische Potenz ballt sich nirgendwo sonst auf der Welt: An die 40 Staats- und Regierungschefs haben sich angesagt, etliche Nobelpreisträger und noch viel mehr Milliardäre; Gäste aus Ländern wie Indien oder Indonesien reisen gerne samt Familie an.

          Mehr als 1000 Konzernchefs werden vermummt durch die Straßen marschieren (es soll kalt werden die nächsten Tage), sie lauschen Gott wohlgefälligen Vorträgen im Kongresszentrum, pflegen vor allem ihr Netzwerk, indem sie sich verabreden zum Manager-Speeddating in den diversen Hotels und Cafés. Sogar Läden oder Kunstgalerien entlang der Promenade, der schmalen Einkaufsstraße, räumen ihre Flächen zugunsten von Firmen, um mit der dafür gezahlten Miete binnen fünf Tagen den Reibach des Jahres zu machen.

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