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Weltwirtschaftsforum 2017 : Wie Herr Xi für die Globalisierung kämpft

Xi Jinping ist der erste chinesische Staatschef, der auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos spricht. Bild: AFP

Ein erstaunlicher Kontrast: Während Donald Trump gegen Freihandel redet, wirbt ausgerechnet Chinas Staatschef dafür. Für beide Länder geht es um sehr viel - wirtschaftlich und politisch. Eine Analyse.

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          Den Namen Donald Trump nennt er nicht. Chinas über die vergangenen Jahrzehnte gestiegener Wohlstand sei ein Segen für das Land und für die Welt insgesamt, sagt Xi Jinping, Vorsitzender der mächtigen Kommunistischen Partei und Staatschef der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. Er ist der erste chinesische Präsident, der auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos auftritt. Mit viel Spannung ist seine „Key Note“ erwartet worden, kündigte der oberste Sprecher der chinesischen Führung doch schon in der vergangenen Woche an, dass Xi die Vorteile der Globalisierung und des Welthandels herausstellen werde.

          Alexander Armbruster
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Er macht genau das. Die wirtschaftlichen und politischen Anführer der Welt ruft er dazu auf, sich zu einer offenen Weltwirtschaft zu bekennen, zu Kooperation, die „Win-Win“-Lösungen ermöglicht - also Vereinbarungen, die für alle Seiten vorteilhaft sind. Und dazu, sich gegen Abschottung und Protektionismus zu stemmen. „Protektionismus bedeutet, sich in einen dunklen Raum einzuschließen. Sturm und Regen kommen nicht hinein - Sonnenlicht und Luft aber auch nicht.“

          „Wie in einem dunklen Raum“

          Es sind Sätze, die im Publikum auf dem Weltwirtschaftsforum gut ankommen. Sie erleichtern dort, wo Einvernehmen darüber herrscht, dass die Globalisierung in den vergangenen Jahrzehnten unter dem Strich viel neuen Wohlstand geschaffen hat auf dem Globus. Insgesamt ist diese Feststellung auch nicht wirklich zu bestreiten.

          Xis Rede hat gerade im aktuellen Umfeld eine besondere Bedeutung. Denn in vielen Industrieländern ist die Globalisierungsskepsis gewachsen, haben sich Parteien etabliert, die dafür Werben, die wirtschaftliche Integration zurückzudrehen, die für Abschotten sind. Sehr kritisch spricht auch der designierte amerikanische Präsident Donald Trump darüber. Er drohte schon im Wahlkampf neue Zölle und Steuern an.

          Seit seinem Wahlsieg kritisiert er Unternehmer dafür, nicht in Amerika zu produzieren und wettert über angeblich „schlechten“ Handel für die Vereinigten Staaten. Ein erstaunlicher Kontrast ist das: Der Anführer der größten und traditionell Freihandel propagierenden Volkswirtschaft der Welt geriert sich als Globalisierungskritiker, derjenige der zweitgrößten Wirtschaftsnation als -befürworter.

          Wirtschaftlich eng verflochten

          Gerade das Verhältnis dieser beiden Männer und Länder ist momentan von außerordentlichem Interesse. Die Vereinigen Staaten und China sind wirtschaftlich eng verflochten. China ist ein großer Gläubiger und liefert unzählige (Vor-)Produkte für amerikanische Unternehmen, wie es überhaupt tief in die internationalen Wertschöpfungsketten verwoben ist. Washington und Peking sind wirtschaftlich faktisch voneinander abhängig, können sich gegenseitig deswegen theoretisch großen Schaden zufügen. Das Personal, das Trump für die Handelspolitik vorgesehen hat und seine eigenen Äußerungen lassen Befürchtungen eines Handelskrieges Raum.

          Etwas anders kommt hinzu: Seitdem der frühere amerikanische Präsident Richard Nixon nach China reiste, gehört im Grunde zur außenpolitischen Haltung Amerikas, dass ein friedliches und prosperierendes China im Interesse Washingtons ist. Während des Kalten Krieges auch, um die damalige Sowjetunion einzuhegen, danach vor allem aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten.

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