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Künstliche Intelligenz : „Es geht um die Symbiose von Mensch und Computer“

Die IBM-Vorstandsvorsitzende Ginni Rometty präsentierte in Davos die neuen ethischen Grundsätze des Konzerns. Bild: EPA

Künstliche Intelligenz ist eines der großen Themen dieser Zeit. Auf dem Weltwirtschaftsforum geht es ebenfalls darum. Nicht nur die IBM-Chefin erklärt, worum es geht.

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          Der Kommunikationschef von Google macht noch einen Versuch, denn zuvor wollte das Thema noch nicht so recht zünden: „Wollen wir nicht doch einmal über künstliche Intelligenz reden?“ Das Essen, zu dem der Internetkonzern am Rande des Weltwirtschaftsforum in Davos einige Journalisten eingeladen hat, ist zwar „off the record“; es darf also nichts darüber geschrieben werden. Aber an dem Thema künstliche Intelligenz (KI) führt für Technikkonzerne in diesem Jahr kein Weg vorbei.

          Carsten Knop
          Herausgeber.

          Auch mit dem Microsoft-Vorstandsvorsitzenden Satya Nadella darf man im Moment über alles reden, solange es sich dabei nur um das Thema KI handelt. Es ist ein großes Rennen um die Aufmerksamkeit von Kunden und Investoren: Denn alle investieren kräftig in die künstliche Intelligenz, ob die Konzerne Google, Microsoft, Apple, IBM oder Amazon heißen – und ausgerechnet der Online-Händler Amazon zeigt den etablierten Konzernen mit seinem digitalen Assistenten Alexa derzeit, wie man mit einem solchen Angebot sogar Geld verdienen kann. Das schmerzt offenbar.

          Eine Einführung in die Künstliche Intelligenz lesen Sie hier.

          Ein Konzern wie Google nämlich sucht das Geschäftsmodell hinter den KI-Angeboten des eigenen Hauses noch. Auch Apple hat aus seiner Sprachassistentin Siri noch nicht viel Kapital schlagen können. Vishal Sikka, dem Vorstandsvorsitzenden des indischen IT-Dienstleisters Infosys, geht es in der Hinsicht etwas besser.

          „KI lässt sich mit Unternehmenskunden schon sinnvoller einsetzen als im Geschäft mit Privatnutzern. Wir setzen KI zum einen ein, um völlig neue Angebote zu entwickeln, zum anderen aber auch, um unsere bisherigen zu automatisieren und so besser zu machen“, sagt Sikka im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung – und dann sprudeln viele Beispiele aus ihm heraus: „Wir können für unsere Kunden KI-Programme schreiben, die dafür sorgen, dass ihre IT-Systeme besser vor Betrug geschützt sind, zum Beispiel in Banken und Versicherungen. Attraktiv ist aber auch, bestehende Leistungen zu verbessern und effizienter zu machen – so lässt sich zum Beispiel die Verwaltung von IT-Infrastrukturen durch KI automatisieren.“

          Ethische Fragen müssen geklärt werden

          Im Gespräch muss Sikka manchmal allerdings selbst schmunzeln. Denn die Frage, was an den jeweiligen neuen Programmen im Wortsinne tatsächlich schon etwas mit künstlicher Intelligenz zu tun habe, also mit Computern, die selbst lernen, sei nur sehr schwer zu beantworten, räumt er ein: „Man merkt es, wenn man es sieht“, sagt Sikka. Der Übergang von klassischer, tiefer Datenanalyse hin zu künstlicher Intelligenz sei fließend. „Auch meine Studenten wissen nicht immer, was was ist“, hatte in einer Diskussionsveranstaltung zuvor schon Mary Cummings zugegeben, die Direktorin des Human and Autonomy Lab an der amerikanischen Duke-Universität.

          Deutlich wird: „Trotz des großen Hypes und trotz der langen Tradition in der KI-Forschung, die schon Jahrzehnte zurückreicht, stehen wir bei dem Thema noch immer am Anfang“, sagt Sikka. Sicher sei, dass die Technik, die man brauche, um überhaupt von künstlicher Intelligenz sprechen zu können, in den vergangenen Jahren so billig geworden sei, dass man erst jetzt wirklich sinnvoll damit arbeiten könne. Nun allerdings sei die Geschwindigkeit des Fortschritts hoch – entsprechend gebe es immer mehr ethische Fragen zu lösen.

          Der Mensch soll nicht ersetzt werden

          Mit dieser Frage hat sich in Davos vor allem Ginni Rometty befasst, die Vorstandsvorsitzende des amerikanischen Computerkonzerns IBM. Rometty hat die Konferenz dazu genutzt, drei ethische Grundsätze für eine verantwortungsvolle Entwicklung der künstlichen Intelligenz vorzulegen, die im Hause IBM fortan Gültigkeit haben sollen. Deren Ausgangspunkt: Für IBM müsse es der Zweck der KI sein, den Menschen zu helfen, nicht aber, diese zu ersetzen: „Es wird eine symbiotische Beziehung sein“, verspricht Rometty.

          Neben diesem klaren Ziel sei es wichtig, transparent darzulegen, wie KI-Plattformen gebaut, wie sie trainiert und welche Daten in sie eingespeist werden. Der Mensch müsse die Kontrolle über die Systeme behalten, sagte Rometty. Drittens müssten KI-Systeme jeweils gemeinsam mit den Menschen entwickelt werden, die in ihren Branchen und Tätigkeiten jahrzehntelange Erfahrungen gesammelt hätten – und die von den KI-Programmen künftig unterstützt und entlastet werden sollen.

          Alte Arbeitsplätze verschwinden, neue entstehen

          Rometty macht das an einem Beispiel deutlich: Watson, das KI-System von IBM, sei inzwischen mit Autos, iPhones und Organisationen des Gesundheitswesens verbunden. Das System werde in diesem Jahr das Leben von rund 1 Milliarde Menschen auf die eine oder andere Weise berühren – etwa das von Krebspatienten. Dafür sei das Watson-Onkologie-System von den besten Onkologen der Welt geschult worden. Und mit KI könne dieses Wissen nun viel mehr Menschen zugutekommen als bisher. „Denn Indien zum Beispiel hat nur einen Onkologen für 1600 Patienten“, sagte Rometty.

          Die Kehrseite der Medaille: Der technische Fortschritt kostet Arbeitsplätze in traditionellen Berufen. Und selbst innerhalb eines IT-Dienstleisters wie Infosys werden durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz schon Arbeitsplätze ersetzt. „Allein im vergangenen Quartal haben wir mit Hilfe von KI-Systemen Aufgaben automatisieren können, für die es sonst 2650 Vollzeitstellen bedurft hätte“, sagt Sikka.

          „Und ich gehe davon aus, dass diese Zahl im laufenden Quartal die Marke von 3000 übersteigen wird.“ Es sei aber noch viel zu früh, eine Bilanz zu ziehen, dafür stecke KI noch zu sehr in den Kinderschuhen. „Alte Arbeitsplätze werden verschwinden, neue werden entstehen. Um für diese Welt gerüstet zu sein, muss ein jeder von uns zu täglicher Weiterbildung bereit sein“, sagte Sikka.

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