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Prominente in Davos : Von mächtigen Chinesen und klammen Russen

  • -Aktualisiert am

1999 standen die Russen selbst im Mittelpunkt des Geschehens auf dem Welt-Treffen. Was war geschehen? Kaum war die Asien-Krise mit ihren globalen Verwerfungen einigermaßen verdaut, glitt Moskau ins Chaos: Am 17. August 1998 musste die Notenbank den Rubel-Kurs freigeben. Die Anbindung an den Dollar zum Jahresbeginn hatte sich in Luft aufgelöst, die Menschen belagerten die Banken, um ihre Ersparnisse zu retten. Der Staat war faktisch pleite.

Vor 20 Jahren beherrschte denn auch in Davos der Russland-Crash, der das Ende der Ära Jelzin einläutete, zahlreiche Debatten. Geradezu euphorisch wurde dagegen die Einführung des Euro begrüßt. Dass das neue Zahlungsmittel, als neue Reservewährung und darüber hinaus als politischer Zement für die Europäische Union gefeiert, angesichts des wirtschaftlichen Gefälles unter den Euro-Ländern später zu einem Sprengsatz werden könnte, lag außerhalb der Vorstellungskraft selbst vieler Finanzexperten. Das Weltwirtschaftsforum als Frühwarnsystem hat hier versagt.

Inzwischen haben die Finanzmanager wieder Oberwasser

Ein drittes Ereignis entfaltete dagegen eine nachhaltig positive Wirkung, dies auf Unternehmensebene. UN-Generalsekretär Kofi Annan verkündete, was zum „Global Compact“ der Vereinten Nationen reifen sollte – ein Kranz zahlreicher Verpflichtungen für soziales, nachhaltiges und moralisch anständiges Wirtschaften. Klaus Schwab, der stets eine enge Beziehung zu Kofi Annan pflegte, bezeichnet sich hier als Mitautor. Der Pakt wurde zu einem Vorläufer dessen, was heute regeltreue Unternehmensführung (Corporate Governance) genannt wird.

Vor zehn Jahren stand das Treffen der Welt-Elite – wie nicht anders zu erwarten – im Bann der Finanzkrise. Am 15. September 2008 hatte der Zusammenbruch der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers – einer der „strategischen Partner“ des WEF – Schockwellen rund um die Welt erzeugt. Das globale Wachstum sackte ab und sollte 2009 sogar in eine Rezession münden. In Davos mischte sich Pessimismus mit Ratlosigkeit – und auch mit Verärgerung über die „gierigen Boni-Banker“, die den ganzen Schlamassel verursacht hätten. Der schwedische Großindustrielle Jacob Wallenberg fühlte sich zu der Warnung veranlasst: „Töten Sie nicht jegliche unternehmerische Initiative.“

Der Ärger über die Finanzindustrie blieb kein Eintages-Phänomen. Im darauffolgenden Jahr greift kein geringerer als Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy zum großen Schwert. In seiner Eröffnungsrede führte er heftige Schläge gegen die nach seiner Meinung handfeste Selbstbedienungsmentalität in den Banken und rief nach tiefgreifenden Reformen. Gehalten in Paris, hätte die Wutrede womöglich nur auf nationaler Ebene zu Reaktionen geführt. So aber, auf dem Welt-Podium in den Bündner Bergen, fand sie ein Echo rund um den Globus.

Auf dem Gipfel der Finanzkrise duckten sich die Banker in Davos weitgehend ab. Manches aber ändert sich auch auf dem WEF nur vorübergehend: Inzwischen haben die Finanzmanager wieder Oberwasser, insbesondere die Vertreter aus den Vereinigten Staaten. Das Gegenbild liefern die italienischen Banken, bei denen immer noch viele faule Kredite in den Bilanzen schlummern. Sie befinden sich weiter im Krisenmodus. Vielleicht kann Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte bei seinem diesjährigen Auftritt Erhellendes dazu sagen. Die große Runde in Davos ist in jedem Fall gespannt.

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