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Klaus Schwab : „Zu hohe Managergehälter sind nicht mehr sozial verträglich“

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Nein, es bleibt bei 2500 Teilnehmern. Mehr bringt nichts, auch wenn wir dazu strikte Prinzipien durchsetzen müssen. So darf ein CEO nicht mehr kommen, sobald er pensioniert wird. Wir laden nur aktive Manager und Politiker ein.

Beschweren sich da keine Stammgäste?

Manchem tut es leid, so wie dem Vorstandsvorsitzenden, der mir kürzlich geschrieben hat. Ich war jetzt 17 mal in Davos, begann der Brief, und bedauere es, mich zu verabschieden, da ich in Pension gehe. Wenn ich jetzt auf mein Leben blicke, schrieb der Mann, stelle ich fest, dass Freunde wichtig sind, und wenn ich dann nachzähle, habe ich genau fünf Freunde. Drei davon habe ich in Davos kennengelernt. Das war mal ein anderer Brief als sonst.

Davos ist ein Fest für Netzwerker, mancher Konzernchef kam dort erst zu seinem Job. Führen Sie Statistik über diese Karrieren?

Nein, aber solche Fälle gibt es etliche.

Wie bekommen Sie die Teilnehmer in Griff, die das offizielle Programm weitgehend ignorieren, dafür eine Art Speed-Dating für Manager abhalten: ein Meeting nach dem anderen.

Ich habe Verständnis dafür, dass Spitzenmanager bei einer solchen Ballung wichtiger Gesprächspartner abwägen müssen zwischen ihren direkten und den indirekten Interessen.

Direkt heißt: Die Ankurbelung des Geschäfts geht vor?

Direkt bedeutet: Wenn Sie als Unternehmer in Davos die Regierungsdelegation eines Landes treffen können, in dem Sie eine Milliardeninvestition planen, dann ist es klar, dass Sie das tun müssen.

Mit dem ursprünglichen WEF-Anspruch, den Zustand der Welt zu verbessern, hat das wenig zu tun.

Natürlich finden wir es schade, wenn sich jemand nicht an der intellektuellen Dimension des Davoser Treffens engagiert. Ich sage Vorstandsvorsitzenden immer, ich habe drei Wünsche, die sich erfüllen sollen, wenn ihr von Davos nach Hause fahrt. Es hat euch bei irgendeinem Geschäft geholfen. Es hat für die Strategie des Unternehmens zumindest einen neuen Ansatzpunkt gebracht. Und hoffentlich habt ihr euch in Davos in einer unserer vielzähligen Initiativen zur Verbesserung des Zustands der Welt engagiert.

Was waren Ihre persönlichen Highlights aus mehr als 40 Jahren Davos?

Das kann ich nicht beantworten. Das ist so, als würden Sie einen Schriftsteller fragen, etwa meinen Freund und Nachbarn Paulo Coelho, welche Seite in seinem Roman die beste ist. Was zählt, ist das Gesamtwerk.

 Es gab doch bestimmt Momente, die Sie nie vergessen werden?

Natürlich. Das Treffen Kohl und Modrow, der Händedruck zwischen Mandela und de Klerk 1992, der Friedensvertrag zwischen Griechenland und der Türkei zu einer Zeit, als die Armeen teilmobilisiert waren. Wichtig ist, dass Davos den Lauf der Welt beeinflusst, etwas bewirkt.

 Was fällt Ihnen dazu als Erstes ein?

Die Idee zu den G20 wurde in Davos geboren, gefördert von den Deutschen damals, auch der Global Compact der UN, den Kofi Annan und ich angestoßen haben. Überdies auch die „Global Alliance for Vaccines und Immunisation“, Millionen von Kindern wurde durch Impfungen inzwischen das Leben gerettet. Auch die Idee des Global Fund zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria entstand in Davos. Stolz bin ich auf den Einfluss, den wir auf das Denken der Zeit haben. Wir waren die Ersten, die in den 70er Jahren auf die Umweltfrage hingewiesen haben. Dazu habe ich auch Leute eingeladen, die nicht systemkonform gedacht haben - das war nicht immer zu jedermanns Freude.

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