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Währungspolitik : Was wird jetzt aus dem Dollar?

„Der Dollar ist zu stark - das bringt uns um“, sagt Donald Trump. Bild: dpa

Donald Trump hat mit markigen Worten erklärt, dass er die amerikanische Währung für „zu stark“ hält. Eine weitere Parallele zum früheren Präsidenten Reagan wird sichtbar.

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          Das große Thema in Davos ist die Person und Präsidentschaft Donald Trump. Und wie es sich für ein Weltwirtschaftsforum gehört, wird dort auch über die Zukunft der wichtigsten Währung der Welt diskutiert - den Dollar.

          Die Feststellung des künftigen amerikanischen Präsidenten, er wünsche keinen zu starken Dollar („das bringt uns um“), hat die Davos-Besucher nicht sonderlich überrascht. Denn auch in dieser Hinsicht folgt Donald Trump einem seiner republikanischen Vorgänger, dem früheren Präsidenten Ronald Reagan.

          Neue Posten an eigene Leute

          Als Reagan im Jahre 1980 zum Präsidenten gewählt wurde, verfolgte die Notenbank Federal Reserve mit dem von dem demokratischen Präsidenten Jimmy Carter ins Amt entsandten Paul Volcker an der Spitze eine sehr harte Geldpolitik, die Inflation bekämpfte und zugleich in Kauf nahm, dass Konjunktur und Arbeitsmarkt leiden. Der Dollar wertete in den ersten Reagan-Jahren stark auf, nicht nur wegen Volckers Hochzinspolitik, sondern auch  bedingt durch Reagans expansive Finanzpolitik.

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          Reagan nutzte frei werdende Positionen in der Führung der Notenbank dann allerdings, um sie mit Leuten zu besetzen, die eine weniger straffe Geldpolitik wünschten. Einige Zeit später warf Volcker das Handtuch.

          An diese Episode erinnerte in Davos der Ökonom Nouriel Roubini. Sie lehrt, dass von den Demokraten ernannte Geldpolitiker keineswegs immer Freunde expansiver Geldpolitik sind und von den Republikanern ernannte Geldpolitiker keineswegs nur geldpolitische Hardliner.

          Wenn es Trump wirklich darum gehe, neue Industriearbeitsplätze zu schaffen, könne er keinen zu starken Dollar brauchen. Damit bestehe für Trump ein Anreiz, die beiden bald zu besetzenden neuen Plätze in der Fed-Führung Leuten anzuvertrauen, die eher geldpolitische „Tauben“ sind. In diesem Zusammenhang erstaunte übriens auch die Feststellung des nach Davos gereisten Trump-Beraters Anthony Scaramucci nur wenig, die Unabhängigkeit der Fed stehe nicht zur Debatte.

          Weber sieht Dollar-Schwäche

          So weit wie Roubini ging Axel Weber nicht. Der Verwaltungsratsvorsitzende der Großbank UBS und frühere Bundesbank-Präsident sagte zwar in Davos in bester Bundesbank-Tradition voraus, dass von den Republikanern nominierte Geldpolitiker wohl eine stärker an langfristigen Regeln ausgerichtete Geldpolitik favorisieren würden. Aber gleichzeitig, und das fiel in Davos auf (und sorgte auch für Kopfschütteln), sprach Weber eher in Molltönen, indem er die amerikanische Konjunktur in der Spätphase ihres Aufschwungs verortete und in diesem Jahr nicht mehr als zwei Leitzinserhöhungen erwartet.

          Der Dollar könne noch etwas aufwerten, sagte er voraus. Aber im Vergleich zu früheren Erfahrungen könne man selbst dann nur von der Korrektur einer Dollar-Schwäche sprechen und nicht von einer Dollar-Stärke.

          Merkwürdige Mexiko-Tweets

          Larry Summers ist kein Freund der Republikaner und erst recht nicht von Donald Trump. Umgekehrt hat der frühere Finanzminister und Harvard-Präsident gerade in Davos nicht nur Freunde. Zustimmung fand der streitbare amerikanische Ökonom jedoch mit seiner Feststellung, dass es keinen Sinn habe, wie Trump einerseits gegen einen zu starken Dollar zu wettern und andererseits mit seinen Tweets dazu beizutragen, dass sich der mexikanische Peso seit Trumps Wahl gegenüber dem Dollar um rund 15 Prozent abgewertet hat.

          Unbeantwortet bleibt vorerst, ob die Finanzpolitik in den Vereinigten Staaten deutlich expansiver werden wird, die über steigende Haushaltsdefizite den Realzins treiben und damit den Dollar am Devisenmarkt stärken würde. Denn, und das wurde in Davos häufig betont, in der Finanzpolitik hat der Kongress weitaus größere Befugnisse als in der Handelspolitik.

          Doch selbst wenn ein umfangreiches Programm zur Förderung der Infrastruktur beschlossen würde, dauerte es lange, bis das Geld wirklich flösse. In Davos anwesende amerikanische Finanziers von Infrastruktur gehen davon aus, dass ein solches Programm nicht vor Mitte 2018 große Wirkung zeigen könnte.

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