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Weltwirtschaftsforum : Warum eigentlich gerade in Davos?

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Weltwirtschaft im Schnee: Warum treffen sich führende Politiker und Top-Manager eigentlich in Davos? Bild: AFP

Alljährlich treffen sich führende Politiker und Top-Manager in Davos. Wie entstand das Weltwirtschaftsforum, wer darf teilnehmen – und was ist überhaupt der „Davos Man“? FAZ.NET beantwortet die grundlegenden Fragen.

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          Wie kam der Gründer Klaus Schwab auf die Idee des Weltwirtschaftsforums?

          1970 erhielt der damalige Teilzeit-Professor den Auftrag, einen Jubiläumsanlass seiner Hochschule, des Centre d’Études Industrielles in Genf, zu organisieren. Angestoßen vom Stakeholder-Konzept, das über die Aktionäre hinaus alle Interessengruppen eines Unternehmens einbezieht, vor allem aber durch den Bestseller „Die amerikanische Herausforderung“ des französischen Publizisten Jean-Jacques Servan-Schreiber, entwickelte der 32 Jahre alte Schwab die Idee eines europäisch-amerikanischen Managersymposions. Es sollte helfen, die Gräben zu überbrücken, die das Vordringen der Amerikaner aufgerissen hatte. Schon die erste Veranstaltung zog knapp 450 Teilnehmer an. Später erweiterte Schwab das Konzept zum World Economic Forum (WEF). Angesichts der Breite der Themen ist es heutzutage sogar eine Art Weltgesellschaftsforum.

          Warum findet das Forum immer in Davos statt?

          Schwabs Vorfahren sind zum Teil Schweizer. Er selbst kennt Davos besonders gut; als Zehnjähriger habe er dort Skifahren gelernt, und irgendwie fühle er sich dem Land sowieso verbunden, sagt der Mann mit dem deutschen Pass. Entscheidend waren aber wohl beim ersten Treffen 1971 das kurz zuvor eröffnete Kongresszentrum sowie die Hotelkapazitäten in der höchsten Stadt der Alpen. Darüber hinaus bieten sich die hochalpine Landschaft und die Schweiz als neutrales Land für eine solche Konferenz an. Eine Ausnahme gab es nur im Januar 2002: Als Geste der Solidarität gegen den Terrorismus verlegte Schwab nach „9/11“ das Treffen kurzfristig nach New York. Mit inzwischen 3000 Teilnehmern bringt das WEF die Gemeinde Davos indes an den Rand ihrer Kapazitäten.

          Was ist der „Davos Man“?

          1998 hatte der amerikanische Soziologe Richard Sennett einen Aufsatz mit dem Titel „Das schwindlige Leben des Davos- Mannes“ geschrieben. Bekannt wurde der Begriff allerdings erst durch den Politologen Samuel Huntington, der ihn 2004 in einem anderen Text verwendete. Der Davos Man wurde zum Symbol für eine wachsende Kluft zwischen Eliten und der normalen Bevölkerung. Die Heimatlosigkeit des globalen Establishments gegenüber der Heimatverbundenheit der Normalbürger prägte danach die Kritik am WEF als vermeintliche Jahresversammlung der Globalisierungsjünger und Profiteure einer zunehmenden Ungleichheit, ja gar als geheimes Machtzentrum. Zuletzt beuteten die Populisten diese Kritik gegen „die da oben“ für ihre Zwecke aus. Dies verleiht dem diesjährigen Auftritt von Donald Trump eine besonders pikante Note.

          Was versteht man unter dem „Spirit of Davos“?

          Der Geist von Davos ist sozusagen das positive Gegenbild zum Davos Man. Seine Kernelemente bilden die Begriffe Dialog, Toleranz, Engagement für die Gesellschaft und ganz allgemein Beiträge zu einer besseren und friedlicheren Welt. Dahinter steht die Überzeugung von Klaus Schwab, Regierungen wie Unternehmen könnten die Herausforderungen einer zunehmend vernetzten Welt nicht alleine bewältigen.

          Wer darf zum WEF?

          Das Rückgrat der Organisation bilden die 1000 Mitgliedsunternehmen. Sie zahlen einen Jahresbeitrag, der je nach Status zwischen 60.000 und 600.000 Franken (umgerechnet etwa 51.000 bis 510.000 Euro) liegt. Hinzu kommt die Teilnahmegebühr in Davos von jeweils 27.000 Franken (umgerechnet etwa 23.000 Euro). Eingeladene Politiker, Wissenschaftler, Künstler, NGOs und Medien zahlen nichts. Dasselbe gilt natürlich für Regierungsvertreter. Dieses Mal kommen allein rund 70 Staats- und Regierungschefs in die Bündner Berge – ein Rekord.

          Wie bekommt man Promis nach Davos?

          Allein die Bedeutung der Veranstaltung sorgt dafür, dass viele dabei sein wollen. Abgesehen davon, verfügt Schwab über das wohl beste Netzwerk in der Welt, das er rund um das Jahr pflegt. Seine Gesprächspartner nutzt er dabei immer wieder als Multiplikatoren für weitere Gäste. Hilfreich sind auch die Außenbüros des WEF in New York, Peking und Tokio.

          Wie lange macht Schwab noch weiter?

          Die Entscheidung liegt weitgehend bei ihm selbst. Die Abgabe der Geschäftsführung an den früheren norwegischen Außenminister Børge Brende im September 2017 ist nur ein erster Schritt. Als Chef des Stiftungsrats (Board of Trustees) lenkt Schwab das Forum auch nach seinem 80. Geburtstag Ende März. Spekuliert wird, dass sich der Gründer nach dem 50. WEF im Jahr 2020 zurückziehen könnte. Noch mehr im Dunkeln bleibt, wer Schwab nachfolgen könnte. Sohn Olivier rückte zusammen mit Brende in den Vorstand des Weltwirtschaftsforums. In dieser Funktion hat er erste Interviews gegeben. Man mag sich fragen, ob solche Auftritte auf mittlere Sicht etwas bedeuten. Zumindest verkörpert er wie der Norweger die nächste Führungsgeneration im Forum.

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