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Weltwirtschaftsforum : Verändern Trumps Steuerreform und Zölle die Welt?

Adena Friedman, Stephen Schwarzman, Maria Bartiromo, Brian Mynihan, Tidjane Thiam und Frank Appel auf dem Weltwirtschaftsforum. Bild: AFP

Wie berechtigt sind die Sorgen um Protektionismus? In Davos wird darüber heftig gestritten. Ein deutscher Unternehmenschef gibt sich besonders gelassen.

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          Die Erhebung von Zöllen durch den amerikanischen Präsidenten Donald Trump sorgt auch auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos für Gesprächsstoff. „Wir sollten uns nicht zu viele Sorgen über den Protektionismus machen“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Post, Frank Appel, auf einer Podiumsdiskussion. „Seit Jahren wird in Davos über den schädlichen Einfluss der Politik auf die Wirtschaft gesprochen und oft wird dieser Einfluss überschätzt.“ Wenn die Amerikaner protektionistischer würden, kauften die Konsumenten in der Welt auf anderen Märkten und die amerikanischen Arbeitnehmer würden darunter leiden.

          Gerald Braunberger
          Herausgeber.

          Stephen Schwarzman, der Gründer des Hedgefonds Blackstone, wollte sich diesem Optimismus nicht anschließen. „Die Finanzmärkte werden derzeit von der guten Wirtschaftslage getrieben, aber diese Vernachlässigung der politischen Risiken muss keinen Bestand haben“, warnte der Amerikaner. „Es wird viel von den Vereinigten Staaten abhängen, und man muss sehen, dass es große Ungleichgewichte im Handel mit China gibt und die Chinesen höhere Zölle als wir erheben.“ Ein Scheitern der bevorstehenden Verhandlungen über das nordamerikanische Handelsabkommen Nafta würde unter anderem der mexikanischen Wirtschaft schaden und möglicherweise politische Folgen haben, die auch nachteilig für die Vereinigten Staaten sein würden. Ein guter Abschluss der Nafta-Gespräche sei aber möglich.

          Vereinigte Staaten sind ein Sonderfall

          Unterschiedliche Ansichten wurden zur amerikanischen Steuerreform laut. Während Schwarzman, der Vorstandsvorsitzende der Bank of America, Brian Moynihan, sowie der Vorstandsvorsitzende der Schweizer Großbank Credit Suisse, Tidjane Thiam, die Steuerreform als einen wichtigen Beitrag zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der Vereinigten Staaten betrachteten, zeigte sich Appel skeptisch. „Die kurzfristigen Auswirkungen dürften positiv sein, aber langfristig sehe ich keine Vorteile, wenn niedrige Steuern mit einer höheren Staatsverschuldung einhergehen.“

          Appel sagte, langfristig seien für die Wettbewerbsfähigkeit Produktivitätsgewinne wichtig, und diese entstünden vor allem durch gute Bildung und gute Infrastruktur. Dem Argument, eine höhere Staatsverschuldung zehre Vorteile der Steuerreform auf, hielt Thiam entgegen, die Vereinigten Staaten seien ein Sonderfall, weil der Rest großes Interesse am Kauf amerikanischer Staatsanleihen besitze und daher willig die Staatsverschuldung finanziere.

          Einig war sich das Podium in der Einschätzung, dass es in Europa unter anderem wegen der Politik Emmanuel Macrons vorangehe. „Die große Nachricht ist die Wiederkehr Frankreichs. Frankreich ist das Schlachtfeld der Reformen in Europa. Die Schätzung für das Wirtschaftswachstum im vergangenen Jahr wurde gerade von 1,7 auf 1,9 Prozent erhöht“, sagte Thiam. „Und da Deutschland auch mit einer geschäftsführenden Regierung wirtschaftlich stark bleibt, sieht es gut aus.“

          Das 48. Weltwirtschaftsforum in Davos

          Teilnehmer
          Frauen
          Männer
          Regionen
          Sektoren
          Alter
          Die 3.000 Teilnehmer des 48. Weltwirtschaftsforums in Davos repräsentieren die wichtigsten Interessengruppen – öffentlicher und privater Sektor, Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Medien sowie Kunst und Kultur.

          Quelle: weforum.org
          Grafik: weforum.org, F.A.Z.

          Auch Appel bezeichnete Deutschland und Frankreich als die Motoren der wirtschaftlichen Erholung Europas, aber er zitierte auch Reformfortschritte in Osteuropa, in Portugal, Irland und in Spanien. „Wir haben in den vergangenen Jahren viel in Europa investiert und sind zuversichtlich“, sekundierte Schwarzman. „Die Europäer sind dabei, den Pessimismus, in dem sie sich selbst gefangen hatten, zu überwinden.“ Wirtschaftliche Dynamik sah Thiam nicht nur in den Industrienationen. „Vor zwanzig Jahren existierte kein wirtschaftlicher Handel zwischen China und Afrika“, sagte der Franzose. „Heute beläuft er sich auf rund 200 Milliarden Dollar in der Welt. Ich bin überrascht darüber, wie überrascht einige Leute über den guten Zustand der Weltwirtschaft sind.“

          Übertreiben die Finanzmärkte mit ihrem durch die gute Wirtschaftslage in der Welt getriebenen Optimismus? „Die Notenbanken werden den Aufschwung der Weltkonjunktur nicht durch zu rasche Zinserhöhungen abwürgen“, gab sich Moynihan überzeugt. Schwarzman hingegen vertrat die Auffassung, dass es „eine Stunde des Erwachens“ geben werde, wenn die politischen Risiken stärker bewusst würden. „Ein Scheitern der Nafta-Verhandlungen würde die Weltwirtschaft nicht umbringen, aber doch Schaden anrichten“, sagte der Fondsmanager. „Und falls es einen offenen Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und Nordkorea geben sollte, würden wir ganz andere Kurse an den Finanzmärkten sehen.“

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