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Wilbur Ross ist als Handelsminister einer der wichtigsten Berater des Präsidenten in diesen Fragen. Bild: EPA

Amerikas Handelsminister : „Jetzt treten die amerikanischen Truppen gegen die Festungen an“

Wir befinden uns längst in einem Handelskrieg, sagt Donald Trumps Handelsminister Wilbur Ross in Davos. Und verteidigt mit kräftigen Worten Trumps Schutzzölle.

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          „Wir sind an freiem und fairem Handel interessiert, aber wir leben schon seit einiger Zeit in einem Handelskrieg. Jetzt treten die amerikanischen Truppen gegen die Festungen an.“ Der amerikanische Handelsminister Wilbur Ross hat in einem Pressegespräch auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos mit kräftigen Worten die gerade vom Präsidenten Donald Trump erlassenen Zölle verteidigt.

          Gerald Braunberger
          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          „Es gibt viele Länder, die von Freihandel reden und Protektionismus betreiben. Wenn wir uns gegen diesen Protektionismus wenden, wirft man uns vor, gegen den Freihandel zu verstoßen“, sagte Ross. Die Ansicht der Finanzminister aus Deutschland und Frankreich, die amerikanische Steuerreform verstoße gegen den Freihandel, sei „ein lustiges Konzept“. Mit Blick auf mögliche Reaktionen zumal aus Peking sagte er, den Chinesen stehe es natürlich frei, gegen die amerikanischen Zölle Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

          Der amerikanische Finanzminister Stephen Mnuchin wiederum sagte in Davos, er sei nicht besorgt wegen Meldungen, die Chinesen wollten sich mit dem Kauf amerikanischer Staatsanleihen zurückhalten. In seinen Gesprächen mit Peking spiele das Thema keine Rolle.

          Und er erklärte außerdem, mit der amerikanischen Steuerreform sei nicht beabsichtigt, einen globalen Steuerwettlauf um immer niedrigere Sätze in Gang zu bringen. Darüber habe er mit seinen europäischen Kollegen gesprochen.

          Dass die amerikanische Regierung wiederum härtere Handelsmaßnahmen zumal gegenüber China ergreifen würde, zeichnete sich in den vergangenen Tagen bereits ab. Präsident Donald Trump warf Peking vor, Ideen der Amerikaner zu klauen. Und er drohte dem Land in einem Interview mit dem Finanzdienst Reuters eine Geldstrafe an: „Wir sprechen über einen hohen Schadensersatz. Wir sprechen über Zahlen, über die Sie noch nicht einmal nachgedacht haben.“ Wenn er am 30. Januar die Rede zur Lage der Nation halten wird, wolle er darauf eingehen – auch das ein wichtiges Zeichen, denn diese Ansprache ist traditionell eine Regierungserklärung. Und auf die Nachfrage der Journalisten, ob nun doch ein Handelskrieg ausbrechen könnte, schloss Trump das ausdrücklich nicht aus. „Ich denke nicht, ich hoffe nicht. Aber wenn es so ist, dann ist es so“, sagte er.

          Fachleute erwarten zunehmend ebenfalls eine echte Eskalation in diesem Jahr, dass Trump also bereits im Wahlkampf ausgesprochene Ankündigungen in Bezug auf China wahrmachen könnte, wenigsten teilweise. „Die vorherrschende Meinung in Washington ist jetzt, dass (...) er entschlossen ist, irgendjemanden zu beißen und dass China das wahrscheinlichste Ziel ist“, sagte William Reinsch, früherer Präsident des „National Foreign Trade Council“ (NFTC), dem Finanzsender CNBC. Das NFTC ist eine amerikanische Unternehmer-Organisation, die sich für offenen Handel einsetzt und ein auf Regeln basierendes Welthandelssystem.

          Gefährlich ist ein Handelskrieg zwischen den beiden größten Ökonomien der Welt auch deshalb, weil sie eng miteinander verflochten sind. Amerikanische Unternehmen lassen in China Produkte fertigen, etwa der iPhone-Hersteller Apple in Fabriken des Technikunternehmens Foxconn. Zugleich ist China für viele von ihnen ein zunehmend wichtiger, wenn nicht gar der wichtigste (Massen-)Markt auf der ganzen Welt mit eben ungefähr 1,4 Milliarden möglichen Kunden.

          Umgekehrt liefern chinesische Hersteller Waren in großem Umfang in die Vereinigten Staaten – im vergangenen Jahr betrug alleine das Handelsbilanzdefizit, also die Differenz zwischen Einfuhren und Ausführen, aus der Sicht der Vereinigten Staaten 278 Milliarden Dollar. Auch diese Zahl ist für den Präsidenten ausweislich seiner öffentlichen Äußerungen ein riesiges Ärgernis.

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