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Weltwirtschaftsforum 2017 : „Die Unabhängigkeit der Fed bleibt unangetastet“

Trump-Berater Anthony Scaramucci in Davos Bild: AFP

Trump-Berater Scaramucci lobt die Rolle der Fed in der Krise. Die Folgen sieht er aber kritisch. Wie Zentralbanken künftig in die Finanzmärkte eingreifen werden, ist derweil umstritten in Davos.

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          Die künftige amerikanische Administration beabsichtigt nicht, die Unabhängigkeit der Fed anzutasten. Die Geldpolitik sei in der Krise erfolgreich gewesen, habe aber zur Ungleichverteilung von Vermögen beigetragen, sagte Anthony Scaramucci auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Der amerikanische Hedgefondsmanager ist ein Berater Donald Trumps und wird mit dem künftigen Präsidenten in das Weiße Haus einziehen.

          Gerald Braunberger
          Herausgeber.

          Scaramucci betonte, auch wenn die Fed im laufenden Jahr den Leitzins mehrfach erhöhen sollte, könne im historischen Kontext nicht von einer geldpolitischen Normalisierung die Rede sein. Zum Außenwert des Dollars äußerte sich der Amerikaner etwas ambivalent. Wenn es gelinge, das Wirtschaftswachstum unter anderem mit mehr Ausgaben für Infrastruktur und Steuersenkungen deutlich zu beleben, stelle ein stärkerer Dollar kein Problem dar. Andererseits machte Scaramucci aber auch deutlich, dass er kein Interesse an einer zu starken Währung habe.

          Auch wenn die Fed ihren Leitzins in diesem Jahr zwei Mal erhöhen sollte, bleibe die globale Geldpolitik wegen der Europäischen Zentralbank und der Bank von Japan insgesamt expansiv, sagte der Verwaltungsratsvorsitzende der schweizerischen Großbank UBS, Axel Weber.

          Künftig weniger Eingriffe in Finanzmärkte?

          Nach seiner Ansicht werde eine weitere Aufwertung des Dollars die Fed von zu starken Zinserhöhungen abhalten, zumal sich der Konjunkturaufschwung in den Vereinigten Staaten in seiner Spätphase befinde. Da die EZB und die Bank von Japan den Zinserhöhungen der Fed zumindest in diesem Jahr nicht folgen dürften, könne von einer geldpolitischen Normalisierung keine Rede sein. Weber geht davon aus, dass die neue amerikanische Administration Personen in die Führung der Fed entsenden werden, die eine stärker regelorientierte Geldpolitik bevorzugen.

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          Dagegen hält der Präsident der Schweizerischen Nationalbank, Thoms Jordan, Leitzinserhöhungen auch in Europa für möglich. Dieser Prozess dürfte aber nur graduell verlaufen und keine starken Spannungen an den Finanzmärkten erzeugen.

          UBS-Mann Weber hofft, dass die Zentralbanken künftig weniger in Finanzmärkte eingreifen, aber in der anderen Schweizer Großbank wird eine entgegengesetzte Ansicht vertreten. Die stärkere Regulierung der Geschäftsbanken wird die Zentralbanken zwingen, aktiver in Finanzmärkten tätig zu sein. Zu diesem Schluss gelangt das Forschungsinstitut der schweizerischen Großbank Crédit Suisse in einer auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos vorgestellten Studie.

          „Viele dieser Institutionen suchen nach Alternativen zu Geschäftsbanken“

          „Die Zentralbanken werden wegen der durch die Regulierung bedingten Liquiditätsbedürfnisse der Banken nicht in der Lage sein, ihre Bilanzsummen auf absehbare Zeit auf die Niveaus der Vorkrisenzeit zurückzufahren“, heißt es. „Der Grund ist, dass die im Zuge der Anleihekaufprogramme entstandenen Guthaben der Banken bei der Zentralbank heute einen wesentlichen Bestandteil der liquiden Mittel der Banken stellen.“ Dies gilt in besonderer Weise für die Fed, da der Dollar als internationale Finanzierungswährung auch für viele nicht in den Vereinigten Staaten ansässige Banken eine bedeutende Rolle spielt. Auch für diese Banken müsse die Fed Liquidität in Gestalt von Einlagen bieten.

          Zweitens werden die Zentralbanken vermutlich auch gegenüber anderen Marktteilnehmern wie Unternehmern und Vermögensverwaltern die Rolle eines Anbieters sicherer Kapitalanlagen übernehmen. „Viele dieser Institutionen suchen nach Alternativen zu Geschäftsbanken, bei denen sie ihre kurzfristigen Guthaben halten können“, schreiben die Autoren der Untersuchung, denn als Folge der Regulierungen hätten die Banken weniger Interesse, solche kurzfristigen und liquiden Guthaben zu führen.

          Diese von den Geschäftsbanken bereitgestellten Dienstleistungen könnten nur durch vergleichbare Dienstleistungen von Zentralbanken ersetzt werden. Tatsächlich hätten die Zentralbanken keine Wahl: „Sollten die Zentralbanken die von Geschäftsbanken abgelehnten kurzfristigen Gelder ablehnen, verlören sie die Kontrolle über den kurzfristigen Zins.“

          Höhere Finanzierungskosten für den Staat und die Privatwirtschaft?

          Daneben werden die Zentralbanken nicht nur in Krisenzeiten eine größere Rolle in der Finanzierung akzeptieren müssen. „Als Nebeneffekt geringerer Guthaben durch Kunden haben Banken weniger Möglichkeiten, Arbitragegeschäfte an Finanzmärkten zu finanzieren.“

          Finde die Arbitrage nicht statt, brächen langfristige erprobte Beziehungen zwischen Finanzmärkten zusammen, die höhere Finanzierungskosten für den Staat und die Privatwirtschaft zur Folge haben könnten. Daraus leitet sich zudem die Funktion eines „Marktmachers“ für Kapitalmärkte ab, die üblicherweise von privaten Finanzhäusern wahrgenommen wird:

          „Wenn die Bilanzsummen der Zentralbanken groß bleiben, könnten die in den Kaufprogrammen erworbenen Anleihen künftig zu Steuerung der Zinsstrukturkurven verwendet werden.“ Das schließe in Zeiten zu starker Kreditnachfrage die Verkäufe von Anleihen ein, um die Zinsstrukturkurve steiler zu machen.

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