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Schlechter Ruf der Finanzbranche : Hoffnung auf den ehrbaren Kaufmann

Auch aus den Edelman-Daten zeigt sich, dass Politikern und Vorstandsvorsitzenden mit 27 beziehungsweise 28 Prozent Zustimmung in der informierten deutschen Öffentlichkeit das mit Abstand niedrigste Vertrauen entgegengebracht wird, „normalen“ Menschen auf der Straße hingegen ein mit 66 Prozent sehr viel größeres. Erreicht wird dieser Wert noch nicht einmal von Akademikern und anderen Fachleuten, denen Kompetenz auf einem bestimmten Gebiet zugesprochen wird; sie erreichen zu 61 Prozent eine hohe Glaubwürdigkeit. Auf die Frage, wie dieser fortgesetzten Vertrauenskrise zu begegnen ist, geben beide Studien ähnliche Antworten. Media Tenor empfiehlt vor allem, die Entlohnung der Führungskräfte im Finanzsektor - und hier besonders die Boni-Regelungen - an einem sehr viel breiteren Kranz von Zielparametern auszurichten, als dies bisher oftmals geschieht.

Diskrepanz zwischen Erwartungen und Leistungen

Um den von der breiten Bevölkerung so ersehnten „ehrbaren Kaufmann“ auch in dieser Branche zurückkehren zu lassen, gilt es demnach, nicht nur den Aktienkurs und die Höhe des Gewinns im Auge zu behalten. Vielmehr müsse in die Entscheidung über die Höhe von Boni einbezogen werden, wie sehr es den Unternehmensführern gelinge, Mitarbeiter zu motivieren, welche Fortschritte man in der Bearbeitung der Kernmärkte mache, wie die Meinung der Analysten zum jeweiligen Unternehmen beeinflusst worden sei, wie gut die Zusammenarbeit mit den Politikern und Nichtregierungsorganisationen klappe - und schließlich wie gut es gelinge, die Medien über den Gang der Dinge im eigenen Haus informiert zu halten. Nur ein Bonus-Modell, das diesen gesamten Datenkranz berücksichtige, könne nachhaltigen Erfolg zurückkehren lassen. Zudem komme es auf Transparenz an. Es dürfe nicht passieren, dass Hinweise auf Entlohnungsprinzipien an drei verschiedenen Stellen des Geschäftsberichts versteckt seien, so wie dies bei der Citigroup der Fall sei.

Auch Edelman weist darauf hin, wie groß die Diskrepanz zwischen den Erwartungen der Befragten gegenüber den Unternehmen einerseits und der wahrgenommenen Leistung andererseits geworden ist (siehe Grafik): So erwarten zwar 62 Prozent der Befragten, dass Unternehmen ihren Kunden zuhören und ihre Wünsche beachten. Tatsächlich erlebt wird das aber nur von 30 Prozent. Ähnlich sieht das Verhältnis in den Punkten „Stellt den Konsumenten über den Profit“, „Transparenz“ oder „Handelt ethisch korrekt“ aus. Wenn im diesjährigen Oberthema des Weltwirtschaftsforums von „widerstandsfähiger Dynamik“ die Rede ist, gibt es also noch viel zu tun. Denn weniger krisenanfällig können Wirtschaft und Politik erst dann wieder werden, wenn das Vertrauen zurückkehrt.

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