https://www.faz.net/-gqe-9vp5x

Prinz Charles : „Wollen wir in die Geschichte als die Generation eingehen, die versagt hat?“

Der britische Thronfolger Prinz Charles auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos mit der schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg. Bild: Reuters

Der britische Thronfolger skizziert auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos ein Programm für nachhaltige Märkte. Dazu gehört die Abschaffung von „perversen Subventionen“ und die Setzung von Anreizen für nachhaltiges Wirtschaften.

          2 Min.

          Der britische Thronfolger hat auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos eine „Initiative für nachhaltige Märkte“ vorgestellt, die einen Beitrag zur Versöhnung von Ökonomie und Ökologie leisten soll. „Wir befinden uns in einer mittlerweile hoffentlich verstandenen Krise“, sagte Prinz Charles.

          Gekennzeichnet sei diese Krise unter anderem durch den Klimawandel und einen Verlust an Biodiversität. „Wir müssen unser Wirtschaftsmodell ändern“, betonte Prinz Charles, und er fügte hinzu: „Es fehlt nicht an Kapital. Es geht um die Art, wie wir es einsetzen.“ Der Prinz wählte dabei durchaus drastische Worte: „Wir benötigen einen Paradigmenwechsel – und zwar in revolutionärer Geschwindigkeit.“

          Der Thronfolger setzt sich bereits seit ungefähr einem halben Jahrhundert für den Schutz der Natur ein. „Die Privatwirtschaft muss durch Innovationen den Wandel vorantreiben“, sagte er nun an das Publikum auf dem Weltwirtschaftsforum gerichtet. Die Fortschritte unter anderem in der Informationstechnologie in den vergangenen zehn Jahren zeigten, dass rasche Veränderungen in der Industrie möglich seien.

          Es gehe darum, dass Unternehmen wie Konsumenten sich künftig in „nachhaltigen Märkten“ bewegen. Konsumenten sollten nicht gezwungen, sondern davon überzeugt werden, in ihrem Verbrauch von Gütern und Dienstleistungen nachhaltige Kriterien anzulegen. Aus der Sicht der Unternehmen seien die Ziele Profitabilität und Nachhaltigkeit vereinbar. Prinz Charles verwies auf die Renditen nachhaltiger Kapitalanlagen, die sich nicht unter den Renditen traditioneller Anlagen bewegten.

          Danach skizzierte der Thronfolger ein Zehn-Punkte-Programm. Dazu gehört die Abschaffung „perverser Subventionen“ sowie die Setzung von Anreizen für nachhaltiges Wirtschaften. Mehr Investitionen in Land- und Forstwirtschaft sowie in Fischfang seien notwendig. Hier lockten attraktive Renditen, die nicht nur den Investoren zugute kämen, sondern allen Menschen: „Die Natur ist keine eigenständige Anlageklasse.“ Prinz Charles lehnte Pessimismus entschieden ab: „In vielen Wirtschaftszweigen sind bereits ermutigende Fortschritte erkennbar.“ Er erwähnte unter anderem die Aussicht auf neue und sehr viel umweltfreundlichere Treibstoffe in der Schifffahrt und im Luftverkehr.

          Abschließend skizzierte der Thronfolger seine Motivation. „Wollen wir in die Geschichte als die Generation eingehen, die versagt hat?“, fragte er – und gab für sich die Antwort: „Ich will das nicht. Aber ich brauche dafür Ihre Hilfe.“ Alles, was er in den vergangenen 50 Jahren für den Schutz der Natur unternommen habe, das habe er getan, weil er an seine Kinder und Enkel gedacht habe. „Ich will nicht von ihnen dafür verantwortlich gemacht werden, dass wir ihnen keine intakte Natur hinterlassen haben.“

          Welt­wirt­schafts­forum in Davos – Jahrestagung 2020

          Tag 2

          • 11:40 Uhr
            Rede EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen
          • 12:00 Uhr
            Rede EU-Parlamentspräsident Sassoli
          • 14:40 Uhr
            Rede britischer Thronfolger Prinz Charles
          • 18:00 Uhr
            Rede irakischer Präsident Salih

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Will seine Aufzugsparte an Konsortium um Advent verkaufen: Thyssenkrupp

          „Gutes Ergebnis“ : Thyssen trennt sich von Aufzügen

          Der kriselnde Thyssen-Krupp-Konzern braucht dringend Geld und hat sich nun entschieden: Der Verkauf der lukrativen Aufzugssparte ist besiegelt. Das vom Aufsichtsrat akzeptierte Angebot ist eine Überraschung.
          Urteil mit Signalwirkung: Das Bundesverfassungsgericht (hier im November 2019)

          Urteil zu Rechtsreferendarin : Robe sticht Kopftuch

          Das Bundesverfassungsgericht hat das Kopftuchverbot für Rechtsreferendarinnen bestätigt. Das Gericht sei ein besonderer Ort, an dem der Neutralität staatlicher Vertreter besonderer Bedeutung zukomme.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.